und Ausgabe gehören, und die ich selbst nicht der Mühe wert achten würde, wenn sie nicht mit Ihrem Strumpfbande umwickelt wären, das mir, mein gutes Klärchen, viel zu lieb ist, um es im Stiche zu lassen; und nun leben Sie wohl, und grüssen Sie Ihre Tante." – "Was?" stammelte der Domherr, "was sagten Sie da von Klärchens Strumpfbande?" –"Das wird das liebe Kind Zeit genug haben Ihnen selbst zu erklären," antwortete ich, und schlug die Tür hinter mir zu. – Wer war froher als ich, da ich meine Kriminalakten unter dem arme, von meinem Schrecken nun wieder zu mir selbst kam! – Non omnis morior, war das wenigste was ich dabei dachte; und wie dankte ich es nicht dem langsamen Epilogus, dass er mir nicht das erstemal schon die Haustür öffnete, als ich ohne mein Tagebuch davor stand! denn der Anblick, der mich jetzt überraschte, würde mich gewiss ganz um das Bisschen Besinnungskraft gebracht haben, von der einzig seine Rettung noch abhing. Der grosse Platz vor dem haus, und so weit ich in die Gassen sehen konnte, war von Menschen gestopft, die in der Nähe und Ferne auf die Knie fielen, und mich um meinen Segen anflehten. Ich richtete mich in meiner Chaise gerade in die Höhe, und warf der betrogenen Menge, wie von der Kanzel, gutmütig alle die Kreuze wieder zu, die mir der Domherr mit auf den Weg gab. Einige von den Andächtigsten drängten sich vor, um die Pferde abzuspannen und meinen Wagen zu ziehen, und es gelang mir durch nichts anderes, sie von dieser Ausschweifung ihrer Ehrfurcht, die mich schwerlich postmässig würde gefahren haben, abzuhalten, als dass ich ihnen die offene Haustür zeigte, und ihnen sagte, dass sie alle meine Wunder unter den Händen des Domherren antreffen würden. Haufenweise strömten sie nun in das Haus, und meine Postillons bekamen Raum ihre Peitschen zu schwenken, und, ohne jemanden umzufahren, vor der Hand wenigstens, ungestört bis an den Buchladen meines Freundes zu kommen. Hier aber mussten sie die Zügel mit Gewalt anziehen; denn der kleine Mann war heraus getreten – schrie und winkte, und hielt uns etwas so Flatterndes entgegen, dass wir alle fürchteten, er möchte die sechs Pferde scheu machen. Es war sein Katalogus, den er mir, wie er sagte, zu weiterer Fortsetzung unserer Freundschaft überreichte, und noch einige abgebrochene Worte seines Entzückens darein gab, die allein schon im stand gewesen wären, einen sechsspännigen Wagen in seinem Laufe zu hemmen; so überspannt waren sie und so holprig. Ich hatte jetzt nicht Zeit sie ihm anders zu beantworten als mit einem lauten Gelächter, über das er höchst verwundert zurück trat, und mir freien Weg liess. So weit ich kam, fand ich alle Bürger in Bewegung, wie an dem Frohnleichnamsfeste. Nur den getauften Juden hatte die Revolution meines Wunders nicht von seiner Stelle gebracht. Ich sah ihn, als ich bei seiner Kirche vorbei fuhr, noch an eben dem Pfeiler stehen, an dem ich zuerst seine interessante Bekanntschaft gemacht hatte. So eilig ich auch war, liess ich doch einen Augenblick halten, und schickte ihm meinen Abschiedsgruss durch den Epilogus zu, der ihm zugleich die verpfändete Maske eigentümlich abtrat, und noch das Glück hatte, einen kleinen Taler von ihm heraus zu bekommen. Ich erhielt auf einem Kartenblatte nachstehende Worte, mit Bleistift geschrieben, von ihm: "Ihr heutiges Wunder," – Du siehst, lieber Eduard, D o h m und seine Anhänger mögen auch sagen was sie wollen, ein Jude bleibt immer ein Jude, – "ist das grösste, wovon ich gehört habe, und das einzige, woran ich glaube. Fahren Sie fort, lieber junger Mann, über die Torheiten Ihrer Zeitgenossen zu spotten. Tun Sie es aber ja, wenn Sie nicht unter Blindgebornen sind, wie hier, lieber heimlich und von weitem, wie ich es selbst hier tue. Das ist der freundschaftliche Rat eines Mannes, der seine Ruhe und Sicherheit liebt." – Ich bog mich weit aus meinem Wagen hervor, und warf ihm lächelnd eines von meinen Kreuzen zu, das er mit einem schelmischen Kopfnicken beantwortete. Es gab mir, so wenig es war, doch hinlängliche Auskunft über den Wert, den er darauf setzte. O, des ehrlichen Konvertiten! dachte ich, und fuhr weiter.
Avignon lag schon eine grosse Strecke hinter mir, ehe ich mich ein wenig aus dem Gewirre meiner Gedanken los winden konnte, die, wie sie an einander anstiessen, meine Seele mit sich herum trieben. Bald sah ich mit Spott, bald mit Aergerniss und Scham, bald mit innigster Zufriedenheit, auf die Zeit, die hinter mir lag, und auf die Gefahren zurück, denen ich, weniger zur Ehre meiner Klugheit als zur Glorie meines Erretters, des Z u f a l l s , glücklich entging. Einmal überzählte ich hochmütig die Menge von Erfahrungen, durch die sich, in einer Spanne von acht Tagen, meine Welt- und Menschenkenntniss so unglaublich bereichert hatte. – Ein andermal warf ich mir bitter vor, dass sie der Mühe und der Kosten nicht wert wären. Die unzähligen Abwechselungen meines heutigen Tages – von dem Anfange meines Verhörs an, bis auf den Segen, den ich dem getauften Juden zuwarf, hatten indess meine Kräfte so erschöpft, dass mir, mitten in meinem Nachdenken, die Augen