, diese heiligen Zeichen – Sie mögen sagen was Sie wollen – sind von erstaunlicher wirkung."
Ich sah das Mädchen mit stiller Verwunderung an. Wäre es möglich! dachte ich, fasste Herz – und tat ihr noch eine Frage. – Aber die war umsonst – denn sie verstand sie nicht. Ich sann und sann, und konnte so wenig aus diesem sonderbaren Geschöpfe als aus mir selbst klug werden. – "Es ist doch," sagte ich in stiller überlegung, "nicht so ganz platterdings unmöglich, dass ihr der Propst entweder so etwas weiss macht, oder es auch wohl selbst glaubt – denn was glaubt man nicht alles in dieser Religion! – und dass beide nichts weiter dabei denken, als ein anderes, das Handschuh anzieht um sich vor der Luft zu bewahren. Indess ... wundershalber will ich sehen, was sie mir d a r a u f antworten wird!" – "Klärchen," erwiderte ich mit zunehmendem Interesse an ihren naiven Antworten, setzte mich dabei auf den nächsten Stuhl, und zog sie wieder, wie das letztemal nach Auswechselung unserer Bänder, an meine Kniee, mit denen ich sie traulich umfasste. – "Nehmen Sie mir nicht übel, Klärchen, dass ich auf eine alte vergessene geschichte zurück komme. – Gestern, Kind – ich kann nicht ohne Entzücken daran denken – was dachten Sie denn gestern – als ich mir die erlaubnis des Pater Lessau und Bauny so gut zu Nutze machte?" – "O, da," antwortete sie, "war mir nicht wohl zu Mute – das gestehe ich Ihnen. Ich dächte Sie hätten gesehen, wie angst mir um meinen heiligen Nicaise war. – Ich erwartete immer, Sie würden ihn noch in tausend kleine Bisschen zerstückeln." – "Weiter, liebes Klärchen!" indem ich sie sanft mit meinen Knieen drückte. – "Ja – und als Sie mir," fuhr sie mit einem Blicke fort, der gar drollig war, "das Kreuz der Cäcilia verlöschten, war mir noch weniger wohl um das Herz; doch verliess ich mich noch auf die Wiederherstellung und auf meinen hübschen Vorrat von geweihter Farbe. – Als Sie aber auch diese verschütteten – nein! ich läugne es nicht – da war ich so toll und böse auf Sie, als ich noch in meinem Leben auf niemanden gewesen bin. Ich dachte gewiss, es wäre nun um meinen Discant geschehen – und ich würde nicht einen Psalmen mehr zur Naht bringen – das Schmählen des Propstes und meiner Tante ungerechnet, das ich voraus sah. Heute mache ich mir freilich weniger daraus, da ich nichts wüsste, was Sie mir nicht durch die heiligen Steine zehnfach ersetzt hätten."
Diese unbegreiflich unschuldige Erzählung, durch die das liebe Kind, so als wenn es nichts auf sich hätte, meine Einbildungskraft entflammte, und in die reizendste Gegend zurück brachte, die ich wohl behaupten kann in meinem Leben gesehen zu haben, setzte mich erst ganz ausser mir, als sie schwieg; denn jetzt sprach die gefährliche Stille, die uns umgab, nur desto vernehmlicher. – Ich sprang wie verwirrt von einem stuhl auf, und mit dem Gefühl eines Wundertäters war ich eben im Begriffe, den Riegel an der Kammertür vorzuschieben – als sie Bastian mit der einfältigen Frage halb öffnete: was für Wein er diesen Mittag aufsetzen solle? – Wie er seinen Kopf so vorstreckte, hätte ich ihm lieber in diesem Augenblicke seinen Abschied gegeben; denn die vermaledeite Aehnlichkeit mit seiner Schwester verjagte mir wieder alle die mutigen Gedanken, die mir Klärchen eingab. Ob ich nun gleich kurz nachher froh war, so kam mir doch jetzt diese Unterbrechung meiner Ideen zu unerwartet, um mir nicht weh zu tun. Ich blickte einige Minuten schweigend gegen Himmel – wendete dann mit Ernst und Mitleiden meine Augen gegen das liebliche Mädchen – "Hier ist," sagte ich heimlich zu mir, "tausend- ja millionenmal mehr als Margot!" und halb betäubt führte ich sie nun in die stube zurück, wo der Tisch schon gedeckt stand. Ich zog, nachdenkend, die hände auf den rücken gelegt, ein paarmal meine Zirkellinie um ihn, ehe ich einen herzdrükkenden Seufzer, an dem ich arbeitete, los werden konnte, der aber auch dafür mehr Erleichterung nachliess, als keiner, der bis jetzt in meinem Tagebuche vorkommt; und indem ich mich mit diesem Bogen zur Aufnahme meiner beichte an einen Nebentisch setzte, fertigte ich auch Bastian ab, der immer noch keine Antwort auf seine ungelegene Frage erhalten hatte. – "Rechne auf die person, wir sind unser Viere," sagte ich ihm, "eine Flasche Burgunder, und eben so viel Champagner – kann doch jedes seinem Nachbar abgeben was es daran zu viel hat. – Aber von der besten Sorte," rief ich ihm nach, "denn wir haben einen Domherrn bei Tische." – Ich habe, kann ich mit Wahrheit sagen, noch nie in besserer Laune ein berauschendes Getränk bestellt. Indess nun das arme Kind da mir ungewiss gegen über sitzt – auf jeden Zug meiner Feder schielt, und in meinen Augen vergebens zu lesen sucht was in mir vorgeht, bittet mein gerührtes Herz, so oft ich hinblicke, ihr alle die Beleidigungen ab, die ich ihr antat, und, empfiehlt in stiller Andacht diese schöne nackende Seele dem Schutze Gottes und aller Heiligen. Ach! nie ist eine, bei dieser namenlosen Einfalt, in einer so verdorbenen Welt