, mein Johann, und meine gute Margot, in was für eine verstörte Haushaltung hätte euch mein trauriges Geschick bringen können! O, dass ich nie dieser entscheidenden Stunde vergesse! sie jedesmal in meinem Tagebuche nachlese, wenn mich ein frisches unschuldiges Gesicht in solche Lavaterische Trugschlüsse verwickelt, und mir je wieder die Luft ankommt, meine verwegene Hand an eine schreckhafte zu schmieden! Bastian mag mich so oft an seine Schwester erinnern, als ich eine Kammertür zuriegeln will, und der Prologus und Epilogus mögen so lange meine Leibwache bleiben, als ich noch einer Wache benötigt bin; und damit ich endlich einsehen lerne, dass Unschuld und Paradies längstens zum Teufel gingen, sollen sie mir von Zeit zu Zeit ihre Knittelverse vordeklamiren, in denen wahrlich mehr Menschenverstand liegt, als in allen Trauungsformeln und hochzeitlichen Reden.
Während dass die Schöne die Verbindlichkeiten, die mir Herr Fez auferlegt hatte, in dem Masse als sie es wert waren erwiderte – mich an meinem stolzen Feinde, dem Probst, rächte, und dem heuchlerischen Domherrn den ersten Unterricht vergalt, den er ihr, wie es der nun klar ausgesponnene Faden seiner geschichte bewies, in der Kunst zu betrügen gegeben, freute ich mich über das schöne verhältnis der Belohnungen und Strafen, die hier der Gott meiner Ode, der Zufall, verteilte, und dankte ihm herzlicher als jemals für das nicht zu berechnende Gute, das er mir, seitdem mein Mund ihn besang, in dem päpstlichen Gebiete erwiesen.
Ich sah nach meiner Uhr. Wenn du heute noch über die Gränze willst, sagte ich mir, so hast du keine Zeit mehr zu verlieren, und ich pfiff meinen Leuten. "Dort, Bastian, neben dem schlafenden Engel, liegt mein Reisepass. – Trage ihn auf die Post, und bestelle mir sechs tüchtige Pferde, damit ich vom Flecke komme! – Und nun ein Wort mit euch beiden andern – In der Hoffnung, dass ihr ehrliche Bursche seid – vielleicht die letzten, die noch hier sind, und die Gott noch aus diesem Sodom zu retten gedenkt, ehe er es unter Feuer und Schwefel begräbt – will ich euch in meine Dienste nehmen.... Lasst mich ausreden und erspart euern Dank! Nun ist es aber – ohne dass ich weiter mit euch Staat zu machen gesonnen bin – nicht möglich, dass ihr mich in diesen päpstlichen Lumpen begleitet; denn alle Leute müssten glauben, ich hätte den heiligen Vater ärger gelästert, als Doktor Luter, und man führte mich desswegen als Gefangenen nach der Engelsburg oder nach der Inquisition. Eben so wenig ist es meine gelegenheit, so lange noch hier zu verweilen, bis eine Livree für euch fertig sein kann – ich sehe also kein anderes Mittel, als dass ihr euch bei dem ersten besten Schneider in Ordnung bringen lasst, und mir nach Marseille nachkommt." – "Ach mein gütiger – ach mein grossmütiger Herr!" nahmen hier die beiden Brüder einander das Wort aus dem mund. "Sollten wir," fing der Prologus an, "ohne Ihren Schutz nur eine Stunde länger hier bleiben müssen – so ist," setzte der Epilogus nach, "Ihre gute Absicht so gut wie verloren." – "Müsst ihr denn beide zugleich sprechen?" fragte ich ungeduldig; und nun schwiegen sie aus Höflichkeit beide, bis ich dem ersten befahl, seinem Range nach fortzufahren. – "Wir haben hier von unsern glücklichen zeiten her," nahm er das Wort für seinen Bruder mit, den er treuherzig anblickte, "noch einige Schulden – die würden sicherlich aufwachen, und uns auf's neue in's gefängnis bringen, wenn unser Abschied bekannt würde; denn wenn der Soldatenstand auch sonst zu nichts gut wäre, so ist er es doch darin, dass man seine bürgerlichen Schulden nicht zu bezahlen braucht, so lange man Uniform trägt. Aber ich wüsste wohl einen Ausweg. Bei dem getauften Juden, mit dem auch Sie einigen Verkehr hatten, stehen seit jener Zeit ein paar ganz neue Anzüge, noch nicht für den halben Wert versetzt. – Wir gedachten sie – aber es kam nicht dazu – bei einem Vorspiele zu gebrauchen. Wenn Sie uns nun – bester Herr, behülflich wären sie einzulösen, so wären wir auf einmal gekleidet, und die Farben würden sich nicht übel zu Ihrer Equipage schikken." – "Und was wären denn das für Anzüge?" fragte ich. – "Es sind," antwortete der Narr, "ein paar Masken; die eine für mich, stellt einen Satyr, die andere für meinen Bruder, den Jocus vor." – "Nein! das ist nichts, ihr guten Leute," antwortete ich lachend. "Ich reise inkognito – und auch ihr müsst euer voriges Handwerk in meinem Dienste vergessen lernen. Aber ist denn," musste ich schreien, weil eben mit allen Glocken in die Vesper geläutet wurde, "keine Trödelbude hier?" – "O, mehr als Eine!" antwortete er. – "Nun!" sagte ich, "so geht denn gleich hin, und stoppelt euch in der Geschwindigkeit etwas zusammen, das einigermassen zu meinen Farben passt. – Ein grauer Rock – eine rote Weste – das ist vor der Hand genug, wenn auch übrigens keine Achselbänder dabei sind." – Ich gab ihnen Geld zu dem Handel, und die beiden Brüder sprangen fort, als wenn ihnen das Unglück nachsetzte. Jetzt wäre es ein Spass, dachte ich