1791_Thmmel_094_185.txt

gut sein, wenn ich nicht zuletztwo nicht nach der Teorie, doch nach der Erfahrungden Grad von Behagen herausbringen wollte, der den Organen meiner Seele am angemessensten und zuträglichsten ist. – O Klärchen! Was hätte ich nicht alles in dir verloren, wenn ich nicht, selbst noch auf der letzten Linie, die schon zu unserer ewigen Scheidung gezogen war, schnell umgekehrt wärewenn ich mein Endurteil über dich nicht wieder zurück genommen, und mich nicht zu einer denkart ermannt hätte, die zu deinen ungewöhnlichen Tugenden passt, und wie ich sie gegen Gott und die Welt verantworten kann! – Dank sei dem ewigen Urheber der natur, der dich in dem raum meiner Zeit werden liess, und das seltenste geschöpf seiner Hand für einen guten Mann aufhob!

Bastian soll in Gottes Namen die Postpferde wieder aufsagen. Der Reisepass, den mir der Domherr mitbringen wird, kann noch einige Tage liegen, bis ich meine Angelegenheit mit dem dänischen Grafen und mit Klärchen in Ordnung gebracht habe. Nach Tische will ich mit dem Engel sprechen, und mich ohne weitern Aufschub ihrer lieben, kleinen, schreckhaften Hand versichern. – Es wird eine rührende Scene geben. Sie, die nichts im geringsten von dem Glück ahndet, das ihr bevorstehtwie wird sie nicht über den schnellen Uebergang aus der Aufsicht einer grämlichen Tante in die arme ihres Wundertäters erstaunen! Ihres Wundertäters? Nun das wollen wir weiter nicht rügen! Ein liebendes Weib, Eduard, ist wie das Reich Gottes. – Trachtet am ersten nach diesem, so wird euch das übrige schon zufallen. Auf die Fortsetzung meiner frohen Gemälde musst Du nun in Geduld warten, bis die Tafel aufgehoben sein wird. – Geht es mir selbst doch nicht besser. – Jetzt muss ich dem Domherrn entgegen gehen, den ich die Treppe herauf kommen höre – – –

Mein Abschiedsschmaus ist beinahe vorbei. Ich habe mich von der muntern Gesellschaft, die noch um den Tisch sitzt, weggestohlen, um Dir alles noch frisch aus dem Gedächtnisse zu erzählen, wodurch sich dieses fest vor andern auszeichnet, und um erst alle Nebendinge bei Seite zu schaffen, ehe ich in der geschichte meines Herzens den Faden wieder aufnehme.

Dass mir der Domherr meinen Reisepass und eine Quittung über das unverbrennliche Blatt, nebst der Lossprechung von allen Schäden und Unkosten, mitbrachte, versteht sich. Er übergab mir eins wie das andere im Namen des Legaten, unter wiederholter Versicherung seines Dankes und seiner Ehrerbietung, während Bastian meine Tafel anordnete, und ein so prächtiges Versöhnungsmahl auftrug, als es je eines gegeben hat, und das gewiss der Einweihung eines jeden Wunders würde Ehre gemacht haben. – Du verlangst wohl nicht, dass ich Dir, von der Suppe an bis zum Desert, jede Schüssel beschreibe? – Genug! der Speisewirt hatte sich angegriffen, da er hörte, dass die Gerichte für einen so wichtigen Mann als michund zu der Glorie der heiligen Dreifaltigkeitssteine bestimmt wären. Nur über den Wein, den wir tranken, musst Du mir erlauben ein Wort zu sagen.

Bastian hatte ganz meinen Willen, und, wie ich bald nachher sah, auch den Geschmack meiner Gäste getroffen. Ausser einem feurigen Burgunder, mit dem er mich mein Gastmahl eröffnen liess, durfte ich auch nicht fürchten, wie auf der Hochzeit zu Canaan, mit einem schlechtern zu enden; denn es warteten schon auf einem Nebentische eben so viel andere Flaschen Vin de Sillery auf die Auswechselung, die ihnen bevorstand. Ehe noch dieser herrliche Wein an die Reihe kam, empfahl er sich schon, als ein alter guter Bekannter, meinem Gedächtnisse. Er erinnerte mich s c h e r z e n d an die wirkung, die er den Abend auf mich tat, wo ich den ersten Sturm auf Klärchen wagte, den die fromme Tante so unfreundlich abschlug. Eben so e r n s t aber erinnerte er mich auch an den Augenschein, den er mir damals von der strengen Zucht verschaffte, in der mein Klärchen standdie mir eine so beruhigende Rücksicht als glückliche Aussicht gewährte, und für die nur Gott unsere gute Alte belohnen kann. Wie viel mag die rechtschaffene Frau nicht Liebhaber vor der tür dieses Engels so gut abgewiesen haben wie mich. Ich sehe sie noch in Gedanken mit ihrem Wachsstocke vor mir stehen, und überlege jetzt mit billigerm Gefühle alle die eindringenden Worte, die meine wilde und nach Verdienst bestrafte leidenschaft so übel aufnahm, ob sie gleich nichts entielten als Klärchens Lob. Unter diesem Selbstgespräche im Angesichte meiner Flaschen hob ich eine davon in die Höhe, um die gedruckte Etikette zu lesen, die daran war. – Gewiss habe ich nie eine mit mehrerer achtung gelesen. Denke Dir nur, ich fand auf ihr den Namen einer Frau, die, nicht minder tugendhaft als unsere Bertilia, ihre Nichten auch eben so sorgfältig erziehteinen Namen, der vor vielen der trefflichsten Schriften steht, wie hier vor dem geistreichsten Getränkemit Einem Worte, den Namen der ehrwürdigen Genlis, die, wie Du vielleicht nicht weisstdie besten Rebenberge von Sillery im Besitz hat. Wohl dem, der einen guten Ruf vor sich her trägt! – Eine Weinflasche sogar, die uns darauf zurück weist, kann dadurch einem verständigen mann interessant werden. Als ich nachher bei Tische meiner kleinen Unschuldigen das erste Glas davon weihte, war mir wirklich, als hätte ich es aus dem heiligen Brunnen der Vesta geschöpft, um eine ihrer schönsten Dienerinnen damit zu