meiner Jugend aus allen Ecken zuwarf. Mit Betrübnis verliess ich Dich endlich in den Anstalten eines neuen Baues. Mein Herz ward mir schwer, als ich Dich von dem Einreissen der alten Burg sprechen hörte. Ich eilte, um aus dem Staube zu kommen, und es war mir, als hätte ich einen treuen Spielgenossen aus dem einbrechenden Sturme gerettet, als Du meinen Hinblick verstandst, und so gütig warst, mir die hölzerne Uhr zu verehren, die zum Andenken Deines guten Oheims, selbst in diesem Augenblick, über meinem Schreibetische rasselt.
Lieber Gott, sagte ich unterweges zu mir, was für eine närrische Sache muss es doch um den guten Geschmack sein, mit dem sich mein ehrlicher August allemal entschuldiget, wenn ihn etwas verstimmt, was ich entweder gleichgültig ertrage, oder was mir wohl gar Freude macht! Immerhin! Wenn mein Freund nicht zufrieden in der alten Burg leben kann, so hat er Recht, dass er sie einreisst, und eine andere baut, die ihm Genüge tut. Ach wenn nur schon die beschwerlichen Jahre der Vorbereitung vorbei und die heiligen Hallen geöffnet wären, die seine muntern Launen zur Wiederkehr einladen, und ihn mit dem Gefolge seiner Tugenden beherbergen sollen, die jetzt der Anblick eines Gotischen Gebäudes in die Flucht jagt! – Diese fünf Jahre verliefen in Mühseligkeit und Erwartung – aber dafür hast Du nun auch Deinen schönen Plan ausgeführt, und den Reiz unserer ungeschminkten Gegend mit einem Gebäude erhöht, das ein edles Ansehn mit der höchsten Bequemlichkeit und den schönsten Verhältnissen auf d e m s e l b e n raum vereinigt, der sonst, wenn Du willst, eben so viele Sünden dagegen aufstellte. Die einfachen Häuser Deiner Nachbarn liegen seitdem, wie beschämt und in gehörigem Abstande, demütig umher, und es gehören förmliche Einladungen dazu, ehe sich einer von unsern Grauröcken entschliessen kann, Dich in Deinem Tempel zu besuchen. Ich rechnete freundschaftlich auf die erste, die Du ausschicken würdest – erhielt sie, liess nun alles in meiner Wirtschaft stehen und liegen, und schickte mich an, die Deinige zu bewundern. Nun, dachte ich, werde ich endlich den Freund meiner Jugend ganz so glücklich sehen, als die Mühe verdient, die er sich gegeben hat es zu werden. Meine Zufriedenheit wird freilich eine ärmliche Figur neben der seinigen machen; da ich aber nun einmal einen so kostbaren Unterhändler der menschlichen Glückseligkeit, als der Geschmack ist, weder besolden kann, noch zu beschäftigen weiss, so will ich mich einstweilen, ohne Neid, an die frohen Empfindungen halten, die mir die natur umsonst gab.
Wenn ich nicht irre, empfingst Du mich mit einer weit herzlichern Umarmung als das erstemal. Die grossen Augen, mit denen ich alles anstaunte, machten Dir Spass. Je weniger ich mich wiederfinden konnte, je bänglicher ich alles das vermisste, was den köstlichen Rost der Erinnerung an sich trug, desto mehr tatest Du Dir auf die Dinge zu gute, welche Du an die Stelle jener setztest, die Du so harterzig aus Deinen Augen und von der Erde wegräumtest. Ich will Dir nicht die Schönheiten Deines ländlichen Palastes herzählen. Sie fallen wohl jedem in die Augen, der nicht blind ist, und ohnehin kennst Du ihren Wert besser als ich. Eben so wenig will ich der alten Burg wieder erwähnen. Zu was würde es uns beiden helfen? Aber so viel kann ich Dir wohl sagen, dass es mir in Deiner neuen wohnung so ängstlich vorkam, als Dir in der alten. Die geschmückten Zimmer, die Du mir anwiesest, rührten mich nicht eher, als bis ich an die russigen dachte, die wir zusammen bewohnten. Deine Vasen – ob es Griechische oder Römische sind, weiss ich nicht – standen mir meistens im Wege, und es war mir immer, als ob ich den Möbeln, die ich unter einerlei Namen in meinem haus sorglos gebrauche, hier zuvor eine Verbeugung machen müsste, eh' ich sie berührte. Ich konnte mir nicht bergen, dass von dem Spiegel, der weit über mir weg bis an die Decke lief, der vierte teil für mich armen Pigmeen schon mehr als zu viel, das übrige teure Glas nur ein Auswuchs des guten Geschmacks, und, wenn Dich nicht einmal ein Patagonier besucht, Deinen Gästen unbrauchbar sei. Ich blieb, aus Furcht vor unglücklichen Folgen meiner Sorglosigkeit, immer mitten in dem Zimmer stehen, staunte die schön verzierten Wände an, ohne dass ich wagte, mich ihnen mit einem stuhl zu nähern. Du musst es mir zu gute halten, lieber August, aber ich finde wenig Vergnügen in der Bewunderung, und alle die trefflichen Kunstsachen, die Du hier aufgestellt hattest, machten mich so klein, so schmutzig, dass ich sie schon desswegen in meiner Nähe nicht leiden konnte. Indess, was hätte alles das zu sagen? Du hast D i r eine wohnung gebaut, und nicht m i r . Auch kann ich Dich heilig versichern, dass ich die Zeit meines Besuchs über mehr den gang Deiner Zufriedenheit, als der meinigen berechnete, und weniger Dein Gesellschafter war, als Dein Beobachter. Ich habe, Dich ganz zu erforschen, mir Deine Aeusserungen über Dich selbst so gut zu Nutze zu machen gesucht, als Dein misslauniges Stillschweigen, habe Dich in dem Zirkel der Gesellschaft belauscht, wie in Deiner Einsamkeit, und, wie der Arzt aus den Pulsschlägen der Hand auf die Bewegung des Herzens schliesst, habe auch ich in den oft schnellen Uebergängen Deiner Empfindungen den Ursachen