schnellen Veränderung meines Zustandes für eine Bewandtniss habe. – Als sie es aber endlich begriffen, so stürzten desto freudigere Tränen von ihren brüderlichen Wangen herab. Der Prologus drückte mir die hände, der Epilogus küsste mir sie – beide winkten mir ihren Beifall zu, und selbst in ihren nassen Augen flimmerte das lachende geständnis, dass sie mich für ihren Meister erkannten.
Alles das rührte und belustigte mich wechselweise: doch Bastian, der in der Schwärmerei seiner Jugend und Frömmigkeit den Vorgang wie ein Evangelium glaubte, und sich selig pries einem solchen Herrn zu dienen – Bastian allein kam, ohne es zu wollen, auf die rechte Spur mich aus meiner Fassung zu bringen. "Ach!" sagte er mit schmelzender stimme, "was wird nicht meine gute Schwester Margot und mein Schwager für Freude haben, wenn sie das hören!" Ich erschrak, wie ein Dieb, der seinen Steckbrief in den Zeitungen liest, bei dieser Erwähnung. – "Gott, Gott!" sagte ich heimlich zu mir, "wie unabsehlich weit hast du dich in diesen sieben Tagen von den unschuldigen Hüttenbewohnern des ehrlichen Caveracs und von dir selbst entfernt! – von einem natürlichen guten mann – zu einem religiösen Betrüger!" ... Mir war zu Mute wie einem Juden, der Schinken verkauft. Ich hatte einen Abscheu vor meinem Handel. – Da aber der Vorteil mir – der Nachteil meinen Feinden zufiel, so fand ich hierin einen doppelten Bewegungsgrund, mich geschwind genug zu beruhigen, und liess es einstweilen damit gut sein. – Bastian war inzwischen zur tür hinaus gewischt, und stürmte, wie der Diener eines Zahnarztes das Volk zu der Boutique seines Patrons. In wenig Augenblicken waren Zimmer, Vorsaal und Treppe voll von Neugierigen und Andächtigen, die mir alle vorkamen als wären sie dem Tollhause entlaufen. Bei einem solchen Getöse muss man der Wunder besser gewohnt sein als ich – muss man, glaube ich, ein Geistlicher sein, um sich nicht bange werden zu lassen. – Während dieses Tumults hatte sich der Propst fortgeschlichen – sein Waffenträger ihm nach. Ich war heilfroh darüber, denn so lange sich dieser Schwarzkünstler noch in meiner Nähe befand, schien mir immer noch etwas im Wege zu stehen. Nun erst ward mir recht leicht um das Herz. Ich sah mit wahrem Entzücken, dass mein Gericht aufgehoben – meine hämischen Ankläger zum Schweigen gebracht – was mir aber mehr als alles diess den Gewinn meines Prozesses versicherte, ich sah dass die Volksstimme auf meiner Seite war. Eine halbe Stunde hielt ich noch das Anstaunen der Menge – ihre unbesonnenen fragen, und die ekeln Ausbrüche ihrer Verehrung aus: da ich aber zuletzt dieser albernen Scene höchst müde war, und mich besann, dass ich vor meiner Abreise noch andere wichtige Geschäfte abzutun hatte, so wendete ich mich mit dem Anstande eines Mannes, dessen Bitten Befehl sind, an den buntscheckigen Haufen, äusserte mein Verlangen, dass man mir nun auch einige Ruhe gönnen möchte, packte mein Zauberblatt wieder ein – und machte ihnen Hoffnung, es nächstens der allgemeinen Andacht öffentlich auszustellen. Diese höfliche Erklärung tat ihre wirkung – und um ganz sicher vor weiterem Anlaufe zu sein, befahl ich meinen Grenadieren, sich vor das Haus zu stellen – und, bei Strafe der Kassation, keine Seele sich dem Türklopfer nähern zu lassen.
Sobald ich mich mit meinem Erretter, dem Domherrn, und meinen beiden frommen Nachbarinnen allein sah – mir die Ehre ihrer Gegenwart bei meinem letzten Mittagsmahle ausgebeten, und meinem Bastian eingeschärft hatte, es mit verständiger Rücksicht auf meine vornehmen Gäste zu besorgen, ging ich nun als der obsiegende teil ohne weitere Umstände an ein Geschäft, das oft selbst bei einem gewonnenen Prozesse noch seine grossen Schwierigkeiten hat, ich meine den Ersatz der Schäden und Kosten. Ungeachtet ich gestern mich selbst dazu erbot, fühlte ich mich doch heute verwegen genug mein Wort wieder zurück zu nehmen; so sehr hatten sich seitdem die Umstände geändert. Ich fand es meiner moralischen denkart ganz zuwider, jenes Schlachtvieh, das ich der unreinen Herde der Kasuisten entführt hatte, um es dem Andenken Rousseau's zu opfern, in der Nähe von schwachen Menschen wieder aufzustellen – fand es viel edler, diesen Gewinn meiner Börse einer guten Handlung zu widmen, und machte mir nicht das geringste Bedenken, es auf Kosten der milden Stiftung zu tun. Sonach wendete ich mich an den Domherrn: "Ich begreife, wie weh es den hiesigen gläubigen Seelen tun würde, wenn ich das Dokument der Dreieinigkeit dem land entziehen wollte, in welchem es die Vorsehung ausgefertigt hat.." – "Nein bei leib," unterbrach mich der erschrockene Domherr, "das darf nicht geschehen!" – "Zumal da niemand," fuhr ich fort, "dafür stehen kann, dass nicht das Volk, dem ich die Ausstellung dieses Wunderblattes schon halb und halb versprochen habe, über dessen Verlust in Aufruhr geraten könne.." – "Freilich, freilich!" schrie der Domherr darein, "es würde alles drunter und drüber gehen." – "Und doch," fuhr ich jetzt schon um vieles herzhafter fort, "können mir ihr Weisheit nicht absprechen, dass mir dieser Schatz ohne Widerrede zusteht, sobald ich den Scheiterhaufen der Kasuisten vergüten soll, der hier nur als ein Vehikel dieses Wunderblatts zu betrachten ist, so wie dem Scheidekünstler das Gold gehört, der das Erz, worin es lag, erkauft hat." – "Lieber Freund und gönner,"