, die ich der Plauderhaftigkeit meiner Wache verdanke, zeigt mir ihn jetzt in einem Lichte, das den Buchhändler sowohl als den Kirchner gewaltig in Schatten setzt. Ich gestehe, ich hielt ihn bisher ungerechter Weise für nichts mehr, als einen aufgeblasenen abergläubischen Schwachkopf – mochte seit dem Tage, wo er mir am Feste der Genoveva den Possen spielte, nichts weiter mit ihm zu tun haben, und begriff nicht, wie mich der Bischof von Nimes mit gutem Gewissen an einen so unbedeutenden Menschen hatte empfehlen können. Jetzt aber, da mir ihn der Epilogus auch noch als einen boshaften, wollüstigen, rachgierigen und furchtsamen Mann geschildert hat, der sich aber auf sein grosses Pferd setzen kann, wenn ihm ein anderer den Zaum hält, scheint mir die Empfehlung des guten Bischofs sehr richtig, und genau auf seine Kenntniss des hiesigen Lokals berechnet; und ich müsste mir wohl selbst gram sein, wenn ich noch länger versäumen wollte, diese Eigenschaften eines ausgebildeten, und dem hier herrschenden Gemeingeiste so angemessenen Charakters, in Tätigkeit zu setzen, um meine Verfolger mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Sage nur also niemand, dass dieser und jener in der Welt zu nichts tauge! Es ist der Irrtum schwacher Regenten. Selbst die Kröte, vor der Dich ekelt, dient Dir zum Ableiter giftiger, und Deinem Körper schädlicher Dünste; und musst Du nicht jeden Bettler, der Dein Mitleiden erregt, als Deinen Wohltäter betrachten, wenn Du anders ein Freund gutmütiger Empfindungen bist? Sprich offenherzig, ob nicht der Blödsinnige – der Schwärmer – der Tugend-Talent- und Geschmacklose Deinem hungrigen Stolze die beste Nahrung gewähren? ob die Vergleichung ihrer Fehler mit Deinen Vorzügen Dir nicht manche Stunde erheitert? und ob es Deinen schwachen Augen nicht sanfter tut, auf die Dunkelheit derer, die unter Dir stehen, als in den Glanz jener zu blicken, die Fleiss, natur und Erziehung neben Dich oder über Dich gestellt haben? Ich habe jetzt keine Zeit diess Tema auszuführen; aber ich wünschte, Eduard, es übernähme es ein anderer geschickter Kopf: denn es schwebt mir wie im Dunkeln vor, dass man leicht, bei weiterm Nachdenken darüber, auf den rechten Weg kommen würde, den man einschlagen muss, um kein Mitgeschöpf zu verachten, und mit der ganzen Welt Freundschaft zu halten.
Der Domherr, dem ich diese menschenfreundliche Ausschweifung verdanke, hat mir eben geantwortet. Er will zur gesetzten Stunde erscheinen. Das überhebt mich nun der Mühe, diesen Bogen – ob er gleich, wenn er meinen Feinden in die hände geriet, so gut sein würde wie ein Steckbrief – zu seinen Vorläufern zu gesellen, denen selbst, so viel ihrer sind, ich ganz wohl ihre Freiheit wieder geben könnte, wäre es nicht einerlei, ob sie diese Nacht in Rousseaus kopf Herbergen, oder auf meinem Schreibtische. Denn da ich nun sicher bin, lieber Eduard, dass der Mann im Purpur meinem Verhöre beiwohnen wird, so sind, glaube ich, die Anstalten zu meinem Wunder so gut getroffen, dass ich sehr wenig von den Puppenspielern müsste gelernt haben, wenn es schief ablaufen sollte. – Nur noch eine einzige Kleinigkeit geht mir ab – das ist meine Defension in einer Gegenrede an den Prokurator, die ich, mit Deiner erlaubnis, Eduard, aus dem kopf zu Papier und von dem Papiere wieder in den Kopf bringen muss, ehe ich ruhig und mit der vollen Gewissheit zu Bette gehen darf – morgen das ganze Winkelgericht zu meinen Füssen zu sehen.
Fussnoten
1 Er suchte die Apokalypse zu erklären, und brachte, wie es scheint, der menschlichen Schwachheit diess Opfer, um sich, wegen seiner überschwenglichen Grösse, mit den Menschen auszusöhnen. 2 Nach einer Stelle des Cicero pr. Archia Cap. 7. Haec studia adolescentiam alunt, senectutem oblectant, secundas res ornant, in adversis solatium praebent. 3 Er starb in hohem Alter, und, wie seine Sektion bewies, ohne je, bei vollkommnem Zustande der Mannheit, ihren Forderungen untergelegen zu haben. 4 Der Kardinal von Polignac, der den Antilukrez geschrieben. 5 Ring des Papstes, womit die apostolischen Breve besiegelt werden. Das Siegel stellt den heiligen Petrus als einen Fischer vor. 6 Ein Paar neumodische Handschuhe, die Sara Jennings, vermählte Herzogin von Marlborough, sich weigerte ihrer Freundin, der Königin Anna, abzutreten, verursachten in einer Reihe von Folgen die grosse Revolution, durch die Philipp der Fünfte auf dem spaschlossen, der verdunkelte Ruhm Ludwigs des Vierzehnten wieder hergestellt, und die stolzen Hoffnungen seiner Feinde vereitelt wurden. Der Keim dieser grossen begebenheiten kam aus den Händen eines armseligen französischen Beutlers, dem es nicht träumte, was für glückliche Folgen für seinen König und für sein Vaterland der Zufall auf sein Tagewerk legen würde. 7 Erst in neuern zeiten wird das Hohe Lieb für das gehalten was es ist, nachdem mystische Andacht ihr Spiel lange genug damit getrieben hat. 8 Au Monomotapa, quand le roi éternue, tous les courtisans sont par politesse obligés d'éternuer. L'éternuement gagnant de la cour à la ville, et de la ville aux provinces, tout l'empire paroit affligé d'un rhume général. H e l v e t i u s d e l ' E s p r i t p.m. 118. 9 L'An deux mille quatre cent quarante, par M. Mercier. 10 Scilicet ut careat rugarum crimine venter,
Sternatur pugnae tristis arena tuae.
O v i d