meine beiden Buben nicht besser, als ich vor zehn Wochen mit ihnen auslief. Sie waren auch noch auf kein Schiff gekommen; denn bis dahin steckten sie in der Schule. Jetzt sind sie der Wirtschaft schon gewohnt, und werden Ihnen jede Ihrer Herzensbewegungen auf das genaueste vorhersagen können, da sie seit kurzem erst selbst die Erfahrung gemacht haben. – Klammern Sie Sich nur getrost an diese Helden, wenn Sie die Furcht überfällt. – Holla! wo sind sie denn?"
Jetzt traten ein paar starke, blühende Jünglinge herein, die in kurzen Verbeugungen sich der Gesellschaft näherten, und die beiden Mädchen mit ihren feurigen Blicken zu verschlingen drohten. Diese konnten mit ihren Gegenreverenzen nicht aufhören, bis der Kapitän seinen Söhnen lächelnd befahl, sich zwischen die jungen Damen zu setzen.
Auf einmal war mir nun das Rätsel ihrer festlichen Aufnahme gelöst, und der alte Schiffer zeigte sich mir in einem nur desto bessern Lichte; denn ungezwungener, klüger und väterlicher, dachte ich, kann man doch kaum einen geheimen Liebesplan anlegen, als ich mir an den Fingern abzählte, dass hier der Vater für seine Söhne, mit oder ohne Vorwissen der Tante, getan hat. Ich möchte das Mädchen sehen, das, in einer solchen Lage, solchen Werbern entlaufen könnte! Denke nur selbst nach, Eduard! Abgeschnitten von der ganzen Welt sammt ihren Zerstreuungen – eingeschränkt auf einen einzigen Gegenstand der Begierde – so nahe dem tod in dem Schweben des schönsten Lebensgenusses – jedes Gefäss des Herzens durch die stärkende Seeluft erweitert – jeder durchströmende Blutstropfen tausendfach erwärmt, die ganze Maschine in beständigem Schaukeln, und immer die grösste Oper der Welt, den Auf- und Untergang der Sonne, vor Augen – in welche Stimmung von Wohlbehagen, sehnsucht und Zärtlichkeit muss das nicht eine weibliche Seele versetzen, und in welchem magischen Lichte muss ihr nicht der Jüngling erscheinen, der über ihrem haupt, nur für ihre Sicherheit und Ruhe besorgt, Wache hält, ihr mutvoll und lächelnd den heran nahenden Sturm ankündiget, sie, wenn er einbricht, in die arme schliesst, und an das Herz drückt, und, wenn sich der Aufruhr gelegt hat, mit glänzenden Augen ihre zitternde Hand küsst! Welche süssen Vorgefühle müssen sich nicht bei solchen von der natur selbst herbeigeführten Auftritten in der Brust eines Mädchens entwickeln, – und wie armselig kommen mir dagegen die Situationen vor, die sich in jedem Romane wiederholen, den wir unter uns spielen sehen! Denke Dir den seligen Augenblick, wo ein junges Paar, nach solchen Prüfungen und Vorbereitungen, endlich an das Land – und endlich dahin steigt, wo es die Liebe erwartet. Hätte ich Töchter zu verheiraten, wahrlich ich würde sie einige Monate mit ihren Liebhabern, und unter der Leitung eines solchen Menschenkenners von Kapitän, auf ein Schiff setzen und den Wellen überlassen, wäre es auch nur, um ihnen den schleppenden gang zu ersparen, den in unserm Zirkel, ein Mädchen wie das andere, aus der Kinderstube gähnend in das Gesellschaftszimmer und gähnend in das Brautbette nimmt.
Da die jungen Herren nur gebrochenes Deutsch, die beiden Mädchen kein besseres Französisch sprachen, so suchten sie, unter vielem Gelächter, hülfe in der Geberdensprache, die zu ihrer Unterhaltung mehr als hinreichend war. Der alte Seemann beobachtete die jungen Passagiere mit innigem Vergnügen, und ich sah aus allen Anstalten, dass es ihm mit der zeitigern Abfahrt wohl kein sonderlicher Ernst mochte gewesen sein; denn eine muntere Stunde vertrieb die andere, und es fing schon der Tag an zu grauen, ehe der gute Vater sich entschliessen konnte, die frohen Seelen zu trennen. Jetzt aber befahl er seinen Söhnen, auf ihre Posten zu gehen, und auf das Signal achtung zu geben; den beiden Mädchen aber mit hochroten Wangen und flimmernden Augen legte er nun selbst die Orangen vor, und gab jeder noch eine mit in die kammer. – "Ich werde," sagte er, "die Segel nicht eher ausspannen lassen, als bis Sie fest schlafen, und ich hoffe schon funfzig Meilen von Marseille zu sein, ehe Sie aufwachen."
Es war kein Wunder, dass den guten Kindern alles, was ihnen heute begegnete, wie ein Feenmährchen vorkam. Sie freuten sich, als sie von mir Abschied nahmen, dass ich Zeuge davon gewesen sei, und schrieben mir die Namen einiger ihrer Freundinnen auf, denen ich es erzählen sollte, wenn ich nach Berlin käme. Ich versprach es, und gedenke es auch zu halten, sollte mir es auch noch so viele Mühe kosten, sie in den kleinen Gassen aufzusuchen wo sie wohnen mögen.
Der Visitator schien es auch genug zu haben, da die Punschschale ausgeleert vor uns stand, und stolperte seiner kammer zu, die ihm der Kapitän an dem andern Ende des Zimmers, seinen Nichten gegenüber, anwies. Ich umarmte ihn und den braven Seemann mit unbeschreiblicher Herzlichkeit, stieg nun auch in meine Barke, und beruhigte bald die Matrosen, die mich über die Länge meines Aussenbleibens etwas mürrisch empfingen, mit dem Versprechen eines dreifachen Fährgeldes, wenn sie mich glücklich an das Ufer brächten.
Mit dem Schlafe für diese Nacht war es nun vorbei, – und ich entschloss mich, in einer der Kaffeebuden, deren eine Menge um den Hafen stehen, die Abfahrt des schiffes zu erwarten. Während ich nun, das Gesicht dahin gerichtet, neben einem Teller mit Orangen sass, die ich, dem Recepte des Kapitäns gemäss, zur Abkühlung meines Bluts nach und nach aussaugte – den ewigen Streit