einem schnell vorüber fliegenden Augenblicke war ihrer aller Asche zu einer selbstständigen Säule zusammen gedrängt, die dreiseitig, und wie aus äterischem Porphyr gehauen, meinem entzückten Auge erschien. Es war die höchste Ueberraschung – ich glaube es mit grund, sagen zu können – die einer menschlichen Seele begegnen konnte, und die keine Zeit vermögend sein wird aus meinem Gedächtnisse zu verlöschen. Aber leider! dauerte diese anstaunungswürdige Erscheinung nur einen Augenblick – die Säule zerfiel als wäre sie nie da gewesen. – Und wer würde mir jetzt glauben, dass es nicht ein Traum, nicht ein Blendwerk der Sinne war – wenn diesem Phänomene nicht unmittelbar ein anderes gefolgt wäre, das wie die Sonne einem sehenden Auge keinen Zweifel erlaubt, und einen Beweis zurückliess, der von jeher für unumstösslich anerkannt wurde, und die unbegreiflichsten begebenheiten so klar macht wie die gemeinsten Ereignisse – den grossen Beweis – meine ich – des Augenscheins?
Es erhob sich jetzt – könnte ich es doch dem Erdkreise ankündigen! – aus dem Staube der vor mir lag – aus dem Chaos jener mystischen Säule, erhob sich jetzt das Phänomen eines glühenden Blattes. In einen Rahm gefasst, der wie aus Sternen zusammen gesetzt schien, schwebte es über dem Herde, und das milchweisse Licht, das es ausströmte, stärkte mein verklärtes Auge zu dem hohen Genusse seiner Betrachtung. So leuchtete es mir einige selige Stunden. Mein Herz pochte vor Staunen – meine Brust dehnte sich unter dem Drange der Freude – Ach! in welch einem Meere von Empfindungen badete sich nicht meine Seele! In Entzücken und in Anstaunen dieses Wunders verloren, vergass ich mein Dasein – vergass Euch, meine Richter, und die übrige armselige Welt. Und wäre die Tür meines Kerkers auch unverschlossen und der Weg zu Euch frei und offen gewesen – die Selbstgenügsamkeit meines Gefühls würde mir allein schon verwehrt haben, von meiner geweihten Stelle zu weichen, und andere Zeugen meines Glücks zu suchen als Mich. – Nie wurden wohl die stillen Fortschritte der Zeit mit so glänzenden Punkten gemessen, und ihr Uebergang in die Ewigkeit so lieblich bezeichnet, als in diesen gebenedeiten Stunden. – Mit jeder Minute, die mich meinem ernsten Verhöre näher brachte, verlosch ein Stern an dem Rahmen des brennenden Blattes. Es verlosch der letzte daran, und abgekühlt senkte es sich in meine hinstrebenden hände. Ein blick aus meinen beseelten Augen, der in der Eil des Blitzes darauf stürzte, war genug. – Er predigte mir die verkannte Wahrheit in ihrem ganzen Umfange, erschütterte und überzeugte mein Herz. Ich hatte nur noch Zeit, das aufgefangene Blatt an meinem Busen zu bergen, als der Augenblick eintrat, der mich vor die Schranken Eures Gerichts zog.
So habe ich Euch denn, meine Richter, durch die Irrgänge meiner Gedanken und Empfindungen bis zu dem letzten Beweise geführt, der zwischen mir und meinem Ankläger entscheiden soll. Dank sei aber zuvor noch der heiligen verewigten Klara! Mein Nachforschen nach ihren Edelgesteinen war nicht umsonst. Das Feuer, das aus den Augen der Geweihten spricht, die ihren Namen führt – das begeisterte Blut, das ich während meiner Rede ihre schönen Wangen durchziehen sah – sagt es Euch laut, meine Richter, dass ich den lange verborgenen Ort entdeckt habe, der jene Kleinodien verwahrt – den unerreichbaren Ort Eurer täglichen Wallfahrten, und den stillen Weg, der dahin führt – den Ihr ehrwürdige Männer dieses Gerichts mir noch lange unter heiligen Betrachtungen nachwandeln werdet, wenn ich schon längst von meiner Entdeckungsreise zurück, meinem vaterland wieder gegeben sein, und nur in Gedanken noch die schattige Gegend umschweben werde, die dem Erdkreis sein grösstes Wunder verbirgt. – Mag indess die Zeit der Erfüllung noch so weit in der Zukunft liegen, wir wollen uns in gläubiger Zuversicht an das schon vollendete Wunder halten, das uns heute zu teil ward – an das zeugnis der Wahrheit, das, durch das Feuer bewährt, jede fromme Ungeduld hinhalten – jede Hoffnung beleben – jeden Zweifel an die hochgelobte Dreieinigkeit bei allen denen zerstreuen wird, die meine Aussage hören. – Das Visum repertum der Heiligen, die einst jene wundervollen Steine in ihrem Schoosse trug, und seitdem, um nie verloren zu gehen, unter ihren Schwestern bis zu derjenigen forterbte, deren jungfräulicher Schooss sie noch heute verschliesst – dieser Beweis ihres ehmaligen und jetzigen Daseins ist an diesem Tage glänzend und unverletzt aus den verzehrenden Flammen hervor getreten – Seine Wahrheit ist gerettet. Hier, meine Richter, hier ist das heilige Blatt – Fallet nieder und betet an!"
Mit diesen Worten zog ich jenes in ein feines Papier geschlagenes Blatt aus meinem Busen, das ich, wie Du weisst, um es als Beleg zu gebrauchen, aus der Legende der heiligen Klara von Falkenstein und in dem kritischen Augenblicke aus dem Feuer riss, als die Sammlung Pater Martins von Cochim schon lichterloh brannte. Welch einen ungleich wichtigern Dienst leistete es mir jetzt! Ach dass Du nicht bei mir warst, Eduard! und die sonderbaren und verschiedenen Bewegungen nicht mit ansehen konntest, die dieser unerwartete Ausgang meiner Rechtfertigung auf jedes einzelne Mitglied dieses hohen Gerichts hervorbrachte! Der Domherr stürzte mit einem Ungestüm herbei, der nur zu sehr den leidenschaftlichen Anteil verriet, den er an diesem Wunder nahm. Tränen traten ihm in die Augen, als er die Lieblingsstelle seiner Erbauung in so unversehrtem Drucke, auf diesem an den Rändern versengten Bogen entdeckte. Er benedeite in der Unordnung seines Verstandes alles was ihm in den Mund kam, – das Haus, wo dieses Wunder geschah – die Asche,