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zufielen. Ich glaube, ich würde in Einem weg, bis vor mein Wirtshaus, geschlafen haben, wenn es, auf der Station, die mich an die Gränze des Comtats brachte, meinen Begleitern beliebt hätte, ohne Zuziehung meiner die Post wechseln, und frische Pferde vorhängen zu lassen. Aber das Nachdenken hatten meine klugen Schauspieler nicht. – "Mein Herr," rief mir, ich weiss nicht welcher von den beiden Brüdern, in den Wagen, "haben Sie denn nicht Lust auszusteigen?" – "Und warum das?" fragte ich schlaftrunken. – "Hier ist," antworteten sie, "der letzte Ort in dem Gebiete des Papsts." – "Desto besser!" gähnte ich, und legte mich in die andere Ecke. – "Aber," schrien sie fort, "es ist ja Cavaillon, mein Herr." – "Meinetwegen!" versetzte ich ärgerlich, "was liegt mir daran?" – "Nehmen Sie es nicht ungütig," erwiderte der unausstehliche Kerl, wir glaubten, es würde Ihnen lieb sein den Propheten kennen zu lernen." – "Was denn, zum Henker! für einen Propheten?" fuhr ich jetzt auf. – "Der unser Glück," unterbrachen sie sich beide, "und unser Unglück gemacht hat. Er liegt nur wenige Schritte hier von der Post." – Jetzt ermunterte ich mich erst. – "Ihr guten Leute," sagte ich, indem ich ausstieg, "habt nichts als euer zerstörtes Teater in dem kopf. Das müsst ihr euch abgewöhnen, und mir nicht immer damit in den Ohren liegen, zumal wenn ich schlafe. Aber sagt mir einmallebt denn der Onkel von Klärchen noch?" – "O, ja wohl," antworteten sie. – Nun! dachte ich, da du einmal um deinen Schlaf bist, willst du doch wundershalber sehen, was für eine Respektsperson von Verwandten du heute dran und drauf warest dir auf den Hals zu ladenkannst dir auch nebenbei das Bette zeigen lassen, wo dem Mädchen der Teufel zuerst erschien. An fremden Orten nimmt man ja oft wohl noch geringere Merkwürdigkeiten in Augenschein. Habe ich nicht selbst einmal in Erfurt einen Turm mit Mühe und Gefahr für einen Dukaten erstiegen, weil es zwei Tage vorher der König von Schweden getan hatte, um die grosse Susanna zu sehen, vor der, wie mich der Glöckner versicherte, alle Teufel ausreissen. – Und so trat ich denn auch hier, meinen Wegweisern nach in die Garküche des Propheten, und fand an meinem Onkel einen sehr gesprächigen Mann.

Er stämmte seine beiden hände in die Seite, so bald er den Doktor und den Teufel erkannte. – "Je, meine Herren," rief er voll von Verwunderung aus, "Sie treten ja da in einem Aufzuge einher, der wahres Wohlleben verkündiget! – Das freut mich von ganzem Herzen; denn ewig werde ich Ihnen danken, dass Sie mir über meine gottlose Nichte die Augen geöffnet haben. Ich liess mir zwar damals meinen ganzen Kummer nicht gegen Sie merken, meine lieben Herren; aber, ohne jene Nacht, kann ich nun wohl sagen, wo Sie ihr erschienen, wäre einmal mein schönes Vermögen in ihre hände gefallen. – Aber das ist nun damit vorbei, und ich habe es bereits der MagdalenenKirche verschrieben." – So wenig ich nun auch Ursache hatte mich dieses Geschöpfs anzunehmen, so schien es mir doch ungerecht von ihrem Verwandten, ihr eine Erbschaft zu entziehen, woran sie, bei allen ihren Fehlern, doch immer mehr Anspruch hatte als die heilige Magdalena. Sie kann sich ja wohl auch noch, dachte ich, mit der Zeit bekehren, wie jene, zumal wenn sie nicht mehr nötig hat der Gnade der Domherren und Pröpste zu leben. Ich nahm mir also vor, ihm den Einfall aus dem kopf zu bringen; aber es schlug mir fehl. Als ich mit gehöriger Behutsamkeit des Wunders erwähnte, und ihm erzählte wie der Domherr aus achtung für ihre Namensschwester sie wieder in das Haus nähme, geriet der Mann in einen Zorn, den ich weiter nicht zu stillen vermochte. – "Das mag er," antwortete er mir; "in das meinige soll sie keinen Fuss wieder setzen, so wenig als ihr Verführer. – Wollen Sie sehen, wo das erste Unglück geschehen ist? so kommen Sie!" – Er führte mich nun in die grosse stubezeigte mir das Bette, und mit Tränen im Auge fing er gerührt an – "Hier mein Herr, ist das schönste, beste, unschuldigste Mädchen dem bösen Feinde geopfert worden; aber ohne mein Verschulden. Wie hätte sich eine Christenseele einbilden können, dass ein Kind neben einem Geistlichen, der in der Nacht, von der Reise ermüdet, um eine Herberge bat, so etwas zu besorgen hätte? – ein Kind, das damals noch nicht ... Doch ich will keine Sottise sagenaber Sie verstehen mich, mein Herr ... O, du barmherziger Gott! was hast du uns für Seelenhirten gegeben! Ich war stolz auf das Mädchendenn reizendersehen Sie, und niedlicher gebaut, war weit und breit keine andere zu finden." – "Ach, ich kenne sie, besser vielleicht als Sie selbst, mein guter Mann," antwortete ich seufzend. – "Ich habe ganzer acht Tage neben ihr an, gewacht und geschlafen.