es ihm abnehmen und ich zweifle nicht, dass er mir auch seinen armen traurigen Hund überlässt. Was ein unruhiges Gewissen baut, habe ich immer bemerkt, ist gemeiniglich prächtig und schön; es wird nichts gespart, um das Auge zu befriedigen und durch Bequemlichkeit und Anmut den Sinnen zu schmeicheln – und wenn die Absicht sich schlägt, bekommt es ein anderer um das halbe Geld. Dann kommt es nur darauf an, dass der z w e i t e Besitzer ein zufriedenes Haus mit in den Ankauf bringt, um der Hoffnung habhaft zu werden die dem e r s t e n misslang, und das, was die natur und die Künste gewähren, mit freudigem Dank gegen sie zu geniessen. Nun kann ich wohl sagen – wenn ich vollends mein Unrecht gegen Klärchen wieder gut mache – dass ich in der Welt Gottes nicht wüsste was ich mir vorwerfen sollte. Es geht mir mit meinem Gewissen wie einem Gesunden mit seinem Magen: ich fühle gar nicht es liegt. Ich habe mich immer in Acht genommen dem staat wichtige Dienste zu leisten; und die Hypochondrie, die ich mir nur durch mein einfältiges Studieren zuzog, ist Gott sei gelobt! in der heitern Luft dieses Landes verdunstet. – Bei diesen Vorzügen, was für eine allerliebste Wirtschaft kann ich mir nicht einrichten, und welche gute Menschen um mich her versammeln! Da ist mein alter Johann – der schickt sich ganz vortrefflich zu einem Haushofmeister – und die kleine Margot wäre zur Kammerjungfer bei meiner Frau wie gefunden. Nach Klärchen wird sie immer die erste Zierde meines Hauswesens sein, und es ist mir beinahe notwendig, dass ich sie mir in die Nähe bringe – denn sonst geht es mir gewiss zeitlebens mit ihr, wie es unserm alten Freunde, dem Major, mit dem Neidnagel an seinem Daumen geht, der ihn noch immer schmerzt so oft das Wetter sich ändert, ob er gleich schon im siebenjährigen Kriege die Hand sammt dem kranken Finger verlor. Nehme ich nun noch – wie ich Willens bin – den Prologus und seinen Bruder in meine Dienste – so habe ich auch ein Teater, und will sicher vergnügter und glücklicher leben, als selbst Voltaire zu Fernay gelebt hat: denn ich hätte, neben allem dem was er besass – ausser seinem Genie – obendrein eine junge liebenswürdige Frau, deren er auf keine Weise wert war, und läge nicht, wie er, mit Monarchen – Schriftstellern und Buchhändlern beständig im Streite. – Herr Fez würde sich gewiss lieber, glaube' ich, tot schlagen lassen, als dass er meine erreurs herausgäbe.
Wie doch oft das ganze Gewebe eines zufriedenen Lebens an dem flatternden Faden eines Augenblicks hängt! Wohl dem, der ihn noch zu fassen weiss, ehe er entwischt. Bester Eduard! Seit ich durch das Leben schlendere – doch schon eine hübsche Zeit! – habe ich noch nicht halb so viel Wohlbehagen empfunden, als in dieser laufenden Stunde. Mein Herz ist weder trotzig noch verzagt – weder gleichgültig noch trunken; – aber es ist gerührt, zum sichersten Beweise, dass es auf der rechten Spur ist. Durch wie manche unmutige Jahre und manche Irrtümer des Verstandes, teuerster Freund, habe ich mich nicht durcharbeiten müssen, ehe ich an dem grossen Rade meines Schicksals den Punkt traf, auf dem alles beruht! Wie froh bin ich, dass ich jene windschiefen Anlagen unserer bürgerlichen Verfassung hinter mir habe, in denen ich so lange den Plan meines Glücks suchte! Mein Gott! wie viel verderben wir nicht Zeit, um richtig sehen zu lernen! Es liegt doch so wenig Belohnendes und dabei so viel Unedles in allen den leidenschaftlichen Blikken, die wir bald in diesen bald in jenen magischen Spiegel tun, in der Hoffnung es werde noch Einer, statt leerer Schatten, uns eine selbstständige Zufriedenheit zurück strahlen – dass es kaum zu begreifen steht, wie sich so mancher vernünftige Mann länger dabei herum treiben kann, als nötig ist um ihn von der Eitelkeit seines Bestrebens zu überzeugen. Diese überzeugung muss doch gewaltig schwer sein, da sie, trotz der ewigen Beispiele, so wenig Menschen eher gelingt, als bis ihre Laufbahn geendigt und es zu spät ist. Warum, ich bitte Dich, unterscheiden wir das Glück durch Beinamen? – gibt es denn, wenn wir philosophisch auf den Grund sehen, mehr als Eine Art? – Häusliches Glück ist auf dieser Welt das einzige, was der Mühe lohnt. – Alle übrige Spielarten sind eben so viele Aftergeburten, die einzeln nirgends hinreichen, und nicht verdienen den Stammnamen zu führen, ehe sie nicht mit jenem auf das genaueste verknüpft sind.
Wollen wir unserm Stolze und unsern leidigen Vorurteilen nicht das Wort reden, so müssen wir alle über die Zusammensetzung menschlicher Glückseligkeit darin übereinkommen, dass sie in nichts anderm bestehe, als – in einer einfachen Lebensart – einem mässigen Auskommen – einer leidlichen Gesundheit, und in den Freuden und Folgen einer keuschen Liebe. In meiner Jugend, wo ich mich stark auf die Physik legte, konnte ich es lange nicht ausgrübeln, woher wohl die Temperatur meiner Studierstube käme? ob davon, dass die Wärme hinauszog? oder davon, dass die Kälte herein drang? Nun kann ich es zwar auch jetzt noch nicht auf das schärfste demonstriren; aber so viel habe ich doch gemerkt, dass man wohl tut beides anzunehmen und darnach zu handeln, wenn man frei und gesund atmen will. Denselben Versuch werde ich für das Künftige auch auf mein geistiges Dasein anwenden – und es müsste nicht