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laben. Doch wenn ich so fortfahre, möchte wohl am Ende meine Erzählung nicht undeutlich verraten, wie bunt es alleweile in meinem kopf aussieht; und doch darf ich mit gutem Gewissen es nicht einmal dem Weine Schuld geben, den ich lobedenn Du musst wissen, Eduard, dass, wenn ich eine Gesellschaft bewirte, welche Aufmerksamkeit verdient, ich bei so vielen Eigenheiten auch die an mir habe, dass ich den Wein kaum koste, den ich meinen Gästen in vollen Gläsern zubringe, weil ich immer gefunden habe, dass der Geist meiner Flaschen geschickter ist als mein eigener, um den ihrigen zu entwickeln, und mir das Spiel des menschlichen Herzens frei zu geben, in dessen Beobachtung ein Kopf wie der meinige ein ungleich grösseres Vergnügen findet, als in seiner Berauschung. Der schöne Plan meiner Zukunft, mit dem ich mich zu Tische setzte, erwärmte auch ohnehin mein Blut zur Genüge. – Alles was ich sprach, sah und hörte, und aus meinen Bemerkungen abzoghatte immer einen geheimen Bezug auf ihn. Zuerst fing ich an für mein Hofteater zu sorgen. – "Ein so festlicher Tag als der heutige," wendete ich mich an meinen Nachbar, indem ich ihm zugleich ein Glas Vin de St. George reichte, "sollte alle Feindschaften aufhebenalle Gefangenen los und ledig lassen. – Allen Sündern" – übersetzte ich ihm aus Schiller – "soll vergeben, keine Hölle soll mehr sein." – "Das ist recht!" erwiderte mir der Domherr, und stürzte das volle Glas hinunter, das ich ihm geschwind wieder füllte, um ihn nicht lau werden zu lassen. – "Sie sehen," fuhr ich nach dieser Einleitung fort, "hinter ihrem stuhl" – er sah sich um und erkannte die Puppenspieler – "ein paar Unglückliche, die ehemals, ich will nicht sagen wie zweckmässigmit lebendigen Personen die Hölleund das Paradies mit Puppen vorstellten, und sich durch beideswie es voraus zu sehen warden Hass Euer Hoch-Ehrwürden zuzogen. Wie lange ist es nicht schon her, Klärchen, dass die armen abgesetzten Teufel Ihretwegen im Elende schmachten? Bitten Sie mit mir Ihren würdigen Nachbar, dass er die Strafe aufhebe. Es ist einem mann in Purpur so anständig, Gnade für Recht ergehen zu lassen.." – Hier schlürfte der Prälat mit stolzem Hinblick auf seinen Mantel das dritte Glas langsam über die Zunge, und ich fuhr schon traulicher fort: – "Ja, bester Freund, tun Sie es mir zu Liebe! Wirken Sie den beiden Brüdernwäre es auch nur weil sie bei dem heutigen grossen Wunder an meinen verschlossenen Türen auf der Wache standenihren Abschied aus! Keiner, der zur Zeit einer heiligen und übernatürlichen Erscheinung auf dem Posten gestanden, sollte nachher noch zu gemeinen Diensten erniedrigt werden, wenn sie auch dem staat noch so notwendig wären. Das besagen selbst die kanonischen Rechte, und es schlägt sogar, lieber Herr Domherr, ein wenig in die Immunitäten der Geistlichkeit ein. Für das ehrliche Unterkommen dieser Leute übrigens wollen W i r " – kam mir der Pluralis in geheimer Beziehung auf meine Nachbarin in den Mund – "schon sorgen;" aber ich lenkte eben so geschwind wieder ein: "Ich, teuerster Mann, wollte ich sagen, will schon sorgen, dass ihnen so leicht kein Kind in den Weg kommen soll." – Der Domherr nahm ein Amtsgesicht an. – "Das wäre wohl alles ganz gut," antwortete er mit vieler Behutsamkeit: "aber wir müssen die Sache doch erst aus ihrem rechten Gesichtspunkte betrachten. – Das ist meine Art so. Die Leute dastehen in päpstlichem Solde. – Ihre Bestrafung gehörte zwar wohl in mein Fach, aber nicht ihre Begnadigung." – "O," fiel ich ihm ruhig in's Wort, "das Militär des heiligen Vatersso wie auch ihr Hauptmann, der sie der Armenkasse abkaufte, sollen nicht im mindesten dabei zu kurz kommen. – Seine Auslageso weit sie nicht schon abverdient istbin ich erbötig ihm von meinen eroberten Processkosten zu ersetzen: und wenn der Hauptmann sein Handwerk versteht, wird er mit beiden Händen zugreifen; denn ich dächte man sähe den guten Leuten die Schwindsucht so ziemlich schon an, die ihnen ohnehin die Bärmützen bald abnehmen wird." – "Ja, wenn das ist," besann sich der geistliche Herr, "so ist mir selbst zu viel daran gelegen, nur freundliche Gesichter in meinem heutigen Zirkel zu sehen, als dass ich nicht gern eine Sache vermitteln sollte, die mir im grund ganz gleichgültig ist; ob ich gleich nicht begreife, wodurch sich diese leichtsinnigen, liederlichen Bursche.." – Hier fielen die beiden Brüder dem gestrengen Herrn so demütig zu Füssen, dass er inne hielt, und nicht das Herz hatte ihr Porträt auszumalen; vielmehr entstand nun, durch sie, ein Streit der Grossmut unter uns beiden; denn der Prälat wies sie mit ihrem feurigen Danke an mich. Da ich aber ohnehin überzeugt war, dass ihr Gefühl sich nicht irre, so verbat ich alle unnötige Aeusserungen desselben, und, indem ich den Prologus abschickte, um eine der Flaschen mit der vornehmen Aufschriftden Epilogus aber, um frische Gläser zu holen, drückte ich zugleich meiner heimlichen Braut, voller Vergnügen über diess erste, für unsere Haushaltung gelungene Geschäft, zärtlich die Hand, und sah im