sich darauf zu uns hin, und, nachdem er mit e r n s t e n Augen bald den Sturm, bald mit s p ö t t i s c h e n den Käufer, und mit h ö c h s t v e r ä c h t l i c h e n den Meister, der eben daran war, das Stück zusammen zu rollen, angeblinzt hatte, klopfte er ihn auf die Achsel, und ... "Was Herr?" fuhr er ihn an, "das nennen Sie nach der natur gemalt? Wollte Gott, es wäre wahr, nur halb wahr! – Ich gäbe gleich aus meinem Beutel tausend Guineen – schon allein für den Untergang Ihres einzigen Hauptschiffs – God damn me! das gäb' ich darum," – und so ging er steif und pfeifend wieder zur Tür hinaus. – "Das war ein tüchtiges Gebot," sagte Passerino ganz unerschrocken: "aber warum blieb der Herr Engländer nicht, und machte seine Bestellungen wie er sie nur haben will? Was wollte er mit meinem Hauptschiffe? Das wird wahrlich nicht lange mehr See halten. – Jeder Kenner, dächte ich, müsste ihm seinen nahen Untergang ansehen." – "Ja wohl," antwortete ich. "Doch es ist gleich Mittag, Freund, lassen Sie uns gehen." – Er nahm nun das zweiellige Bündel unter den Arm, und schlich mir mit einer Miene bis in den Mietwagen nach, als ob er seinen letzten Blutsfreund zu grab trüge. Unterwegs aber nach dem Gastofe ermannte er sich wieder, und bekam sogar Herz genug, mir unter den Bart seinen heutigen Gewinn an Geld und Ehre vorzurechnen. – "Wenn ich alleweile," brach seine geheime Empfindung los, "einen blick auf mich werfe, so fällt mir der gute Correggio mit seiner berühmten N a c h t ein. Sie ist wenigstens um andertalb Ellen grösser und breiter als mein S t u r m , und dennoch verkaufte er sie nicht um einen Groschen höher! Aber, was erst Entsetzen erregt – musste er sie nicht, wir ein gemeiner Bote, einige Meilen weit in das Kloster tragen, für das sie bestellt war – ohne dass die dummen Mönche ihm für seinen sauern gang, wie die Historie sagt, nur so viel als eine Mahlzeit beträgt, darüber bezahlt hätten? Als er den Abend in seine Werkstatt zurück kam, und sie ihres schönsten Schmuckes beraubt sah, weinte er bittere Tränen über eine Armut, die ihn genötigt hatte, sein unsterbliches Werk, um nicht selbst Hungers zu sterben, solchen Barbaren zu verhandeln. Ich hingegen, grosser Gott!" fuhr er fort, "fühle zwar auch die Trennung von dem letztgebornen Sohn meines Geistes; aber durch wie viele tröstliche Umstände wird sie mir nicht erleichtert! Ich gebe ihn ja in die hände eines braven, verständigen Freundes, der mich noch dafür ehrt und belohnt, der mich heute bei dem Heiligen Geist zu gast, und ach! morgen zu der einzigen Marie führt, die mir abgeht, und die Gebenedeiteste ist unter den hiesigen Weibern!" Während er in der einen Ecke des Wagens diese Parallele zog, die ihm der Himmel vergebe, sass ich mäuschenstill in der andern, und, indem ich wechselsweise bald seinem teuern Sturm einen Schub mit den Füssen gab – bald meine Freigebigkeit, mein Magenfieber und meine morgende Kur zum Henker wünschte, fühlte ich es in allen Gliedern, was es auf sich hat, Protektor der schönen Kunst zu heissen.
So endigte sich mein pittoreskes Frühstück. Ich habe Dir es auf das genaueste beschrieben – das wirst Du nicht anders sagen können. dafür muss ich aber, vielleicht zum erstenmale in meinem Tagebuche, drei volle Stunden überhüpfen, so wichtig sie auch indess allen andern Erdenbewohnern sein mögen; Stunden, die in Marseille so hoch gefeiert werden als zu Berlin, und die – dass ich Dir ihren ganzen Wert fühlbar mache – jene kostbaren Minuten entalten, die selbst unserm grossen Könige die sichtbarste Belohnung für sein mühvolles Leben darbieten – mit Einem Worte: die glücklichen Stunden des Mittags. Ich kann Dir sogar von der Esslust meines Gastfreundes keine Rechenschaft geben: denn, während er an der Wirtstafel aller seiner Sorgen vergisst, halte ich mich mit den meinigen von vorgestern her in meinem Nebenkabinette verschlossen, suche zu verdauen und schreibe. O des hässlichen Fisches! Wer nicht Seehunde und Meerwölfe zu Gästen hat, sollte so ein Gericht nicht auf seinen Tisch bringen. Wie viel habe ich ihm nicht schon bittere Pulver und Stinkkugeln nachgeschickt! Aber sie prallen ab, wie Schrotkörner von einer Mauer. Nichts sprengt – nichts durchbohrt ihn. Jetzt hat sogar mein Wirt aus menschenfreundlicher Teilnahme die verborgensten Schleusen seines Kellers gezogen, und mir eben Weine aus dreier Herren Ländern herauf gebracht, um ihn wegzuschwemmen. Wenn auch dieses Holländische Mittel nichts hilft – nun so mag meinetalben der holprige Mönchsweg morgen die Masse zerreiben, die mich drückt, und der Ekel, den ich bei meiner n e u e n Bekanntschaft voraussehe, d e n heben, den mir meine vorgestrige zuzog, da es für einen protestantischen Magen schwerlich ein kräftigeres Emetik gibt, als so ein Madonnengesicht. Sollte aber die Ziehung der Schleusen den Feind aus dem land treiben – desto besser! Ich habe eben eine geöffnet, und fühle ihre wirkung schon bis in den Fingerspitzen. Wie viel lässt sich da nicht Gutes erwarten, ehe alle drei geleert sind! –