." – "Und reisen nun – ist es nicht so?" fiel er mir kleinlaut in die Rede, "nach Montpellier?.." – "Nichts weniger," gab ich mit grossen Augen zur Antwort, "ich gehe jetzt nach Marseille, wo ich den Winter über.." – "Nun, da nehmen Sie mir nicht übel," unterbrach er mich, "da kennen Sie meine Nichte schwerlich besser als ich. Sein Sie froh, mein guter Herr! Sie sind der erste Passagier, der von dort her zu mir kam – in der Nähe dieser Virtuosin gewohnt hat – und noch so gleichgültig von ihr sprechen, und gar ein gutes Wort für sie einlegen kann." – "Heilige Cäcilia!" entfuhr mir der Ausruf. – "Ja, ja!" spöttelte er mir zu, "traue nur einer der heiligen Cäcilia und ihrem Kreuze! Sie sehen doch nun wohl, dass meine Nachrichten ächt sind. Ich habe sie von guten Händen. In der Tat war es der artigste Herr, von dem feinsten Geschmacke, den ich jemals gesehen – ein junger Baron aus der Neumark, der auf Ihrer Route, und fünf Tage, gezwungen war, von den Beschwerden der Reise – Sie wissen wohl – bei mir auszuruhen. Da ich mir nichts anders denken konnte, als dass Sie auch nach Montpellier müssten, so freute ich mich recht meinen Gruss an ihn bestellen zu können – denn vermutlich ist er noch dort. Alles erinnert mich an ihn, bis auf die Livree sogar, die er eben so gab wie Sie. – Es war ein heller, vortrefflicher Kopf! Hätte er sich nur besser vor meiner Nichte gehütet!" –"Aus der Neumark war er, sagen Sie?" griff ich endlich dem Schwätzer in's Wort, "und er gab," indem ich den Epilogus bei dem Fittich nahm, "dieselbe Livree?" – "Accurat so," antwortete der Wirt, "und mit eben solchen Quasten und Knöpfen." – "Und der Name?" fiel ich ihm ein, "wie war denn sein Name?" "Aussprechen kann ich ihn nicht," sagte er, "das habe ich schon mehrmalen versucht; zum Glücke aber habe ich mein vorjähriges Rechnungsbuch noch nicht zerrissen, dort können Sie ihn unterm monat November selbst lesen – Bemühen Sie Sich nur in meine Unterstube." – Ich ging ihm voller Neugier nach, bis an seinen Schrank, aus dem er mir sein Rechnungsbuch zulangte. Er schlug mir das Blatt auf. Ich las mit Bedauern den Namen eines Mannes, den ich – hier nicht gesucht hätte wie viel er – für Brühen von jungen Hühnern schuldig geworden war, und sah, dass seine beiden Bedienten – vermutlich bessern Appetits wegen – fünfmal so viel verzehrt hatten als ihr Herr. Das ist, was ich aus seinem Conto herauslas. Sein Name soll übrigens nicht über meine Zunge kommen – darauf kann der junge Herr sich – wenn er ungefähr mein Tagebuch zu sehen bekäme – auf Kavalier-Parole verlassen; und treffe ich ihn, wenn ich durch Montpellier komme, noch an, so könnten wir wohl gar unsere Nachhausereise zusammen machen. – Nicht dass ich etwa wünschte, noch mehr von unserer Nachbarin zu erfahren – von der weiss ich in dieser Zeitlichkeit nun genug. Nein! ich wünschte es bloss, weil der Wirt von ihm rühmt, dass er ein artiger Mann, von dem feinsten Geschmacke, und ein vortrefflicher Kopf sei. – Wahrlich Eigenschaften, die man sich an einem Reisegesellschafter nicht besser wünschen kann! – "Sie haben voriges Jahr eine hübsche Einnahme gehabt, Herr Wirt," sagte ich, indem ich ihm sein verräterisches Buch wieder zurück gab. "Ich sehe, Sie sind ein ordentlicher Mann, der sein Vermögen gut zu verwalten weiss: desto weniger, um wieder darauf zu kommen, kann ich es billigen, dass Sie es einer Heiligen vermachen wollen, deren grösste Sünde wohl ist, dass sie sich bekehrt hat."– "Das ist mir –wahrlich, das ist mir zu hoch," antwortete der Wirt, "und ich wende eine Flasche Wein an Ihre blasenden Postillions, damit sie Ihnen Zeit gönnen es mir zu erklären." – "O, dazu gehört nur eine Minute, lieber Mann," erwiderte ich. "Sie können wohl glauben, ich habe nicht das geringste Interesse bei der Sache – und eben so wenig habe ich etwas wider die heilige Magdalena – aber das Aufsehn, das sie überall macht – die Kirchen, die ihr geweiht sind – das Lob, das ihre Wiederkehr von allen Kanzeln erhält, und die Ehre, die man ihren Tränen erweist, – haben, seit ihrem Evangelio – glauben Sie mir – mehr schöne und gute Mädchen um ihre Unschuld gebracht, als alle Domherrn zusammen; und das ist doch, Gott weiss, viel gesagt! Denn, wie das menschliche Herz ist, um eine reuige Sünderin zu werden gleich der heilig belobten Magdalena, denken die meisten, muss ich ja doch erst meine Jugend nützen wie sie. Lieber wollte ich an Ihrer Stelle, Herr Wirt, meinen sauern Erwerb, auf den Fall meines Todes, den Armen schenken." – "Den Armen, mein Heer?" wiederholte er höhnisch. "In diesem schönen, fruchtbaren, unbebauten land, sollte es arme geben, die Unterstützung verdienten? Sind denn nicht