mehr an meiner Heiligkeit irre ward. Du musst wohl, dachte ich, ein wenig einlenken. – Sind doch schon klügere Leute durch solche Albernheiten verblüfft und verrückt worden. – "Es tut mir leid," drehte ich mich gelassener zu ihm, "dass Sie einen geschickten Maler hierher bemüht haben; aber Sie sollen nichts dabei einbüssen. Ich will gern das Missverständniss bezahlen, in das meine Leute Sie gebracht haben, von den vielen Lichtern und Schüsseln des gestrigen Abends an, bis auf den Fleischergang dieses Herrn. Setzen Sie nur alles auf meine Rechnung. dafür bitte ich mir aber wiederholt aus, dass Sie allen Reisenden, die Sie über mein Wunder in Avignon dogmatisiren hören, das Verständniss öffnen, und entschuldigen Sie mich aufs beste bei Ihrer lieben Frau. Wenn ich Ihnen beiden etwas raten soll, so behalten Sie ja das Bild unsers guten Kaisers fernerhin bei. Es wird Ihrem haus gewiss das meiste noch einbringen. Warum sollte es andern Reisenden nicht gehen wie mir? Es erinnerte mich an die guten Tafeln von Wien – das wasser kam mir in den Mund, und ich kehrte bei Ihnen ein." –
Dieses brachte den Mann ganz wieder zu seiner Besinnung. "Sie haben Recht," sagte er nach einigem Nachdenken; "Wien ist die hohe Schule der Kochkunst, und ein Wirt, der das seinige dort gelernt hat, sollte eigentlich in keinem land verderben. – Das Bild des Kaisers – ja – ja – weil der Herr Maler einmal hier ist, so mag er es heute noch auffrischen. Es bleibt doch noch immer das anlockendste Schild." – "O ganz gewiss," fiel ich ihm ein: "es erweckt nicht allein grosse Gedanken, sondern auch lüsterne. Aber ich möchte gern bei zeiten nach Aix. – Schicken Sie mir meine Bedienten herauf, und sorgen Sie für das Anspannen."
Ich warf ihm ein Schnippchen nach, und meine Wundergestalt auf einen Stuhl, sobald er sich mit seinem Künstler getrollt hatte. – "So darf man," sagte ich mit höhnischem Verdrusse, "nur eine Torheit in der Welt begehen, oder dem dummen Haufen ein Blendwerk vormachen, wenn man wünscht sich modelirt, gemalt oder in Kupfer gestochen zu sehen, den Kirchen, den Wirtshäusern, den Büchersälen zum Schilde zu dienen. Da forschen denn Zeitgenossen und Nachkommen nach dem Ausdruck unsers Geistes – denken, so muss ein grosses Genie aussehen, und, um der Larve ihres Vorbildes gleich zu werden, verzerren sie ihre eigenen. Nein, bei Gott! so ein Affengeschlecht als wir Menschen sind! – Und du," – fuhr ich in meiner Galle gegen das Trio fort, das herein trat, "du Bastian – abergläubischer, dummer Kerl, und ihr beiden elenden Puppenspieler – was zum Teufel gehen euch meine Wunder an? Wenn euch nach der Ehre gelüstet, einem Heiligen zu dienen, so sucht euch einen; denn wahrlich euer Unverstand allein wird mich nicht dazu machen. Erwähnt einer von euch das vermaledeite Avignon noch mit einer Sylbe, so sind wir geschiedene Leute. Ich will dieses Nest durchaus vergessen, und mich nicht bei jedem Bissen Brod und von jedem Esel daran erinnern lassen. Das ist mein letzter Bescheid!"
Sie standen so einfältig und niedergebeugt vor mir, wie Ladendiener vor ihrem Handelsherrn in dem kritischen Augenblicke, wo er ihnen seinen Bankerot ankündiget. Ich sah es ihnen an, dass sie bei meiner Herabwürdigung mehr noch an die ihrige dachten; denn jeder Pinsel, er mag in einer Liverei stecken oder in einem Hofrocke, fürchtet an Wert zu verlieren und in Finsterniss zu versinken, wenn der Nimbus seines Gebieters verlischt. Zwei traten stillschweigend nach meiner Erklärung ab. Nur der Epilogus schien etwas noch auf dem Herzen zu haben, und fing mit seinem gewöhnlichen Anstande an, es auszukramen.
"Unter allen guten Eigenschaften eines Bedienten," erhob er seine Teaterstimme, "steht wohl die Ehrlichkeit.." "Keine Chrie, Herr Volksredner," siel ich ihm ins Wort, "die verbitte ich mir. Sage es ohne Umschweife. Was hast du anzubringen – nun?" – "Nun denn nämlich," stotterte er, "ich bin so glücklich gewesen, eine Entdeckung zu machen." – "Und die besteht?" – "Ja, mein Gott! wie soll ich Ihnen antworten? Ich darf den Ort nicht nennen – eigentlich braucht es auch nicht – es steckte ja nur in der Liverei, die Sie dort kauften." – "Kerl," fuhr ich ihn an, "das einemal sprichst du wie ein Buch, das andremal noch schlechter – Wo ist denn hier der mindeste Zusammenhang?" – "Sie wollen ja keinen," versetzte er mit weinerlicher stimme: "Ihr Verbot hat mich so – so irre gemacht, dass ich für alles in der Welt in diesem Augenblicke nicht auf einer Schaubühne stehen möchte – man würde mich auspfeifen; und doch ist das, was mir geschehen ist, ein wahrer Coup de téatre – Werden Sie nur nicht wieder ungeduldig, mein Herr! – Heute früh, als ich mich in meinen neuen Rock warf – wo muss ich gestern Nachmittags mein Gefühl gehabt haben? – stellen Sie Sich meine Ueberraschung vor, entdeckte ich einen verborgenen Schubsack. – Ja, den wird mir nun freilich niemand streitig machen; wem aber gehören die Sachen, die ich darin fand? Das ist die Frage. Gehören sie Ihnen