etwas kosten lassen, gelobt zu werden. Was für Winkelzüge werden nicht gebraucht, um dem Recensenten – so schwer es ihm auch ankommen mag – eine beifällige Miene abzulocken, und was für Antikritiken treten ihm frech unter die Augen, wenn er die guten Leute – wie sie sagen – nicht verstanden hat!"
"Der Urteilsspruch, der aus den Fingern
Gelehrter Ruhmverteiler schleicht,
Das ist der Kranz, der unsern Ringern
So vieler Lanzen würdig däucht.
Sie überlaufen sich, und werfen
In ihres Angesichtes Schweiss
Den letzten Pfeil – den letzten Scherfen
Nach diesem ausgesteckten Preis.
Non erubescit denken Alle,
Vom Tyberstrom bis an den Rhein,
Im schmetternden Trompetenschalle
Mit meiner Witwe überein;
Belohnt, wenn unter ihrem Schilde
Die Markltgeschäfte stille stehen,
Und Tausende mit ihrem Bilde
Und ihrer Schrift hausiren gehen!
Bezeichnet Dir Apollens stimme
Den Weisesten von Griechenland,
So weisst Du nicht, durch welche Krümme
Sich Sokrates nach Delphi fand.
Indem dem Accoucheur der Dichter
Die Pytonissin sich entblösst,
Wer mag's enträtseln, welch ein Trichter
Ihr die Begeistrung eingeflösst!"
"Dein Geschichtchen, lieber Jerom," sagte ich lächelnd, "ist ernstafter, als man nach dem ersten Ansehen vermuten sollte, und Deine boshafte Anwendung aus unsere Schriftsteller nur allzu wahr. – Passt das Sprüchlein des Shakespear, (hinter das einer von denen, die vor uns liegen, seine neue Entdeckung zu verschanzen sucht,) nicht eben so richtig unter das Fenster Deiner Harlemer Wirtin?" "Es gibt vieles zwischen dem Mond und der Erde," – betet er dem Dichter nach – "wovon sich unsere Compendien nichts träumen lassen." Nichts ist wohl leichter, als zu einer Torheit eine kluge Sentenz zu fihnden! – "Doch was geht mich aller dieser Schnikschnak an! Ich danke Dir übrigens herzlich für Deinen teoretischen und praktischen Unterricht: nur wollte ich wünschen, dass die hübschen artigen Mädchen, die mich zu Dir geschickt haben, ihn mit mir geteilt hätten. Die armen liebevollen Kinder fangen an mich recht ernstlich zu dauern. Welcher vorsichtige Mann wird eine Schöne heiraten, die unter den Händen der M a n i p u l e u r s , D e s o r g a n i s a t e u r s und M a g n e t i s t e n gezappelt hat?"
"O desswegen sei ohne Sorgen, lieber Wilhelm!" – antwortete Jerom. "Das schöne Geschlecht weiss aus allem Vorteile für seine Versorgung zu ziehen, und unsere jungen Herren besuchen unser einen am liebsten, je blühender und reizender das Mädchen ist, das in der Krise liegt. Ueberall findest Du jetzt Adepten der neuen Kurart, die mit der ersten besten hinfälligen Schönen ihre Kunst probiren. Von beiden Teilen spielt man seine Rolle so geschickt, dass eins den andern betrügt, ohne Betrug zu argwohnen. Wenn das nicht Heiraten schliesst, so weiss ich nicht was es tun soll. – Aber sage mir, lieber Wilhelm, möchtest Du nicht selbst einige Tage darauf verwenden, unsere Handgriffe zu lernen? Du könntest für Deinen Spass, sogar für Dein Ansehn in der Fremde, nichts Wichtigeres von hier mitnehmen. Ohne Mitglied irgend einer geheimen Gesellschaft zu sein, sollte jetzt kein vernünftiger Mann einen Tritt aus dem haus tun. Freimäurer bist Du doch wohl schon längst?"
"Nein! auch das," antwortete ich beinahe verschämt, "bin ich nicht, bester Jerom. Ich habe nie viel auf die Triangel gehalten. Sogar der P l a t o n i s c h e 6 ist mir gleichgültig geworden, seitdem ich nicht gut mehr damit zurecht kommen kann."
"Armer Freund!" – sagte Jerom, "wäre es nicht schon so spät – – doch morgen will ich früh zu Dir kommen, und Dich als Arzt in Untersuchung nehmen. Noch eine herzliche Umarmung! und nun für heute Gott befohlen!" Ungern trennte ich mich zwar von meinem Freunde: aber ich nahm doch eine Ruhe, eine Sicherheit der Seele und ein so voll zugemessenes Vergnügen mit, das ich nicht beredt genug bin Dir zu beschreiben. Die Nacht – sagt das Sprichwort – ist keines Menschen Freund! Aber nach dem Schlusse eines solchen Tages ist sie's, und sie war es mir heute mehr als jemals.
Wie könnte d e m des Schlafs Erquickung mangeln,
Den der Gedanke wiegt: Er, ohne den kein Haar
Von deinem Scheitel fällt, dreht noch unwandelbar
An Kräften und Gewicht, die Welt in ihren Angeln!
Dir schloss die Sonne nicht in ihrem Tagelauf
Ein neu entdecktes Tor der Offenbarung auf,
Erfüllte nicht dein Herz mit neuen Glaubenssorgen,
Und gab, aus einem Sturm, der Tausende zerstreut
Und Tausende verschlang, geborgen,
Dir einen Freund zurück aus deiner Jugendzeit,
Und dieser Freund – umarmt dich morgen!
Ich lächelte aus dem Gefühle der innigsten Zufriedenheit, als ich mein Deckbette über mich warf, wie ein Mensch, der einen verwickelten Prozess gewonnen; und diess Lächeln schwebte mir noch um den Mund, als mich, nach genossener Ruhe, die Ankunft meines Freundes und Ratgebers weckte. Ich hebe Dir von dem süssen Geschwätze, das mit ihm kam und den Morgen ausfüllte, dasjenige aus, womit er mich als Arzt abfertigte. – "Du hast," sagte er ernstlich, "viele Umwege genommen, um Dich von der natur zu entfernen: jetzt nimmt sie – und es kann Dich wundern? –