Magd einzeln auftrugen – um nur oft, und jedes mit eigenen Augen, den grossen Mann anzugaffen, der ihrem haus den Vorzug gegönnt hat, seine ermüdeten Glieder zu bedecken. – Um nichts Menschliches zu verraten, ging ich mit stillem Ernste in dem erleuchteten Zimmer auf und ab, als ob ich an solche klarheit gewöhnt wäre, bis sie mir ein Abendessen auftrugen, das eine wahre Coena domini und aus den feinsten Schüsseln zusammen gesetzt war. Wenn ich immer und überall in diesem Nimbus erscheinen könnte, ich wollte keinen Messmer, keinen Lavater, und keinen von den Herren beneiden, die so glücklich sind unser aller Missgunst zu erregen. – Jetzt nun, da ich mich wie ein Erzbischof gesättigt, und mich beinahe ein wenig berauscht habe, wie ein gefürsteter Abt – da sich auch meine allzu dienstfertigen Wirtsleute in den unteren Stock zurück gezogen, und meine Bedienten umringt haben, die sich immer, wie ich von weitem höre, einander unterbrechen, um mit dem ehrwürdigen Ansehn ihres Herrn gross zu tun; jetzt könnte ich nun ruhig und lächelnd in das feine schneeweisse Bette steigen, das mir winkt, wenn mich das Versprechen, das ich Dir, lieber Eduard, mit meinem letzten Federstriche zu Avignon gab, nicht mehr als wie billig, munter erhielt. So höre mich denn eben so munter an, und höre noch die letzten Merkwürdigkeiten meines heutigen grossen Tages, unter welchen ich glücklich bis an das Tintenfass gekommen bin, das mir, in Wiener Porcellan, ein zweiköpfiger Adler vorhält.
Als ich mit dem Schwure, keinem Kasuisten, keiner Heiligen und keiner milden Stiftung je wieder so nahe zu kommen, die Gruppe, die ich Dir oben beschrieb, noch um eine Bouteille betrunkener, unter Rousseaus Aufsicht verliess, und ohne Geräusch meinen Hut und Stock aus der Ecke gezogen hatte, wo die fromme Bertilia ihrer verdienten Ruhe genoss, schlich ich stillschweigend meiner Wege, und war schon bis an die Tür gekommen, als der Domherr meinen Abzug bemerkte. Seine Zunge war jedoch zu schwer, ein deutliches Lebewohl auszusprechen; dafür aber schlug er mir so lange seine Kreuze nach, bis ich ihm aus dem gesicht kam. Klärchen wischte höflich mir nach bis auf den Vorsaal, wo sie mir aus überströmender Dankbarkeit, im Angesicht des heiligen Nicaise, der unverschämt zusah, noch ein paar Küsse aufdrang, die, so Gott will, die letzten sein sollen, die mir eine Heilige gab. Auf der Treppe hielt mich noch ein anderer widriger Anblick auf. Der schwarzgelbe Prokurator trat mir mit der Verbeugung eines Advokaten entgegen, der, nach einem verlornen Prozesse, seine Expensen sucht, überreichte mir mit der Abschrift seines Protokolls die Beglaubigungs-Urkunde meines getanen Wunders, und zugleich ein Handbriefchen vom Propst. Es tut mir leid, dass ich es nicht für Dich aufgehoben, und jetzt statt des Originals, das ich wegwarf, Dir nur einen Auszug davon mitteilen kann. Der geschmeidige Mann versicherte mich darin seiner unbegränzten Hochachtung, und bat mich, wenn ich je wieder diese Domaine des heiligen Vaters besuchte, die Freundschaft zu nähren und zu befestigen, die er, als ein unwürdiger Vorsitzender bei meinem Verhör und während meiner triumphirenden Rede, zu mir gefasst habe. Er nannte mich einen seltenen Mann, der ganz von Gott ausgerüstet sei, das blinde Volk zu regieren – und empfahl sich mir so zudringlich, als hätte er in mir seines Gleichen gefunden. Ich beantwortete im Heruntersteigen seine Höflichkeit mündlich an seinen Boten, bedauerte, dass meine Abreise die Freundschaft, die nur ein Wunder unter uns zu stiften vermocht hätte, so bald unterbräche, dass ich aber, wenn ich Avignon jemals wieder mit einem fuss beträte, mich seiner Leitung ganz überlassen würde, und dann erst das zu werden hoffte, was er allzu gütig schon bei mir voraussetzte. Unter diesen hingeworfenen Komplimenten gelangte ich die Treppe herunter, bis an die Haustür – als mir hier noch ein Umstand auf das Herz fiel, der, wenn Du ihn nach Deiner gewöhnlichen Flüchtigkeit, nicht übersehen hast, Dich bis zu dieser Zeile nicht wenig geängstigt, Dir den Odem versetzt, und Deine Lippen und hände bewegt haben wird, um mich, mit einem jeden Schritte weiter, den ich nach meinem Wagen tat, freundschaftlich noch aufzuhalten – als mir nämlich glücklicher Weise noch beifiel, dass ich, aus allzu grosser Eil aus Klärchens Augen zu kommen, – unter Rousseau's kopf mein Tagebuch vergessen hatte. Nun wäre es zwar zum Nutzen der Welt vielleicht gut gewesen, wenn es die alte Bertilia beim Auskehren gefunden, und es als unnützes Papier verbraucht hätte – vielleicht aber auch nicht; wer kann das wissen? Für mich wäre es doch immer ein, ich hoffe es zu Gott, unersetzlicher Verlust gewesen – da ich dergleichen Tage, als die acht letzten, nie wieder durchzuleben gedenke, und viel zu vergesslich bin, als dass ich hätte hoffen können mir die Erinnerung davon, die mir doch für mein ganzes Leben sehr dienlich sein wird, bis zum Aufschreiben wieder lebendig zu machen. Ich lief nun wie ein Wiesel die Treppe hinauf, das Zimmer hinein, gerade vor den Kamin.
Es war ein Glück, dass die alte Bertilia noch schlief. – "Lassen Sie Sich nicht stören," sagte ich zu Klärchen, die dem Domherrn auf dem Schoosse sass, und mich mit höchster Verwunderung angaffte: "Ich habe hier sonst nichts – als nur unter dem Gypskopfe ein Paket Belege vergessen, die zu meiner Einnahme