Lebens ein Kunstwerk zu weben; indess rate ich dir als ein guter Freund, es vor des Hand noch zu verschieben, damit nicht etwa deine Suppe nach den Regeln des Aristoteles – kalt werde." – "O, der unglücklichen Gabe der Redseligkeit!" brach er nun mit einem Seufzer aus: "Sie ist mir immer in allem, wie mein Genie, im Wege gewesen – Sie ist es – warum sollte ich es läugnen? die mir und meinem armen Bruder alle warmen Suppen vereitelt hat – Denn – sehen Sie, mein lieber Herr, ehe ich damals auf meinen angewiesenen Standort kam, erzählte ich einigen meiner Bekannten im Parterre die Entdeckung, die ich in der Ecke gemacht hatte, ein Nachbar erzählte sie dem andern, und alle Köpfe drehten sich zuletzt nach der verratenen Gruppe herum. – Auf dem Teater – anstatt zu epilogiren, hielt ich mich damit auf, mein geheimnis erst meinem Bruder, dann unserm Teaterdichter, und dann – dem Lichtputzer vorzuschwatzen. Die Zeit verging – ich liess das Parterre lange pochen und toben, ehe ich auftrat um meine Nachrede zu halten – Ach! ich dachte damals nicht, dass es meine letzte sein würde! Durch diesen Aufentalt, mein Herr, gerieten viele Haushaltungen in Avignon in Unordnung. Jedes kam um eine halbe Stunde zu spät nach haus, besonders aber die schöne Klara. Ja! könnten wir immer in die Kabinette der Grossen blicken, wie viel anders würden wir über den Wert ihrer Zeit, und über den Einfluss, den oft der Verlust einer Minute in ihrer Wirtschaft auf die Regierung der Welt hat, urteilen! Die kritische Stunde, wo der Domherr seine Freundin erwartete, war verflossen. Er war in die Abendmette gegangen, ohne sie in ihrem Betstuhle zu finden. Sobald er fertig war, eilte er nach haus, und sie trat nicht vor ihm her, wie sonst. Er rief, fragte, suchte nach ihr, und vermisste sie auf das schrecklichste, und schickte seine ganze Dienerschaft, sogar seinen Koch, aus, sich nach ihr zu erkundigen. Dieser, nachdem er vergebens bei ihrer Tante nachgefragt hatte, stiess von ungefähr auf den Haufen, der unser Schauspiel verliess – Er sah das verspätete Mädchen an dem arme des jungen Officiers – hörte bald ausführlich das Wie und Warum, und brachte es seinem Herrn. Gott weiss mit was für Zusätzen, zu Ohren. Kein Epilogus sollte ausschwatzen, das habe ich damals gelernt. Der Erfolg zeigte, wie gut es gewesen wäre, wenn ich es eher gewusst hätte. Der Domherr hob alle Gemeinschaft mit Klärchen auf, und verwies sie noch diesen Abend aus seinem Sprengel. Sie durfte nicht mehr, wie das Schaf des armen Mannes, auf seinem Schoosse schlafen und aus seiner Schüssel essen ..." – "Lieber Bruder," fiel ihm hier der Prologus in's Wort, "würde es nicht gut sein wenn wir die unsere warm setzen liessen?" – "Tue das," antwortete der Redner, "aber unterbrich mich nicht." Und nun fuhr er mit demselben Feuer fort: "Der Unmut des Domherrn wirkte jetzt schrecklich zurück auf uns. Er erweckte den Fiskal, klagte uns an als Verführer der Jugend, liess unsere Zettel abreissen, veranstaltete eine Haussuchung, und rächte an uns Unschuldigen das marternde Gefühl seiner Eifersucht auf die grausamste Art. Die Gerichtsdiener brachen in unsere stille wohnung ein, bemächtigten sich unserer Dekorationen, unserer Dratpuppen und unserer Papiere.." – "Ohne dich zu stören," unterbrach ich hier seine Erzählung, "deiner Papiere – sagst du?" – "Ja wohl, unserer Papiere!" wiederholte er und trocknete sich die Stirn. "Wir haben nichts gerettet als was uns im kopf blieb – haben zwar seitdem unsere Lust- und Trauerspiele noch einmal, – aber, stellen Sie Sich vor! – als Akten geheftet haben wir sie zu gesicht bekommen. Die Stellen darin, die immer den meisten Beifall erhielten, waren mit roter Tinte unterstrichen, und der Fiskal hatte sie in eine Liste zusammen gesetzt, die er unser Sündenregister nannte." – "So?" sagte ich ernstaft, und das Herz schlug mir so hoch, dass ich aufstehen musste. "Geht einstweilen hin," sagte ich zu den beiden Brüdern: "Wenn ihr gegessen habt, will ich euch weiter hören." – Und so eilte ich von ihnen weg in meine Bibliotek, um mich von der schnellen Bestürzung, die mich überfiel, in einem Zimmer zu erholen, das dem Nachdenken gewidmet war. Hier stammte ich meinen Kopf an den Bücherschrank, und fing an mich mit mir selbst ernstlich über das zu besprechen, was ich so eben vernahm. Das ganze grässliche Schicksal, das meinem Tagebuche drohte, trat mir vor die Augen – Ganz gewiss, sagte ich, wird man sich seiner so gut bemächtigen als der Rollen der armen Puppenspieler – Man wird es – ich ward über und über rot bei diesem Gedanken – einem gerichtlichen Translator Preis geben, und die ganze Stadt wird die geheimsten Nachrichten deines hiesigen Aufentaltes, deiner einfältigen Streiche, und deine kritischen Bemerkungen über die Narrheiten anderer zu lesen bekommen. Was – um aller Barmherzigkeit willen! was sollte wohl aus dir werden, wenn der Propst deinen dogmatischen Handel mit Klärchen, und alle die zweideutigen Vorfälle auf deiner berühmten Kreuzfahrt ersähe, sie mit roter Tinte unterstriche, und dein Bisschen hautgout das, mit zehn Bogen guter