, wenn ihr Hauptmann Schwierigkeit mit dem Abschiede machte, und ihnen die Verräterei gegen Klärchen nachtrüge. – Doch damit hat es wohl keine Not. – Hingegen mag Gott wissen, was ich mir selbst mit meinem guten Werke für eine auf den Hals lade. Der Teatergeist steckt ihnen noch gar zu fest im kopf. Ganz gut, dass sie mir die Sonntage, wo ich etwa einmal die Kirche versäume, ihr Paradies und ihre Hölle vorstellen – doch das wird man in der Komödie am Ende so überdrüssig, als in der Predigt. – Wenn aber nun vollends in den Werkeltagen der eine meinen Hofmarschall wie ein Harlekin, der andere wie ein Cato meinen Kammerherrn machen – dieser wie ein Alexander mir vorschneiden – jener mir mit der Laterne des Diogenes leuchten wollte, so hielt ich das, wie ich mich kenne, in der Länge nicht aus. Das klügste wäre wohl, ich dächte in zeiten darauf, sie in ein Fach zu bringen, wozu sie Genie haben. Eben fällt mir eins bei. – So viel ich weiss, ist noch keine solche truppe in Berlin gewesen, wie ehemals die Nicolinische zu Braunschweig. Wie wäre es, wenn die beiden Brüder während meiner Reise durch Frankreich eine Anzahl hübscher Kinder zu einer Pantomime anwürben? – Die Kosten wollte ich allenfalls vorstrecken, ohne dass ich viel dabei wagen würde, zumal wenn ich ein Auge darauf hätte, dass die Aktricen etwas für das künftige versprächen. Das könnte wirklich ein Geschenk werden, das schon verlohnte seinem vaterland zu machen. – Doch ich vergesse über diesem weit aussehenden Projekt den guten Herrn Fez, Klärchen und ihren Domherrn. – Wären nur meine Pferde da, und meine Leute beisammen! ich wollte gern die Rückkunft jener nicht abwarten, und weiter ihre Namen in meinem Tagebuche nicht nennen, möchte doch aus ihnen werden was wollte. Meine gegenwärtige Lage fängt an mir recht ernstaft schlecht vorzukommen, und macht mich ungeduldig und wild. – Tue nur einen einzigen blick her, Eduard, und sprich, ob ich mir unter solchen Aussichten, als mich alleweile umringen, gefallen kann? – Hier vor der Nase ein unterbrochenes Bacchanal, das nächstens wieder angehen wird – dort, hinter der einen Wand das Betzimmer der Alten, die ihre Nichten berechnet, und hinter der andern meine ehrliche Schlafkammer, die schon seit einer Viertelstunde entweiht wird. Wahrlich, ich komme mir vor wie der heilige Antonius unter den Teufeln. – Holla! da kommen doch endlich die Figuren aus der Bibliotek! – Auf das Mädchen ist es mir unmöglich einen blick zu werfen, aber den armen Fez, der sacht zu meinem Schreibtische herschleicht – muss ich doch wohl zur Kompletirung meiner Akten noch abhören. –
Der gute buckelige Mann! Ich merkte es ihm nur zu sehr an, dass er für alle Höflichkeit, die er mir erwiesen, mehr als zur Genüge bezahlt war. Er drückte mir dreimal hinter einander stillschweigend die Hand, wie man sie in Golconda den Mäklern drückt, die Diamanten verkaufen. – Das war doch gewiss kein schlechtes Gebot, und auch verständlich genug. – Aber nein! meiner Eigenliebe war es zu wenig. Ich hätte gern umständlichere Nachrichten von meiner Zeichnung gehabt – hätte gern gehört, dass sie richtig – ähnlich – von grosser Kraft und ein Meisterstück der ewigen Kunst sei. kommt es Dir nicht wie im Traume vor, als ob diese kostbaren Ausdrücke schon irgendwo einmal Deinen Ohren wohl und weh getan hätten? Besinne Dich! – Nun? – O Freund! wie kannst Du die Lehrer Deiner Jugend so gänzlich vergessen? Erinnerst Du Dich denn gar nicht mehr unsers gemeinschaftlichen, vermutlich längst selig verstorbenen Zeichenmeisters, Teodor Sperling? – der immer mit seinem berühmten Verwandten in Anspach prahlte, dessen Namen er zwar – an seinen Talenten aber nicht schwer trug. Man sollte nicht denken, dass man einige zwanzig Jahre hinterher noch Freude haben könne, gelobt zu werden, wie ein Kind – und doch erfuhr ich die Wahrheit davon an mir. Ich ging so lange mit meinen immer näher tretenden fragen um den blöden lakonischen Mann herum, bis ich ihn endlich auf meinen Stimmhammer brachte, und gewiss erfuhr, dass er ihn gesehen und bewundert hatte, und ruhte nicht eher bis ich ihm alle die süssen Worte entlockte, durch die der gute Sperling mich über mich selbst erhob, indem er Dich niederschlug, wenn mein Pinsel etwas erschuf, das Du nicht erreichen konntest – und das einer Tulipane oder einer Schneeglocke ähnlich sah. – "O," sagte Herr Fez, "ich – – auf meine Ehre, versichere ich Sie, dass mich zeitlebens kein Kabinetsstück so entzückt hat." – "Also haben Sie wirklich einige Ähnlichkeit gefunden, lieber Herr Fez?" schmunzelte ich ihm zu. – "Da müsste man," erwiderte er, "doch mehr als blind sein, wenn man sich irren könnte. Es ist so viel Leben, Ausdruck, Wärme, Kolorit, und eine so sanfte Haltung in diesem Bilde, dass ich es, ohne Schmeichelei, für eins der schönsten und kräftigsten unsers Jahrhunderts halte." – "Dieser Ausspruch, würdiger Mann," antwortete ich, "kann mir von einem solchen Kenner gewiss nicht gleichgültig sein. Ich wünschte nur, dass alle diejenigen, die mir gern abstreiten möchten, dass ich malen kann, meine Zeichnung mit so guter Laune und so verständigen Augen betrachteten, als Sie, lieber Herr Fez!" – "Ihnen abstreiten, dass Sie