o des Barbaren! – vor unserer Haustüre verbrannt. Entschuldigen Sie, mein Herr, die Tränen, der ich mich noch jetzt nicht entalten kann ihrem Andenken zu weihen. Man vergass, dass es Dratpuppen waren. Eva – in der ungestörten Blüte weiblicher Schönheit, und gebaut wie ein Döckchen! und Adam – man konnte nicht auf ihn Hinblicken, ohne in ihm den Herrn der Welt zu erkennen! Der Stand der Unschuld ist auf ewig dahin. – Das haben wir der Klerisei zu verdanken. Sie Zertrümmerte – es ist ihre Art – die ganze Schöpfung mit lachendem Mute, um zu ihren Sporteln zu gelangen. – Die Strafe der dreihundert Livres, der verwikkeltste Knoten unsers Trauerspiels, blieb indess noch immer ungelöst. Der Held, der ihn zerhauen sollte, trat auf. Stellen Sie Sich, mein Herr, wenn Ihre Einbildungskraft so weit reicht, unsere Empfindung vor, als nun an den Schranken, vor denen wir knieten – wie ein Gott aus den Wolken – eben der junge Officier erschien, der vor sieben Wochen in unserm Parterre mit so viel Bequemlichkeit die Erschaffung des Weibes belauschte – mit dem Erbieten erschien, uns der Armenkasse abzukaufen. Der Handel wurde vor unsern Augen geschlossen. Verraten, konfiscirt und verkauft, wie unser Cäsar und Cato, wurden wir von dem Werber abgeführt – gemessen – in Lumpen gesteckt, die wir uns gescheut hätten unserm Belisar anzuziehen – und befinden uns seitdem unter der päpstlichen Garde. – Aber hören Sie noch, mein Herr, auf was für einem Fuss! Von der armseligsten Löhnung, die je den Sklaven unseres Standes gereicht wurde, zieht der Barbar, der uns kaufte, noch monatlich die Hälfte so lange ab, bis wir dadurch unsern eigenen Ankauf ihm ersetzt haben. O des niederträchtigen jungen Mannes! Doch er wird seinen Menschenhandel teuer genug büssen, das ist noch unser Trost! der Trost unserer Rache! Bei dem langsamen tod, den er uns auflegt, wird uns hoffentlich der Hunger immer noch eher ins Grab bringen, ehe sein abscheulicher Vorschuss erstattet sehen wird."
"Bastian," rief ich hier meinem Bedienten zu, und wischte mir die Augen, "ich sage dir, lass diesen armen Leuten nichts abgehen so lange sie mich bewachen. Schaffe ihnen der Nahrung so viel als sie verlangen, und stärke ihre Herzen durch geistiges Getränke. Fordere, wenn du es holst, von dem Kommunionweine; denn in diesem vermaledeiten land, weiss ich, ist es, nach einem andern Verhältnisse als bei uns – der beste, weil es nur pfaffen sind die ihn trinken."
Eine süssere menschliche Empfindung nahm jetzt den Platz der Rache ein, die diese armen Wichte an ihrem Hauptmanne zu nehmen gedachten. – "Gott segne Sie, grossmütiger Herr," sagte der eine, "für Ihr Mitleiden gegen ein paar der betrübtesten Lustigmacher, die je die Erde getragen hat!" – "Die Klerisei," sagte der andere, "hat alle unsere Schätze geraubt – nur die guten Perlen nicht, die jetzt unsern Augen entfallen. Wir fühlen, dass wir nicht ganz arm sind – fühlen in diesem rührenden Augenblicke, dass wir noch ein Herz haben, das Ihrer achtung und Ihrer Güte nicht unwürdig ist." – "Kinder! steht auf!" unterbrach ich den Strom ihrer Empfindungen, indem ich jedem eine Hand reichte, um ihn von dem Boden aufzuheben, auf dem sie vor mir, wie vor dem Bilde eines Heiligen, lagen. "Vergesst euer Unglück bei der frischen Flasche die eurer wartet – Lasst es euch wohl schmecken, und erinnert Bastian, wenn er euch versorgt hat, dass er mir mein Tintenfass fülle." – Ich sah den beiden verbrüderten Trauergestalten ernstaft nach, wie sie unter Tränen und Lächeln sich von mir wendeten, und Hand in Hand auf ihren Posten zurück schlichen, und verfiel, ach wahrlich nicht ohne Ursache! von einem wehmütigen Gedanken in den andern.
So finde ich denn wieder einmal, dachte ich, Talente dem Kummer – fröhliche Menschen missgünstigen Heuchlern – gutmütige Geschöpfe dem Hungertode preis gegeben! O ihr unglücklichsten aller Puppenspieler! So blieben denn auch eure schönen Tiraden und Denksprüche über Grossmut und Mitleid, die ihr täglich euern Zuhörern warm an das Herz legtet – ohne Frucht? So dachte denn keine Seele daran, euch nur Einen der lustigen Abende zu vergelten, deren ihr im Schweisse eures Angesichts so viele unter eure leichtsinnigen Mitbürger verteiltet? So rührte denn euer sprechendes Elend nicht Einen eurer Bekannten bis zu einem freiwilligen Beitrage zur Hinfristung eures Lebens, den sie sonst, ohne nachzurechnen, dem Vergang einer müssigen Stunde opferten, und den sie sich am Maule ersparten, um ihn an eure hölzernen Trauerspiele zu wenden? O der Toren! die erst Dichter, Maschinen und Puppen nötig haben, um die süsse Frucht des Mitleids ihrem Gaumen schmackhaft zu machen! – die, indem sie sich nach dem Schauplatze drängen, um für ihren Gulden über den nachgeäfften Tod des Ugelino zu weinen, mit trockenen Augen das arme geschöpf am Wege vorbeigehn, das nur dieses Almosens bedarf, um nicht inzwischen, wie er, zu verschmachten! Unglaublicher Widerspruch des menschlichen Herzens, das, mächtiger gerührt durch sinnlichen Betrug als durch die schreiendste Wahrheit, kalt und grausam gegen brüderliches Elend, nur gerechtes Erbarmen für das fühlt, das längst überstanden und aus der fabelhaften Vorzeit entlehnt ist! – Ihr armen Märtyrer einer unschuldigen Freude! wendete sich jetzt mein bewegtes Herz an die unglücklichen Brüder;