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Behutsamkeit anriet, und. Dir die Rückkehr Deines alten Freundes wahrsagte? Ich verstehe, Gottlob! den Rummel." – "Ganz gut!" antwortete ihre unbefangene Nichte: "aber ohne die Vermittlung dieses fremden Herrn," o, wie gab mir ihr Lob einen Stich in das Herz! "wer weiss, wie lange Ihre Prophezeihung noch aussen geblieben wäre!" – "Uebrigens," fuhr die Alte fort, "wüsste ich nichts was ich lieber zuschnürte als Dein Paket; denn der Propst schien heute grausam aufgebrach über Dich wegzugehn, und ganz sicher müsste ich wieder in das Spital wandern, wenn Du meine einzige Nichte wärest." – Mit diesen Worten, die ich mit einer Verschämteit anhörte, die Dir einem Menschen wohl zutrauen darfst, der weder in Berlin noch anderwärtsund auch hier ganz unschuldig, in so ein Haus gekommen, stand das scheussliche Weib auf, wodurch sie meinen Augen gewiss keinen Possen tat. Indess beunruhigte mich ihre Entfernung auf einer andern Seite, da ihre schöne Nichte, die ich von Abscheu nicht mehr ansehn konnte, wieder mit mir allein blieb. Doch mein Freund, der Zufall schlug sich auch diessmal in's Mittel. Indem die Alte zur Tür hinaus trat, war Bastian im Hereintreten – "Herr Fez," rief er mir zu, "bittet sich die erlaubnis ..." "Geschwind lass ihn ein," fiel ich ihm in's Wort; und der wackere Mann näherte sich mit einer tiefen Verbeugung. Wir haben uns immer, wie Du weisst, mit halben Worten verstandenso auch jetzt. – "Ich habe nicht versäumen wollen, an diesem frohen Tage.." – "Ja wohl, ja wohl, lieber Herr Fez! Glücklicher habe ich in meinem Leben noch keinen.." – "Könnte ich denn nicht, mein Herr, das unverbrennliche.." – "O, das Wunderblatt! das sollen Sie gewiss.. Aber jetzt nehmen Sie nur Platz, lieber Herr Fez, – hier, neben Klärchenund Sie, liebes Kind, bringen Sie doch dem Herrn das Glas zu, das vor Ihnen steht!" – Ohne sich zu besinnen, reichte sie es ihm, so wie es ihr der Domherr zu hüten gegeben hatteund mit der sichtbarsten Freude nahm er es aus ihrer Hand. Und ich, Eduard, freue Dich, bekam dabei einen Einfall, der, wenn er auch sonst nichts wert ist, Dich doch wenigstens über meine aufrichtige Verachtung für dieses geschöpf vollkommen, wie ich hoffe, beruhigen soll. – "Sie haben," redete ich den Buchhändler an, "immer so viele achtung und Liebe gegen das fromme Kind gezeigt, das Sie unter Ihren Augen aufwachsen sahen, dass es Ihnen gewiss eine herzliche Freude machen wird, zu erfahren, wie hoch zu Ehren ... Doch, liebe Kleine!" unterbrach ich mich selbst, "es fällt mir schwer auf's Herz, dass ich vor meiner Abreise noch vieles zu berechnen habe. – Sie könnten mir ja wohl die Erzählung abnehmen, die dem Herrn Fez aus Ihrem mund viel lieblicher klingen wird als aus dem meinigen. Zeigen Sie doch dem wackern mann den Ort, wo das berühmte Buch standund sein Sie.. trinken Sie aber noch erst jedes ein Glas von meinem freundlichen Weineein wenig gefällig gegen seine Neugier. Ich habeSie wissen wohl, liebes Klärchen, noch mancherlei kleine Ansprüche an Sieund kann sie wirklich nur gern an einen Mann abtretendem ich so vielen Dank schuldig bin, als dem Herrn Fez. – Hauptsächlich aber, bitte ich Sie, in Erwägung zu ziehen, dass zur Ausbreitung eines Wunders die Freundschaft eines Buchhändlers der sicherste Weg sei." Meine Vorstellung machte Eindruck bei ihr, wie bei einem Gelehrten. Sie dachte jetzt nur an ihre Legende, stürzte ihren Wein hinunter, und trat voller Begeisterung der wartenden Nachwelt entgegen.

Es ist mir zwar nicht mehr möglich genau nachzukommen, das wie vielste Glas es war, das sie zuletzt trank; aber so viel kann ich, nach der leichten Art, mit der sie mein Vorwort zu Gunsten des Herrn Fez aufnahm, doch berechnen, dass ein Gemisch darin müsse gegohren haben, vor dem schon jedes nicht ganz verlorne Mädchen den stärksten Ekel verraten würde, ehe sie es an den Mund brächte. Und dieses geschöpfrief ich ihr nach, wie sie dem armen Fez den Weg wieskonntest du, durch eine Kette von Sophistereien, deinen besten Wünschen so nahe bringen? konntestohne betrunken zu seindas Ideal einer würdigen Gattin in ihr entdecken, und hast es bloss einer Flasche Champagner zu danken, dass du deinen Freundendass du dir selbst nicht verächtlich, und das Gelächter des ganzen Comtats wirst? Was wäre aus dir geworden, wenn die Heuchlerin deinen schon gefassten Entschluss erratendeine Händedrücke besser verstanden, und dir selbst die Gläser eingeschwatzt hätte, die du i h r zutrankst! – O, was für ein armseliges Ding ist es um den menschlichen Verstand! und wie begreiflich wird es mir in dieser Nachmittagsstunde, dass so viele tapfere, gelehrte und würdige Männer von meiner Bekanntschaftich müsste ein Ries Papier an ihren Namen verschreibendas eheliche Eigentum einer Buhlerin wurden! arme dänische Docke! du würdest noch einen unfreundlichern Herrn an mir bekommen haben als dein jetziger ist! Und du