die es mich in dem bunten Zirkel herum trieb, nicht satt, und lange nicht über das Urteil mit mir einig werden, das ich über alle Nationen der Erde fällen sollte. Endlich aber, nachdem ich diese herrlichen Gewächse der physischen Welt von allen Seiten besehen, wieder besehen und mit einander verglichen hatte, blieb meiner Unparteilichkeit, nichts übrig, als dem Herrn Frege beizustimmen, und den einheimischen vor allen den ausländischen, die ich unter sie gemischt sah, den Vorzug der Schönheit zuzugestehen. Ich kann weder euch helfen, ihr feurigen Geschöpfe Italiens, noch euch, ihr schlanken Gestalten Englands, und selbst auch euch nichts, ihr meine lieben blonden Landsmänninnen – euch allen – allen nicht, die Spanien und Pohlen, Russland, Schweden und Dänemark vor meinen Richterstuhl schickten. An jeder von euch rührten, blendeten und entzückten mich einzelne Reize genug, die ich aber nirgends so flecken- und tadellos und so offen beisammen fand, als in den äterischen Gestalten Marseillens. Keine war – wie ging das zu? – der andern gleich, und doch jede vollkommen.
Herr Frege behielt Recht. Er behielt Recht von acht Uhr des Abends bis eine Stunde nach Mitternacht: aber eben wie es Eins geschlagen hatte, stellte sich eine Griechin seiner Ausforderung entgegen, und nach wenigen Minuten war ich gezwungen, mein schon gefälltes Urteil beschämt wieder zurück zu nehmen. Ein guter Wind hatte sie, erst vor einer Stunde, in den Hafen gebracht, unter der Aufsicht und Leitung ihres Oheims, des weltberühmten Ritters von Tott. Er, der lange Jahre die Dardanellen verteidigte, und die Ungläubigen siegen gelehrt hatte, eroberte für sich selbst eine schöne Cirkasserin, und flüchtete jetzt seinen Reichtum, seine Frau und ihre Nichte nach Frankreich.
Dieses Wundermädchen hatte nur zu lange auf dem engen Spielraum eines Schiffes den Tribut entbehren müssen, an den ihre Reize gewöhnt waren; nur zu lange hatte sie nicht ihren Schmuck angelegt und getanzt. Man kann denken, wie ungeduldig sie ihrer Landung entgegen sah. Gott sei gedankt! rief der Ritter, wie er in den Hafen einlief, jetzt haben wir die reichste Stadt meines Vaterlandes und den besten Zufluchtsort gegen die Langeweile erreicht. Sie haben jetzt nur zu wählen, meine liebe Nichte. Was wünschen Sie zu Ihrer ersten Erholung? – Das Mädchen antwortete: Einen Ball! und so stieg sie aus der offenen See vor den offenen Spiegel, fand sich da wieder, eilte, vielleicht zu sehr, mit ihrem Putze, und ging nun an dem Horizont unsers glänzenden Festes, wie der Morgenstern, auf, der eine ganze Milchstrasse verdunkelt.
Der weibliche Zirkel geriet bei ihrer Erscheinung in einen sichtbaren und sehr gerechten Unmut; denn unter den Männern blieb auch nicht Einer seiner Auserwählten so treu, dass er nicht seine Augen von ihr abwandte, und seinen Handkuss aufschob, um dieser Huldgöttin einen beifälligen blick zu entlocken, und in Andacht ihren Einzug zu feiern.
So trat die Nichte – –
Doch, eh' ich meine Romanze in dem neuen Versmasse anstimme, das ich unter den flüchtigen Füssen dieser unvergleichlichen Tänzerin wegstahl, und das ich Dir zugleich als die zweite probe meiner glücklichen Erfindung vorlegen will, bitte ich Dich, lieber die in meinem Tagebuche, und mitunter ziemlich derb auftreten, dieses liebe Mädchen schon die vierte ist.
Als einem Autor von seinem moralischen Gefühl, kann mir dieser zufällige Umstand nicht anders als angenehm sein; denn es würde mir leid tun, wenn ich hier und da das, was ich ohne Bedenken von Nichten erzähle, einer Tochter nachsagen müsste. Ob ich gleich, wie der Leser, mit der einen so wenig in Verwandtschaft stehe, als mit der andern, so ist doch gewiss, dass man an einer Verlegenheit, die Töchtern begegnet, innigern Anteil nimmt, als in die sich, nach Zeit und Umständen, eine Nichte gebracht sieht. Es ist, mit Einem Worte, sobald man dabei nur Onkel Tante, oder Vormund erwähnen hört, als ob man froh wäre, dass nur Vater und Mutter die Abzeichnungen nicht erlebt haben, in denen sich ein Reisebeschreiber, wie ich, Cook oder Vaillant, oft genötigt sieht, so reizende Geschöpfe der neugierigen Welt bloss zu stellen. Ich täte freilich wohl klüger, ich liesse meine Bleifeder ruhen, und suchte mein Bette, wüsste ich nur den verzweifelten Walzer, der mir im kopf liegt, auf eine andere Art los zu werden, als dass ich ihn auf Noten setze und Dir preis gebe. Aber, ziere ich mich nicht wie ein Kind! Warum sollte ich Dir denn etwas verheimlichen, was auf einem öffentlichen Balle geschah, und was morgendes tages, der schon anbricht, die eine Hälfte der Stadt der andern als eine Neuigkeit ins Ohr raunen wird, selbst auf Gefahr, durch ihr zu lautes Geschwätz die schöne Fremde auf immer und ewig daraus zu vertreiben? Es hatte also eben Eins geschlagen:
Da trat die Nichte des mutigen Tott
Mit ihm in den staunenden Saal:
Ein reiner und durch die Gnade von Gott
Gefüllter Busen, und Augen voll Spott
In einem schneeweissen Oval.
Als sie mit Anstand die Reihen durchzog,
Ward Missgunst und Lüsternheit wach –
Ein summender Schwarm von Jünglingen flog,
Als sie mit Anstand die Reihen durchzog,
Der Blume des Orients nach.
Die Fächer rauschten: doch Mangel an Mut
Entfernte das feindliche Heer;
Der Handschuh lag still, es winkte kein Hut,
Die Tänzer weilten aus Mangel an Mut,
Und keiner noch trat ins