einer Stunde bei mir zum Verkaufe. – Frage nicht erst lange, wie das zugeht – tue ein Gebot darauf, aber bald.
Ermuntre Dich, lass Deiner vollen
Empfindung ihren Lauf.
Dergleichen Stücke rollen
Wir nur dem Kenner auf.
Er nur fühlt es mit trunknen Sinnen,
Wie durch der Farben Licht
Auf einem Stückchen Linnen
Der Geist zum geist spricht.
Wohl mir, wenn meines Sturmes Scene
Dir hoch den Busen schwellt,
Und eine Männerträne
Auf meinen Pinsel fällt!
Siehst Du, wie sich der Tag entfernet
Auf dieser Wasserflur?
Ganz im Geschmack von V e r n e t ,
Und wahr wie die natur.
Sieh, wie der Himmel deinen Augen
Entgegen droht. Hier weicht
Der Mond, die Wolken saugen –
Und jeder Stern verbleicht.
Der Horizont, mit Blut umzogen,
Wirft fürchterlich und schwer
Um das Gefecht der Wogen
Den Trauermantel her.
Hoch über das bis auf die Hefen
Empörte Meer umziehn
Nur einzeln weisse Möven
Den schwarzen Baldachin.
Sei ehrlich! Untersuch' und richte,
Ob nicht der Uebergang
Mir wunderbar gelang.
Ich bin's geständig zwar – mein Vetter
Malt brav – mit Phantasie;
Doch solch ein Donnerwetter
Erregt sein Pinsel nie.
Wer zählt die Schiffe, die verschwanden,
Und die noch wasser ziehen
Notschüsse tun, und stranden,
Und in den Orkus fliehn?
Hier kämpft mit seiner eignen Schwere,
Zerrüttet durch die Zeit,
Mein Hauptschiff, F r a n k r e i c h s E h r e ,
Und unterliegt dem Streit.
Ihm, dem Gewaltigen – ihm sinken
Der T h r o n , das V o r g e m a c h ,
Und Millionen Pinken
Und niedre Barken nach.
Dort sinkt eins, das im Untergange
Selbst noch die Segel spannt,
Ein Raubschiff, nur die S c h l a n g e
V o n O r l e a n s genannt.
Ein andres dort – D r e i S e c h s e n zieren4
Des Schiffers Namenzug,
Den sonst eins von den Tieren
Der Offenbarung trug.
Beschädigt am Verdeck,
G r a f A r t o i s – Ach! er leidet
Nicht an dem ersten Leck! –
Und hier dreht manche leere Tonne
Sich noch im Wirbel – wo
Die löchrige S o r b o n n e
Aus dem Gesichtskreis floh.
Der Strudel zieht den letzten Splitter
Der M o n a r c h i e hinab:
Dort platzt der stolze Ritter,
Hier knickt der Bischofsstab.
Dort irrt der S c h a t z von P e r u ledig
S a n k t P e t e r n nach, und hier
Der L ö w e von V e n e d i g
Dem trägen M u r m e l t h i e r .
Sprich! blieb ich nicht vom fernsten Gipfel
Bis zu dem nächsten Strand
Mir gleich? – bis in den Zipfel
Der bunten Leinewand?
Bis – wo noch Ausdruck und Gedanke
Gleich schön zusammen stimmt –
Bis zu dem Span der Planke,
Auf dem ein S p e r l i n g schwimmt?
Des Weisen Herz darf ohne Zittern
Sich jedem Abgrund nahn:
Der Erdball kann zersplittern;
So schwamm mein I c h auch im Getöse
Des Meers, auf Blut und Schaum,
Durch einen Sturm – an Grösse –
Zwei Ellen und ein Daum.
Der Sprung, den der liebe Mann so unerwartet aus seiner ästetischen Höhe in Gott weiss welchen Kramladen tat, hätte mich beinahe ganz aus meiner herrlichen Fassung gebracht. Ich musste zu allen Künsten des Mienenspiels meine Zuflucht nehmen, um meinen Spottgeist und mein gutes Herz im Gleichgewichte zu erhalten. Die vorzüglichste hülfe indess verdankte ich ihm selbst, indem er alles, was meine Verlegenheit auswarf – wär' es auch der bitterste Hohn gewesen – für den lautersten Beifall aufnahm, und das unverschämteste Lob viel zu natürlich fand, um meine Aufrichtigkeit in Verdacht zu ziehen. Wenn Du ihn nur gesehen hättest, Eduard! Sein seliges Wohlbehagen würde Dich am ersten von der Güte der Falschheit belehrt, und überzeugt haben, dass sie, die eure unhöfliche Moral, viel zu geradezu, für Laster erklärt, sich in der Praxis als das wirksamste Hausmittel der Menschenliebe bewähre. Meine närrischen Schmeicheleien trieben sein Entzücken immer höher, endlich so hoch, dass er, in einer Art von Taumel, sich so freigebig gegen mich erklärte, als gegen das Publikum auf der schwarzen Tafel über seiner Haustüre, und mir, stelle Dir vor, mit väterlicher Entsagung seinen Liebling zum Geschenk anbot, gegen Erstattung der fünf Louisd'or für die Farben, die er darauf gesetzt habe. – "Wo denken Sie hin?" knallte ich ihn an. "Wie können Sie in der Welt zu etwas kommen, wenn Sie Sich selbst so wenig zu schätzen wissen? Ich gebe Ihnen gern das doppelte von dem, was Sie fordern, und mache noch immer einen sehr guten Handel." – "So wollen Sie denn meiner uneigennützigen Freundschaft durchaus nichts verdanken?" sagte er rührend, und reichte mir seine dürre hohle Hand hin, in die ich – sehr froh, dass es nur kein Kenner bemerkte – die verschleuderten Goldstücke einzählte.
Indem aber überraschte mich doch bei diesem einfältigen Handel einer von den Herren, die immer geradezu gehen – ein reisender Engländer. Er trat gestiefelt herein, warf ein paar flüchtige Blicke auf die Madonnen, und hatte genug – drehte