1791_Thmmel_094_225.txt

Gewehr.

Doch endlich naht sich ihr bittend und dreist

Und Oberon stiess in sein Horn

Ein flinker Ritter vom heiligen Geist

Und endlich naht sich ihr bittend und dreist

Ein Ritter vom päpstlichen Sporn.

Sie blickt auf keinen, und reicht ohne Wahl

Dem Ritter des Sporns ihre Hand.

Er, wie ein Sturmwind, durchbraust nun den Saal,

Und dreht und walzt sie, verunglückte Wahl!

Bis ihre Besinnung verschwand.

Sie fielzwar, leider! so ehrbar nicht, als

Einst Cäsar, doch schöner gewiss.

Was Er verhüllte, war freilich kein Hals

Von solcher Griechischen Federkraft, als

Hier einer sein Schnürband zerriss.

Von Wien bis China, von Osten bis West

War nie ein Schwindel so frei

denke dir, was sich beschreiben nicht lässt,

Von Wien bis China, von Osten bis West

Und nun die Beleuchtung dabei!

Die Nymphen des Balls flohn wider Gebühr,

Und lachtenDoch Männer, wie ich,

Verstummten sittsam, und rückten dafür

Dem Ziele näher, das wider Gebühr

Ihr freundliches Fernglas beschlich.

Mich hatte die Lust ins Weite zu sehen,

Wie B o d e n und H e r s c h e l n , berauscht;

Hier sah ich Sparta, dort sah ich Aten

Nicht dunkler, als ich das Füsschen gesehen,

An das ich mein Strumpfband vertauscht.

Nur Er nahm, der selbst in Stambuls Gebiet

Nie Mut und Bewusstsein verlor,

Kaum wahr, was seine Nichte verriet;

So warf er, als ständ' er in Stambuls Gebiet

Noch Wache, sein Schnupftuch davor.

Was half's dem Neider? Ich hatte', eh' er warf,

Mich längst nach dem Lichte gedreht,

Und dreimal erblickt – – Wie wenig bedarf

Der Mensch zum Frohsein! ich schwör' es, er warf

Sein Türkisches Schnupftuch zu spät.

Sein schwarzes Auge voll blitzenden Zorns

Verjagte die andern. Es floh

Der Ritter des Geistes, der Ritter des Sporns;

Sie wurden unter dem Blitz seines Zorns

Des reizenden Anblicks nicht froh.

Kaum floh der Schwindel, so bot er den Arm

Der Schönen. Errötend verliess

Sie nun im Fluge den männlichen Schwarm,

Der jetzt im Einklanger bot ihr den Arm

Die Reichtümer Griechenlands pries.

Ich braucht' als Richter das Fernglas nicht mehr,

Seit mein Object mir verschwand;

Mir schien der Rangstreit der andern so leer

An Rechtsbehelfen, sobald ich nicht mehr

Den Urtelsspruch zweifelhaft fand.

Vernehmt den Ausspruch, der ihren Beweis

Und der ihren Zeugen gebührt:

Mehr als ein Apfel versichre den Preis

Dem holden kind, das seinen Beweis

Selbst offner als Venus geführt.

In Griechischer Luft, wie Winkelmann schreibt,

Gedeihen die Grazien nur,

Und Griechenland ist und Griechenland bleibt

Sie hat bestätigt was Winkelmann schreibt

Die Werkstatt der schönen natur.

Diess sei so lange gesprochen zu Recht,

Bis es das Schicksal verhängt,

Dass mich ein Anwalt von Evens Geschlecht

Des bessern belehrt, und jene mit Recht

Aus dem Besitzstand verdrängt.

Die Männer klatschten; doch minder gelind

Verfuhren die Mädchen und Frau'n:

Die schalt mich, die schwur, mein Fernglas sei blind,

Die droht', und die bat mich minder gelind,

Auch ihr Dokument zu beschaun.

Die Alten fragten mit bitterem Stolz:

Gilt die Verjährung hier nichts?

Die Jüngern schrieen: ich wäre von Holz,

Und dächt', ich brauchte nichts weiter als Stolz

Zum gang eines solchen Gerichts.

Mir blieb kein Ausweg, als den einst Ovid

Am Pontus Euxinus ergriff:

Ich ging und spielte diess einsame Lieb,

Mein Blut zu kühlen, wie weiland Ovid

Die Schuld seiner Augen verpfiff.

Den 12ten Januar.

O warum kannst Du nicht mit mir frühstücken, lieber Eduard! Der Morgen ist unter meinen Tagszeiten immer noch die klügste, und wo ich am ersten einen artigen Gesellschafter annehmen kann. Es sieht wieder so aufgeräumt in meiner Seele aus, wie in einem Putzzimmer, das die Nacht über von dem gestrigen Staub gereinigt wurde. Alle die schädlichen Dünste, mit denen wir es angefüllt verliessen, sind nun verflogen, Spiegel und Fenster sind hell, und die verschobene Symmetrie istauf Gott weiss wie langewieder hergestellt. Ich habe mich schon nach einem vernünftigen Geschäft umgesehen: es ist die Frage, ob ichs getroffen habe. Ich zog einen andern klugen Reisenden zu Rate, der hier immer aus meinem Tische liegt, und ward endlich einig mit mir, einen Besuch bei Notre Dame de la Garde zu machen. – Meine Erwartungen von diesem Spaziergange waren meiner Stimmung angemessen, und schränkten sich auf die herrliche Aussicht über das Meer, auf den Hunger, den ich mir ergehen würde, und auf das Vergnügen ein, die launige Beschreibung des C h a p e l l e nun auch einmal an dem Orte selbst zu lesen, den er durch ein paar hingeworfene Zeilen berühmter gemacht hat, als es nimmermehr Philippsburg oder Spandau sein kann. Dabei ist es auch ungefähr geblieben.

Ich schlenderte durch steile Wege,

Chapellens Reisen in der Hand,

Der Festung zu, die einst mein Herr Kollege

So gut als ich verschlossen fand;

Doch so gefasst sie stets bei jedem Ueberfalle

Der Dichter scheint, so weiss man doch, sie ist

Nicht fester, als die Festen alle,

Die unsre liebe Frau verschliesst.

Die Zeit hat noch überdiess manche von den Merkwürdigkeiten zerstört, die jener Reisende uns aufbehalten hat. Der Schweizer mit der Hellebarte, der damals noch am Tore der