1791_Thmmel_094_207.txt

nur zum Lächeln; die Lateinische hingegen erweckte nichts weiter in mir als Aerger. "Instante morte," wiederholte ich laut, und drehte mich nach dem Mönch – "Aber, lieber Mann, ist es denn auch so gewiss, als Ihr Latein sagt, dass sich der Marquis noch aus seinem Todbette zu dem Glauben seiner Väter bekehrt hat?" – "O nichts weniger," fiel der Minorit ein: "das ist nur ein Anstrich, den wir der Sache gaben! Nein, mein Herr, er ist gestorbenSie werden es hören, wenn Sie nach Toulon kommenwie er gelebt hat: Erroris inimicusveritatis amator. Er verlangte hierin seinem Erbbegräbniss beigesetzt zu werden. – Angemerkt haben wir es auf dem Epitaphaber wir wussten es zu verhindern: denn was kümmert uns die Asche eines Abtrünnigen, der Judenbriefe geschrieben, und Freund und Anhänger Friedrichs des Grossen, oder vielmehr, wie wir das Frederic le grand auf der Inschrift verstehendes grössten Freigeists unseres Jahrhunderts war!" – Dummes geschöpf! dachte ich, und suchte es ihm noch durch meine Blicke zu verstehen zu geben, als ich die Kirche verliess. – –

Ihr habt doch noch nicht abgepackt? rief ich meinen Leuten entgegen, die an der tür des Gastofs aus mich warteten. – Noch nicht, antworteten sie. – Nun, so lasst in diesem Augenblicke anspannen.

Ich trat unterdessen in das Speisezimmer, und fand die Tafel gedeckt, um die schon einige geistliche Herren in hungriger Erwartung herschritten. Der Wirt war ganz betroffen, als er meinen sonderbaren Befehl hörte, überreichte mir den Küchenzettel, und zählte mir alle seine Weine an den Fingern her; da aber auch das nicht verfangen wollte, fragte er mich, ob ich denn schon bei den Kapuzinern das unüberwindliche Krucifix, die Manufaktur der Macaroni, und die Sammlung von Reliquien bei den Nonnen der Heimsuchung Mariä gesehen hätte, die einzig in ihrer Art wäre? – Kein Reisender würde es so leicht verabsäumen, der nur einen Gran ... "Sollte sich wohl," unterbrach ich ihn geschwind mit der Gegenfrage, "der zweite Kniegürtel der Mutter Gottes darunter befinden?" – "Kann wohl sein," antwortete der Wirt, "denn die Sammlung ist die vollständigste in der ganzen christlichen Welt." – "Aber warum fragen Sie eben nach dem zweiten?" fiel ein junger Abbé ein. – "Weil der eine," erwiderte ich, "vorige Woche in Avignon versteigert wurde." – "Und wer ist denn so glücklich gewesen ihn zu erstehen?" fuhr er mit sichtbarer Neugierde fort. – Dass man es doch nicht lassen kann, auch in unbekannter Gesellschaft, und wäre sie noch so schal, sich eine wichtige Miene zu geben! "Ich, mein Herr," warf ich mit vornehmer Gleichgültigkeit hin, und zog mir darüber den ganzen Tross auf den Hals. – Der eine wollte wissen, wie hoch er mir zu stehen käme? der andere, aus welchem Stoff er bestände? und ein dritter bat sich die gefälligkeit aus, ihm solchen zu zeigen. Ich bedauerte unendlich, dass er nicht mehr in meinen Händen sei. Da das kostbare Stück von der Toilette einer Dame herrühre, habe ich für billig gehalten, es wieder an eine zu bringen, die sich aber, wenn die Herren nach Avignon kommen sollten, gewiss ein Vergnügen daraus machen würde, es ihnen vorzulegen. – "Und ihre Adresse, um Vergebung?" riefen zwei zugleich, und einer so hastig als der andere. Wäre die meinige, die Du oben gelesen hast, nicht Deutsch gewesen, und hätte ich es nicht verschworen, mir das Bild wieder unter die Augen zu bringen, wer weiss was ich getan hätte! Unstreitig etwas ganz überflüssigesdenn kaum dass ich ihnen geantwortet hatte: Es ist eine junge Heilige, Namens Klara, so singen sie alle zugleich an, mir in das Gesicht zu lachen. – "O meine Herren," stimmte ich mit ein, "wie ich sehe, ist Ihnen das fromme Mädchen so gut bekannt, als mir selbst, und so habe ich Ihnen denn auch weiter nichts zu sagen." – Sie setzten sich nun mit grosser Lustigkeit zu Tische, die ich ihnen von Herzen gönnte, und ich steckte zu einiger Entschädigung des Mittagsmahls, da es doch sehr wahrscheinlich war, dass ich es ungenossen würde bezahlen müssen, das Brod von dem Kouverte ein, das für mich hingelegt war. – "Da tun Sie wohl," winkte mir der Wirt zu, "denn in Marseille ist es kontreband." – "Und warum das?" fragte ich. "Weil diess Produkt unsrer Gegend, wie Sie auch selbst finden werden," antwortete er, "so vorzüglich gut ist, dass es uns die reichen Marseiller verteuern würden, wenn die Ausfuhr davon erlaubt wäre. Indess können Sie doch bei meinem Vetter, dem Wirt im heiligen geist," flüsterte er mir in das Ohr, wie er mich an den Wagen begleitete, "täglich so viel davon bekommen, als Sie nur wollen, wenn es Ihnen einerlei ist, es unter einem andern Namen zu essen." – "Es wird doch nicht eingesegnet?" sagte ich lächelnd, dankte ihm für die gute Anweisung, die er mir gab, fuhr nun um vieles besser gestimmt durch die leeren Gassen, und hoffentlich zum letztenmale