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hat diesen Lustgefilden

Sich ihre Schönheit mitgeteilt:

Doch Mönche kamen und zertraten

Den Plan der fröhlichen natur,

Und auf dem Umkreis ihrer Saaten

Herrscht Gleissnerei und Armut nur.

Trajan entlockte Fleiss und Leben

Hier diesem Felsendiesem Hain,

Und Berge luden ihn voll Reben

Zum jubel guter Fürsten ein.

Ihr Fluren, die ihr freundlich blühtet,

Als Jupiter noch auf euch sah,

Wie traurig liegt ihr, abgehütet

Von päpstlichem Gesindel, da!

O, Land, das nur den faulen Bäuchen

Der Mönche zu Gebote steht,

Und, mit abgöttischen Gebräuchen

Belastet, – schwankt und untergeht!

Ach, warum hat, ruft meine stimme,

Gott seinen blick von dir gewandt?

O du, der Hirnwut und dem Grimme

Der Heiligen verratnes Land!

Wo Priesterstolz und Aberglaube

Wie Mehltau eine Gegend trifft,

Verdorrt die Saat, verwelkt die Traube,

Und aus dem Oelbaum rieselt Gift.

Besangen wohl des Landmanns Lieder

Sein Glück an einem Erntetag

In Argos Tälern, eh die Hyder

Dem Arm des Rächers unterlag?

Hier heisst die Tugend eine Bürde;

Der Weisheit selbst wird hier geflucht,

Die nicht in KlösternMenschenwürde,

Nicht Trost am Tisch des Gauklers sucht:

Bei Ihmder Felsen abzuründen

Verspricht, der Berg' und Täler gleicht;

Und deinem M u n d Erlass der Sünden

Und deinem G a u m Vergebung reicht.

Wie stürzt nicht der betörte Haufe

Ihm zu! begafft und überschlägt

Die Waare, die zu gutem Kaufe

Er ihren Sinnen vorgelegt!

Der Mörder packt dann, wie der Zecher,

Ein Sortiment zum andern auf,

Und jener Schutzgott der Verbrecher

Spricht Segen über ihren Kauf.

Und dieser Tross von Himmelserben

Durchwallfahrt diess verarmte Land

Spielt seinen Ueberrest von Scherben

Dem Hohenpriester in die Hand,

Vertauscht für unbegriffne Worte

Das Bettelbrod, das er erwirbt,

Und mit dem Schlüssel zu der Pforte

Des himmelsgähnt er hin, und stirbt.

Ihr Räuber dieses Landes! höret

Der Wahrheit Ruf, die aus mir spricht:

Euch droht, die ihr das Volk betöret,

Des Volkes blutiges Gericht;

Ich sehe' im Kreis von euern Bürgern

Des Aufruhrs schwarze Fahne wehn,

Und eure Schafezu den Würgern,

Furchtzur Verzweiflung übergehn;

Und sehe' erstaunt, wie jede Puppe

Der Andacht in ihr Nichts versinkt;

Wie nicht mehr die geweihte Schnuppe

Der ew'gegen Lampe sie umstinkt

Kein Kuttenträger mehr die Zofe

Der heiligen Maria macht,

Und kein an eines Priesters hof

Gebildeter diess Land bewacht;

sehe' eure Heiligen zerstückeln

sehe' die Legenden in dem Wind

Zu edlern Stoffen sich entwickeln,

Die eines Gottes würdig sind;

Und sehe' entfernt, wie aus dem Staube

Die Tugend ihre Stirn erhebt,

Und neue Hoffnungneuer Glaube

Und neues Glück diess Land belebt.

Und dann erst, möge Gott es wollen!

Wird Ordnung und natur gedeihn;

Die Wüsten werden Früchte zollen,

Die öden Bergeguten Wein:

Gesundes Volk wird, ungesegnet,

Im Schatten seiner Laube ruhn,

Und, ohne dass ihm Gott begegnet,

Doch redlich seine Arbeit tun.

Dann erst entsteigt den Finsternissen

Des Glaubens die versteckte Flur;

Man wird von keinem Wunder wissen,

Als von den Wundern der natur;

Der Pilger wird sie nur im Reize

Der Unschuld seines Mädchens sehen,

Und manch Kapellchen ohne Kreuze

Wird seiner Andacht offen stehen.

Den 9ten Januar.

Unter dem Heere von Gedanken, die diesen Morgen auf mein Erwachen zu lauern schienen, war Dein Bild, teuerster Eduard, der erste, der mir anflog, so wie es der letzte war, mit dem ich einschlief. Darf es Dich wundern, dass ich mich leichter selbst aus dem Auge verliere, als Dich? Wem könnte ich denn wohl den Verdruss, der mir aufstösst, billiger zurechnen, als dem Anstifter meiner Reise? so wie ich ihm eben so gern das Gute verdanke, das mir begegnet. Nachdem ich Dir meine Verbeugung gemacht hatte, und zu der Musterung Deiner Nachtreter überging, merkte ich es, durch die letzt vergangenen acht Tage gewitzigt, den meisten bald an, dass ich wohl am klügsten täte, sie lieber gleich vor meinem Bette abzuweisen, ohne mich an ihre zuvorkommenden Mienen zu kehren. Ich suchte mir Einen unter der bunten Gesellschaft aus, der mich mehr als die andern alle befremdete, von dem ich mir jedoch, wo nicht die angenehmste, doch die lehrreichste Unterhaltung versprach; vorausgesetzt, wenn ich Mut genug hätte, ihm bis in den Schlupfwinkel nachzugehen, in den er sich, wie ich ihn in das Auge fasste, zu verkriechen anschickte. Freilich hätte er mir nicht so neu vorkommen sollen, als er mir schien: denn es war der ewige Gegenstand meiner Betrachtungenmein eigenes Selbst. Da ich aber, wie Du nur zu gut weisst, vorige Woche nicht zu mir s e l b s t kam, so wird es begreiflich, wie ich die Veränderungen, die stufenweise mit ihm vorgingen, so wenig bemerken konnte, dass es mir jetzt schwer ward, seine sonst so offene Physiognomie unter den Flecken heraus zu heben, die ihn entstellten. O hätte mich Freund Eduard, seufzte ich, ruhig in dem Winkel sitzen lassen, aus dem ich mit stolzem Wohlbehagen über die übrige Welt hinblickte! Dort lebte ich unter der strengen Aufsicht meiner moralischen Bücher, kannte keine Heilige, keine Kasuisten, und war meiner Tugend gewiss. Dort hätte ich, mit Zufriedenheit meines Beichtvaters, exemplarisch an meiner Hypochondrie verscheiden, und die