Rüstungen auf unsern Ritterspielen!
Wir brauchen höchstens ein Visier.
Es ist ja nur Ein Punkt, nach dem wir alle zielen,
Und dieser kleine Punkt – sind Wir!
Den trifft wohl jeder leicht; drum rat' ich allen, ladet,
Wenn euch die Ehrsucht spornt, durch holde
Schmeichelei'n
Einander auf den Kampfplatz ein. –
Wie sanft wird euer Streit! – Ihr werdet wie gebadet
In Rosenöl – die Lust wird allgemein,
Der Kranz des Siegenden sogar wird unbeschadet
Dem Lorber des Besiegten sein.
Die Wahrheit ist mir lieb. Doch räche
Mein Mund sie selbst an einem Toren nicht,
Der durch Verschonung meiner Schwäche
Mich für die seinige besticht!
Die Eitelkeit hält warm: wer wollte sie nicht pflegen!
Mich macht kein Bruderkuss verlegen
Der vielen Passagiers, die B r a n t 2 uns ausgeschifft:
Mein lauter Beifall geht der Schrift,
Die mir der Autor bringt – mein Handwerksgruss dem
Segen
Des bettelnden Gezüchts, entgegen,
Das auf dem Pfad des Ruhms mit mir zusammen
trifft. –
Sind es nicht Stümper? – Meinetwegen!
Wenn wir mit unserm, Kopf nicht sichrer sind, als
Swift,3
Was wagen wir, mit Recensenten-Schlägen
Den Freipass in s e i n Narrenstift
Auf eines andern Stirn zu prägen?
Leiht gern einander euer Ohr.
Beweist nicht gleich mit einem Rechnungszuge,
Wer in dem süssen Wortbetruge
Mehr oder weniger verlor.
Wir streiten nicht – ich und mein Teodor.
Auf falsche Wechsel zieht der Kluge
Schnell eine falsche Quittung vor.
Nach solchen Vorbereitungen konnte der Erfolg nicht anders als erwünscht ausfallen, und wären meine Magenkrämpfe nicht gewesen, ich wollte über nichts klagen. Ich muss meinem freundlichen Wirt nachrühmen – er hatte es weder an Farben, Palleten noch Pinseln, die in der ausgesuchtesten Unordnung da lagen, noch an sonst einem artistischen Blendwerke fehlen lassen, um seinen Gast in die Illusion zu zaubern, dass er in der Werkstatt eines Malers frühstücke. Ich hätte mich ihr auch gern überlassen; doch unter dem Wiederschein d e r Bilder, die heute zu meiner Verwunderung die vier Wände seines Stübchens verzierten, das mir gestern ohne diese Tapete viel reinlicher vorkam, war es unmöglich. Es war die vollständigste Kopien-Sammlung der Wunderbilder der Madonna. Eine einzige nur, klagte er mir, ginge seinem Sortimente ab, und noch dazu eine aus der hiesigen Gegend, Notre Dame de la Grace zu C o t i g n a c , zum grössten Nachteile seines Handels; denn es würde immer dreimal öfter nach dieser gefragt, als nach sonst einer andern, besonders von Weibern in gewissen Jahren. – "Doch Ihr Leibschneiden, teuerster gönner," fuhr er fort, "von welchem ich Sie so gern befreit sähe, soll mir hoffentlich behülflich sein ..." – "Zu was, lieber Passerino?" fragte ich erstaunt, "zu was?" – "Die Lücke," fiel er ein, "in meiner Gallerie auszufüllen." – "Das," erwiderte ich mit noch grösseren Augen, "muss ganz sonderbar zusammen hängen, lieber Sperling." – Hier rückte er mir einen Stuhl, trat vor mich, und: "Ist etwas in der Malerei," fing er mit abgemessenen Worten sein Rätsel zu lösen an, "das eine feste, geübte Hand, Kenntniss des Clair Obscur und ein verständiges Auge erfordert, so ist es die Kopie eines wundertätigen Originals, wo oft die wirkung nur in einer kleinen Nüance liegt. Das weiss ich aus einer langen Praxis. – Aber mein Gott! was hilft es mir! Ich bin, bei allen diesen Voraussetzungen, doch zu alt, um den Weg zu fuss – und leider zu arm, ihn in einem Wagen zu machen. Wenn Sie nun morgen nach Cotignac fahren, und hätten die Güte, mich mitzunehmen, so ..." – "Aber wer zum Henker," unterbrach ich sein Gewäsch, "hat denn gesagt, dass ich nach Cotignac fahre? Es ist in diesem Augenblick das erstemal, dass ich das Nest nennen höre." – "Tut nichts," antwortete er: "Die hiesigen ärzte schicken alle ihre Kranken dahin, die an schwerer Verdauung leiden. – Hilft die Marie nicht, so tut es der Weg, der weder zu kurz, noch zu lang, überaus steinig und zum Erbrechen gut ist. Ueberdiess kann ich Ihnen – denn ich kenne das hiesige Wetter – morgen einen heitern sonnigen Tag versprechen; und welches Glück wär' es nicht für mich, während meiner Abzeichnung einen Mann von Ihrem Blicke, feinen Geschmack, und Ihrem – wie soll ich sagen – so zarten Kunstgefühl an meiner Seite zu wissen!" – Hätte der gute Mann fortgefahren, lieber Eduard, wie er anfing, von seiner festen Hand – seiner Kenntniss im Clair-Obscur und seinem verständigen Auge zu schwatzen, so war nichts gewisser, als dass ich seinen tollen Vorschlag abwies; jetzt aber, da er mein Lob, so wenig es in seinem mund auch Wert hatte, mit dem seinigen verschmelzte, war es mir nicht mehr möglich, Nein zu sagen. Wahrlich kein schlechter Beweis von der Güte und Kraft meines obigen Systems!
Die Reise nach Cotignac ist also auf morgen festgesetzt. Seine Freude darüber war so gross, dass eine glückliche Stunde verging, ehe sein Kopf ruhig genug war, an seine Kunstwerke zu denken. Wie er ihnen aber einmal wieder auf die Spur kam,