ich über lang oder kurz – wie man sagt, heiraten werde; und wie wird das geschehen, wenn ich nicht zuvorkomme – als auf die gewöhnliche Weise, die so albern als misslich ist? Hier hätte ich nun einen Gegenstand gefunden, wie ihn nur die begehrlichste Liebe eines Philosophen verlangen kann, und als keiner – ich bin es versichert – mir je wieder so vollkommen aufstossen wird. Ich mag um ein Mädchen werben wo ich will, wird mir wohl eins seinen Körper und seine Seele so aufrichtig und so befriedigend entüllen, als es diess Kind getan hat? Ach! ich werde nicht besser als andere auf geradewohl einschlagen müssen, und alles das zu spät erfahren, was doch so gut wäre vorher zu wissen. Die seltene gelegenheit, die ich in diesem Stücke bei Klärchen gefunden – kommt mir nicht wieder. Warum will ich mich also noch bedenken? Besitzt sie denn nicht alles, was ich manchmal in Sommernächten von meiner künftigen Gattin erträumte? Und Gott! im welchem Masse besitzt sie es! Lauterkeit des Herzens – hohe Einfalt eines herrlichen Verstandes – ächte Unschuld – eine nie berührte stimme – und einen Gliederbau, wie er nicht oft der natur gelingt. Ihr Herkommen mag freilich nicht vornehm sein – aber das ist auch das letzte, worauf ein Mann zu sehen hat, der seinen wahren Vorteil versteht. Ihre abergläubische und schwärmerische Religion – o die war ihr während ihres Jungfrauenstandes recht nützlich, und nach der Trauung, denke ich, will ich sie ihr schon mit guter Art aus dem kopf bringen. – An die heiligen Steine – mag sie meinetwegen noch eine Weile glauben – die sollen mich an nichts hindern, und ich hoffe noch manche glückliche Stunde mit ihr über ihr gütiges Zutrauen in ihre Schiedsrichter zu lachen. Dass der Propst ihr mit seinen Augen und Händen so nahe gewesen – könnte mir unter jeden andern Umständen anstössig vorkommen – hier wäre es eben so lächerlich, als wenn sich einer dabei aufhalten wollte, dass ein Priester seine Geliebte bei der heiligen Taufe schon vor ihm in den Armen gehabt habe. Ohnehin – wäre es auch nur um der einfältigen Nachfragen wegen der Dreieinigkeitssteine – würde ich das Mädchen eben so wenig ihren vorigen Bekannten unter dem gesicht lassen – als sie jemals nach Berlin bringen, das auf keine Art dieser Perle wert ist. – Nein, Eduard! fern von euern Vorurteilen – euern Etiquetten – euerm Neide und euren Sarkasmen – will ich mit Freuden mein Abzugsgeld in die königliche Invaliden-Kasse bezahlen – und in einem weniger sandigen und undankbaren Erdstriche als dem eurigen meiner Einkünfte und meines Lebens in den Armen dieses Engels geniessen, ohne mich nur nach euch umzusehen, als in den Zeitungen. Mit meinem runden Charakter, zufriedenen Herzen, und mit der philosophischen Laune, die mich nirgends verlässt, will ich das Ding, das den meisten Leuten so schwer wird, schon möglich machen, und will es in Ruhe erwarten, was Du zu dem Plane meines Glücks sagen wirst, wenn Du mich einmal, wie ich hoffe, in meinem Winkel besuchst.
Da meine Feder – wie gewöhnlich, wenn sie das Herz führt – so voll und so geläufig ist, so will ich Dir ein Projekt mitteilen, das zu gut in meine Absichten passt, um es nicht so bald als möglich – vielleicht schon morgen – in's Werk zu setzen. – Als ich letztin von Vauclüse zurück kam, begegnete mir nicht weit von Lille ein Mann, der, den Hut tief in die Augen gedrückt, die arme in einander geschlagen, trocken und ernst einher schritt. Eine dänische Docke, die traurig ihm nachschlich, und nicht den Mut hatte, einen Sprung in das Feld zu tun, war sein Begleiter. Das letztere fiel mir zuerst auf. Ich denke immer nicht gut von einer Haushaltung, wo ich die Freundschaft zwischen Herrn und Hund gestört finde. Ich erkundigte mich nach diesem Fremden – erst bei einem Bettler, dem er trotzig etwas in den Hut warf, und nachher bei einigen Bauern, denen er nicht dankte, als sie ihn grüssten – und so erfuhr ich gar bald seine geschichte. Er war ein Graf aus Kopenhagen, welcher dort der Regierung einen Dienst erwies, der ihm durch eine grosse Geldsumme belohnt wurde. Wie es aber manchmal mit solchen Belohnungen geht sie füllen den Beutel und belasten das Herz. – Es ward ihm zu enge in der Königsstadt. – Er gab es der dicken Luft Schuld und flüchtete sich hieher, wo er in der herrlichen Gegend so laut störte, bis er ein Dörfchen fand – so freundlich und wohl gelegen, als man sonst nur in Kupferstichen zu sehen bekommt. Hier liess er sich nieder und baute sich an. – Aber was half es? Seine Unruhe ist noch immer dieselbe, und es fehlt ihm auch hier der Atem. – Klärchen könnte ihm begegnen, er sähe sie nicht. Immer in tiefen Gedanken, sprachlos und mürrisch, starrt er die reizensten Gegenstände der natur an, ohne Gefühl, ohne Genuss: und doch, wie ich Dir schon gesagt habe, ist der Mann reich sein eigener Herr – und machte sich schon in seiner Jugend so verdient um den Staat; denn er verriet Struensee, der sein Freund war. Sobald er sein Haus gebaut, eingerichtet, und sein Garten in englischem Geschmacke gepflanzt hatte, stand ihm an schon alles wieder zum Verkauf, und er beut es noch aus. Ich kann gewiss einen guten Handel tun, wenn ich