Für einen Menschen, der früh einen Seesturm erlebte, unter Magendrücken sich eines vergangenen guten Mittags erinnert, und den gegenwärtigen ungenossen verschrieben hat, befinde ich mich noch leidlich genug – danke Gott für meinen weich gepolsterten Sorgestuhl – für den geistreichen Wein, der schon mein ganzes Vertrauen gewonnen hat – für den Trost meiner Feder, und für die gute Laune, mit der ich der Ernstaftigkeit freundlich die Hand biete. Ob es mir einmal nicht schlimmer zu Mute sein wird, wenn ich mich in meine philosophische Klause zu Berlin hinsetzen, und nach Beendigung meiner Reise die Summen, um die mich meine Freigebigkeit, meine Kaufsucht und meine physischen und moralischen Torheiten gebracht haben, aus meinen täglichen Ausgaben heben, und unter der ihnen gebührenden Rubrik zusammen rechnen werde, ist freilich eher zu wünschen, als zu hoffen. Denn, lass mich auch – um ernstlich zu sprechen – meine Erfahrung seit dem ersten November, wo ich Berlin verliess, bis heute, den dreizehnten Januar, wo ich mich mit einem Meergräuel herumbalge, noch so hoch in Einnahme bringen, so wollte ich doch wohl die funfzig prahlenden Hefte meines Tagebuchs gegen meinen Schreibkalender setzen, dass der Gewinn den Verlust nicht aufwiegt. Ich weiss zwar meine Rechnung recht gut in Ordnung zu halten; nur schlage ich sie nicht gern nach. Doch da ich heute weit weniger um die Zeit selbst, als um ihre Anwendung zwischen zwei Armen eines Lehnstuhls, verlegen bin, so will ich doch den Gedanken, der anklopft, herein nötigen, will zum Spass die Rotte meiner unnützen Ausgaben der letzten acht oder zehn Tage zusammen stellen, und meinen jüngsten Torheiten die Ehre der Sitzung an meinem Revisions-Tische vergönnen.
In vollwichtigen Dukaten nach dem Kours zu 12
Livres gerechnet.
d. 4. Jan. – dem Wächter der Laura zum zweiten Geschenk 2 it. für das Strumpfband der Maria, das ich tages darauf gegen ein anderes vertauschte, das ungleich weniger wert war 41 d. 5. – Siehe Insgemein. d. 6. u. 7. für Beköstigung der Wache, während meiner Gefangenschaft, inclus. des Weins, den sie auf meine und des Papsts Gesundheit getrunken, und eod. des letzten Dukatens an den getauften Juden für sein Gutachten in meiner Processsache 23
Summa in Dukaten 66 Stück oder 792 Livres.
Ferner in Louisd'or zu 24 Livres.
d. 8. Verlust an dem, der alten Bertilia auf einen monat vorausbezahlten und im Stich gelassenen Mietzins auf drei Wochen deux Louis par semaine 6 it. für den Abschiedsschmaus, den ich Herrn Ducliquet und Konsorten gab, l. Rechnung des Speisewirts und Weinhändlers 71/2 it. zurückbezahlter Vorschuss an den Hauptmann der Päpstlichen Garde, für die Rekruten, die er der Armenkasse abgekauft und mir überlassen hat 9 it. eben demselben für die Ausfertigung ihres Abschieds 2 it. für die Liverei der beiden Puppenspieler, l. Quittung des Trödlers 91/2 it. zu Bezahlung ihrer Schulden 21/2 d. 9. – für unverdiente Ehre an überflüssigen Schüsseln und Wachslichtern d. 8. Abends in Joseph dem Zweiten zu Lambesc 2 it. für Erfrischungen und Chokolade, Champagner und Punsch, womit ich den Visitator und seine Nichten bewirtete, incl. der Orangen von Malta, die ich bis zu Morgens-Anbruch verbraucht 21/2 it. für Rückfahrt von der Tartane von St. Domingo aus Ufer 1/2 d. 10. Siehe Insgemein. d. 11. 12. 13. den Herrn Passerino drei Tage an der Wirtstafel Mittags und Abends frei gehalten, incl. des Weins 2 it. für einen Seesturm von seiner Hand, zwei Ellen und einen Daum gross 10 Insgemein für unnötigen Aufwand an Federn, Tinte, Papier, besonders den 5. und 10. huj 1
Summa 541/2 Louisd.
Zusammentrag.
Unnützer Aufwand vom 4. bis 7. an 66 Dukaten – macht
792 Livr.
desgl. vom 8. bis 13. an 541/2 Louisd'or 1308 Livr.
Sonach in zehn Tagen: 2100 Livr.
Ei, ei! lieber Eduard, da habe ich mir einen schönen Spass ausgedacht! Gott bewahre mich, dass ich ihn fortsetze! Nicht ein Blatt mehr von meinem verräterischen Schreibkalender möchte ich umschlagen – ich würde fürchten vor Schwindel unter den Tisch zu fallen. Was ist mit so einer Rechnung anzufangen? Ich kann sie drehen und wenden wie ich will, so wirft sie doch nichts aus, was ich als Gewinn in Einnahme bringen könnte: denn, was hätte mir wohl meine zehntägige Verschwendung eingetragen, ausser allenfalls den Fund einer verlornen Schreibtafel – ein paar Puppenspieler, und zwei Ellen gemalte Packleinwand? Das sind herrliche Zugänge der Wirtschaft! Noch dazu darf ich die erste und beste Nummer nicht einmal rechnen; denn sie fällt übermorgen an ihren kranken Eigentümer zu Montpellier zurück. – Die zweite? beschwert mir den Wagen, lebt auf meine Kosten in den Tag hinein, und schickt sich in der Welt Gottes zu nichts, als zu Harlekinaden. Und die dritte endlich? wenn ich die vollends in Anschlag bringen will, so gibt mir das gutes Spiel. – Sie fasst meine jüngste Torheit in sich, die gewöhnlich immer die ärgerlichste ist, und zugleich ein Inventariumsstück, wie ich Gott Lob noch keins besitze, das so alt bei mir werden kann als es will, weder gute noch böse Gedanken und nichts erregt, als Gähnen. Es sind – mit Einem Worte – und bleiben unverantwortliche Ausgaben. Sie würden es für einen Prinzen sein, der auf Kosten