, der nicht einmal in der unschuldigen geschichte mit der seidenen Trottel auf ihr Bewusstsein gewirkt hatte.
Eine Barke, mit lustigen Ruderern besetzt, erwartete die Gesellschaft am Ufer. Das neue grosse Schauspiel, das sich hier mit einemmal ihren Augen entdeckte – das unabsehlich ausgebreitete Meer – das Flimmern seiner Wellen im Mondschein – der Zuruf vieler tausend Stimmen von den schwankenden Schiffen her, die sich mit dem Getöse am Ufer durchkreuzten – alles das nie Gesehene, nie Gehörte, das sie hier umringte, machte einen so heftigen Eindruck auf die armen Stadtmädchen, dass sie mich zitternd ansahen, mir um den Hals fielen und weinten. Ich war bewegt, und da mich die guten Kinder baten, sie bis auf ihr Schiff zu begleiten, hatte ich den Mut nicht, es ihnen abzuschlagen: ich zog mir noch so viel an meinem Schlaf ab, als etwa nötig sein möchte, um als Landsmann dem Kapitän sie zu empfehlen, und mir durch eine Lokalkenntniss ihrer schwimmenden wohnung das Andenken an sie während ihrer Reise noch mehr zu versinnlichen.
Meine Nachgiebigkeit durfte mich nicht gereuen. Ihr Empfang auf dem Schiffe war so festlich, als ob es Prinzessinnen wären, die sich zu einer kleinen Lustreise einschifften. Wir traten, statt in eine beräucherte Kajütte, wie ich fürchtete, in einen artigen Salon, der, mit bunten Lampen behängt, eine runde Tafel beleuchtete, die mit den ausgesuchtesten Erfrischungen besetzt war, und fanden einen alten freundlichen Mann an dem Kapitän, der uns bewillkommte. Er blickte den Mädchen mit beifälligem Lächeln in die Augen, indem er mich zugleich fragte, wer ich wäre? Ich legte ihm in der Geschwindigkeit Rechenschaft von unserer kurzen Bekanntschaft ab, und empfahl sie ihm als Landsmann. – "Sein Sie unbesorgt für die guten Kinder," antwortete er: "ich bin der älteste Freund ihrer Tante, den sie jetzt auf der Insel hat. Vor dreissig Jahren schiffte ich sie ein, wie heute ihre Nichten; und diese sollen gewiss nicht übler fahren als sie, das habe ich der guten Frau versprochen. Ich habe wohl Zeit gehabt, – Sie lesen es zur Genüge auf meiner Stirn – mein Handwerk zu lernen. Die Tartane ist mein eigen. – Es ist kein Bettelschiff, wie da viele in dem Hafen auf der Ausbesserung liegen. – Den Tag bringen wir lustig in diesem raum zu, und des Nachts ... Kommen Sie, lieben Kinder, ich will Ihnen zeigen, wo Sie schlafen sollen."
Er führte nun die beiden Schwestern in einen niedlichen Verschlag, der rechter Hand an den Saal anstiess, worin zwei freundliche Bettchen, und dazwischen an der Mittelwand ein Spiegel, der grösste vielleicht, den sie noch gesehen hatten, befestigt war. Dieses vollendete ihre Ueberraschung. – "Nein! das ist allerliebst!" drehten sie sich nach dem Spiegel zu, und setzten ihre Hütchen zurechte. "Hier, sehen wir schon, wird es uns wohl gehen." – "Ja! das soll es auch, so Gott will; mein ganzes Schiff steht unter Ihren Befehlen," antwortete der alte Seemann mit einer Artigkeit, die mich nicht wenig verwunderte. "Auch habe ich weiter keine Passagiere," fuhr er fort, "an Bord genommen, um Ihnen den Raum nicht zu verengen;" und nun nötigte er uns zusammen an den Tisch. Eine Schale Punsch, die wir unter fröhlichen Gesprächen ausleerten, befeuerte uns noch mehr für den guten Mann, der besonders für die beiden Schwestern die zärtlichste und sogar medicinische Sorgfalt zeigte: denn als sie nach schönen Orangen von Malta langten, die eben vor ihnen standen, erklärte er, dass dieses für sie die einzige verbotene Frucht auf seinem Tische sei; die er ihnen jedoch, setzte er freundlich hinzu, aufheben wollte, bis ihnen die Abkühlung nötiger sei als jetzt.
Dieses zuvorkommende Betragen des alten Mannes gegen die Mädchen musste mir doch wohl auffallen, Eduard? Sollte denn, dachte ich, ihre Schönheit den Greis so sehr bestochen haben, dass er in ihnen die Nichten eines Visitators übersieht, und sie behandelt, als ob sie aus dem Schaume des Meers gestiegen wären, und St. Domingo beherrschen sollten? Oder hat ihm die Tante ein so reiches Fährlohn ausgesetzt, wenn er sie gesund überliefert? Nun ich gönne den armen Waisen alles mögliche Glück, mag es doch herkommen woher es will.
Du kannst denken, in welch einem vergnügten Erstaunen sich erst die beiden Schwestern befanden. Sie schlürften ein Gläschen Punsch nach dem andern ein, und lächelten einander an. über den vielen Artigkeiten, die ihnen gesagt wurden, hatten sie – das liegt nun einmal in ihrem Geschlechte – alle Furcht verloren. Dann und wann, wenn sich das Schiff bewegte, schien es ihnen zwar einzufallen, dass zu viele Herzhaftigkeit ein junges Mädchen nicht kleide – dann taten sie wohl einen angenehmen Schrei, und baten nachher in vollem lachen den Kapitän um Verzeihung. Du kennst ja, lieber Eduard, die Ziererei der Weiber. Sie verlässt sie nicht, so wenig auf der See wie auf dem land, auf dem Schiffe wie auf dem Sopha – sie mögen eine Spinne oder einen Wallfisch, einen Zwerg sehen oder einen Riesen. Der Kapitän war Weltmann genug, um zu tun, als ob er an ihr Schrecken glaube. – "Mein Gott!" sagte er, "bei einer ersten Seereise sind solche kleine Erschütterungen wohl zu vergeben, zumal jungen Damen. – Machten es doch