macht,
Und sein Befehl sich, Kuss für Kuss,
Nach ihren Grillen schmiegen muss,
Und sie für Ein Recht das sie gibt
Zehn Forderungen unterschiebt,
Mit ihrer Schwachheit sie beschönt,
Und täglich immer weiter dehnt,
Bis ein verdoppeltes Geschrei
Ihm vorwirft, dass er Vater sei;
Indess er im Kalender stört,
Ob auch der Gast ihm angehört,
Für den er jetzt Geleit und Zoll
Und Wegegeld entrichten soll.
Wenn dann sein Herz sich ausgespült
Und federleicht und müssig fühlt,
Und, alt und schwach und seiner satt,
Sein Weib ihn überwunden hat;
Dann fluch' er noch dem Apfelbiss,
Der ihm sein Paradies entriss;
Dann erst nehm' ihm ein ödes Grab
Den königlichen Zepter ab!
Und wie der Schöpfer sie verdammt,
Tut auch der Cherubin sein Amt;
Als wär's ein Bettler, heisst er ihn
Mit seiner Dirne weiter ziehen.
Und sie – des dummen Sündenfalls
Vermaledeiung auf dem Hals,
Sie schlendern nun, wie's Gott gefällt,
Aus Eden in die weite Welt,
Und lange Weile, Spott und Schmach
Folgt ihnen auf dem fuss nach.
Und unter Blitz und Donner packt
Gott unser Herr, im v i e r t e n Akt,
Sein Gärtchen ein, und Nacht und Graus
Füllt das Gerüst des himmels aus;
Die Bäume werden aufgerollt;
Das Reich der bunten Tiere trollt
Sich fort – des Ohrs und des Gesichts
Erlustigung fällt in ein Nichts;
Die Sonne, die so herrlich schien,
Verlischt, und Mond und Sterne fliehn.
Damit's nicht stinkt, wird vor dem Schluss
Geräuchert vom Epilogus."
Kaum hörte sich der Epilogus nennen, so fiel er seinem Bruder, aus Furcht, er möchte seine poetische Rede in Prosa fortsetzen, hastig in das Wort, und überraschte mich nicht weniger durch die unerwartete Lebhaftigkeit, mit welcher auch Er von seinem militärischen Standorte ab, in das Feld seiner verlassenen Kunst überging. – "Sie werden an der Vorrede meines Bruders genug haben, mein Herr," wendete er sich zu mir, "denn sie entält alles, was durch unser Schauspiel nachher nur in Handlung gebracht wurde, und ich mag Sie mit meiner Nachrede nicht noch aufhalten. Auch ist es wahrlich weder diese noch jene, die den Umsturz unsers Teaters bewirkte. Sie mussten nur nachher der Ungerechtigkeit zum Vorwande dienen, die ein Heuchler, der in seiner eigenen Rolle gestört wurde, an uns, an der Schöpfung der Welt, und dem stand der Unschuld beging. hören Sie, mein Herr und erstaunen Sie! Ich hatte schon alle Reihen Bänke unsers Parterres durchgeräuchert, als ich in der hintersten, dunkelsten Ecke auf ein paar Zuschauer traf, die vermutlich selbst keine verlangten; denn sie fuhren, aus aller Fassung gebracht, aus einander, als ich ihnen mit meinem Rauchfasse zu nahe kam. Es war ein junger Officier, und es war – – stellen Sie Sich meine Verlegenheit vor! – abermals das schöne Mädchen, das ich schon als Reisegefährtin des Herrn Ducliquet so unschuldiger Weise erschreckte. Ich sah es ihr an, dass sie in diesem Augenblicke sich mehr vorzuwerfen hatte als alle unsere Marionetten; und doch mussten diese schwerer als sie für die Untreue büssen, die sie diesen Abend an ihrem Patron beging. Die damals verlornen Minuten des rachgierigen Domherrn liegen schwer auf uns, und werden uns drücken so lange wir noch in dieser Zeitlichkeit wallen." – "Das wäre sehr Schade um deine ausgezeichneten Talente," unterbrach ich den Grenadier: "Du bist Zu patetischen Rollen wie geboren, und ich hoffe, dass der Druck nicht lange mehr dauern soll, der das Publikum um ein paar so treffliche Redner gebracht hat. – Doch davon ein andermal – Jetzt, fahre nur fort!"
Indem meldete Bastian, dass ihr Abendessen auf dem Tische stehe. Der Prologus setzte sich in Bewegung; aber der Epilogus, den mein Beifall noch mehr in Feuer gebracht hatte, bat seinen Bruder noch um einige Augenblicke Geduld, und wendete sich mit einem pragmatischen Uebergange wieder an mich. – "Es war immer noch ein glücklicher Zufall," sagte er, "dass sich mir das schöne Gesicht unter dem Schimmer meines Rauchfasses verraten musste; denn sonst würden wir bis diese Stunde noch nicht den geheimen Zusammenhang unserer tragischen geschichte entdeckt haben." – "Sind wir desshalb jetzt besser daran?" murmelte sein hungriger Bruder. – "So aber," fuhr der andere fort ohne sich stören zu lassen, "können wir von der ersten verborgenen Feder an, die so viele Räder in Bewegung setzte, den unglücklichen Vorfall bis zur Auflösung des Knotens verfolgen. Es sollte einem Dichter leicht werden ein Trauerspiel daraus zu verfertigen – so regelmässig als es die Verschwörung von Venedig oder der Umsturz des babylonischen Reichs ist; wären wir nur noch so glücklich ein Teater zu haben, um es aufzuführen. Die drei Einheiten, mein Herr, des Orts, der Zeit, und der Handlung, finden sich hier, nach den Forderungen des Aristoteles, auf das genaueste vereinigt, und würden, mein Herr, so gewiss ihre wirkung tun, als" ... Jetzt fing mir vor der Ueberstrümnng seiner Gelehrsamkeit ein wenig an angst zu werden. – "Du bist zwar der erste, den ich sehe," unterbrach ich ihn mit einer verwunderten Miene, "der seine Unglücksfälle nach der Kunst zu ordnen im stand, und selbst fähig ist, wie die Spinne, aus dem Stoffe seines eigenen