sah fürchterlich aus, und brüllte, nach der Schrift, wie ein Löwe. Da aber jedermann wusste, dass es nur Verkleidung war, so fand das Stück einen so lauten, weit um sich greifenden Beifall, dass wir eine Stunde nachher – eine Sache, die in den Annalen der Schauspielkunst unerhört ist – es vor einer noch verstärkten Versammlung wiederholen mussten. Freilich griff es uns an, und mein Bruder spie Blut; aber dafür hatten wir auch eine doppelte Einnahme. Das Spiel dauerte bis nach Mitternacht, und die Zuschauer gingen höchst vergnügt aus einander. Wer hätte sich einbilden sollen, dass der Teufel, während wir ihn in seiner Herrlichkeit vorstellten, uns den boshaftesten Streich spielen würde, den er je ausgeführt hat? Gegen mich und die Meinigen hätte er wenigstens kein ärgeres Bubenstück ausdenken können. Wir waren so abgespannt und schläfrig, dass wir kaum die Lichter ausgeputzt hatten, ausgenommen das Endchen, mit welchem mein Bruder uns vorleuchtete, so trabten wir auch schon über den langen gang unserer Schlafkammer zu. Nun hatte aber der gewinnsüchtige Wirt in unserer Abwesenheit zwo andere Personen in derselben kammer aufgenommen, ohne ihnen über uns Bescheid zu sagen, anstatt sie, wie er ehrlicher würde getan haben, in ein anderes Gastaus zu weisen, da in dem seinigen keine stube mehr leer war. –
Aber gut genug! es war ohne unser Wissen geschehen; uns ahndete nichts böses, und wir traten ein. Mein Bruder, das Stümpfchen Licht in der Hand, lief gerade nach seinem Bette, zog die Vorhänge zurück, und das Unglück war geschehen. Der fremde Herr, der darin lag – Heiliger Anton! was für ein Schrecken überfiel ihn, als er aufwachte, und diese Höllenfigur vor sich stehen sah! Er verfiel in ein Angstgeheul, wodurch in dem gleich anstossenden Bette eine andere Figur erweckt wurde, die, gleich einer Venus die noch nicht ausgemalt ist, schon damals nicht weniger versprach, als sie nachher gehalten hat, wie Sie am besten wissen werden, mein Herr.." – "Wie denn ich?" fragte ich voll Verwunderung. – "Weil es," antwortete der Grenadier, "niemand anders war, als – die Mamsell hier im haus." – "Träumt ihr, Freund?" unterbrach ich den Soldaten, "oder faselt ihr?" – "Nichts weniger," erwiderte er sehr bestimmt. – "Besinnt euch," fuhr ich auf ihn zu; "denkt nur, welche schöne Zeit müsste das nicht her sein!" – "Das ist," besann sich der Erzähler, "mit Ende dieser Woche, ein und zwanzig völlige Monate." – "Und da schon," warf ich ein, "sollte die schöne, fromme, unmündige Klara.. Das ist nicht möglich." – "So möglich," versetzte der Grenadier, und hob die Hand wie zum Schwur in die Höhe, "dass es selbst mein Bette war, aus dem sie, ich will Ihnen nicht sagen wie schlank und artig heraus fuhr, und sich entweder aus Furcht oder Bescheidenheit unter die Decke ihres zitternden Nachbars flüchtete. Welcher Sturm des Ungefährs übrigens sie in diese kammer – in das Bette eines Komödianten, und unter den Wendezirkel des Domherrn verschlagen hatte, mag Gott wissen." – "Was für eines Domherrn?" fragte ich hastig. – "Er heisst," antwortete mir der Soldat ganz, gelassen – "Ducliquet, und lebt hier in dem grössten Ansehen." –
Nun du barmherziger Gott! murmelte ich in den Bart, so habe ich mir denn nicht vorzuwerfen, die Geheimnisse deiner Heiligen zuerst aufgedeckt, und die Ruhe ihrer Unschuld gestört zu haben. Noch vor Erfüllung der Zeit, noch vor Erschaffung ihres schwellenden Busens – lag sie schon dem Verehrer ihrer Patronin – lag sie herzhaft dem mann zur Seite, vor dem wohl jeder Christin, die auf den Namen der heiligen Klara getauft ist, ganz besonders bange sein sollte. Nun lässt sich schon eher begreifen, warum sie die berühmte Stelle in der Legende ihrer Seelenschwester so nachdenkend überlas. Von jener Schreckensnacht in dem Propheten zu Cavaillon her mag sie wohl die alte geschichte datiren, von der sie mir sagte, sie sei ihr unter andern Nebenumständen erzählt worden. Ach! diese Nebenumstände! Was gäb' ich für die Menschenkenntniss darum, wenn ich sie wüsste! Wie gut würden sie mir vielleicht die Schwärmerei des Domherrn für die heiligen Steine erklären, die seinen schwachen Kopf fast mehr, als der Stein der Weisen das Gehirn eines Adepten, verrücken! O der Unschuldigen, die erst von den Kasuisten erfahren musste, was in der Liebe Rechtens ist! O der jungfräulichen Hand, die über die abartige Bildung des schlafenden Engels so scheu ward! und o des Toren, der nur einen Augenblick über die fromme Unwissenheit eines solchen Mädchens nachgrübeln konnte! – "Doch, guter Freund, fahre in deiner Erzählung nur fort," unterbrach ich endlich meine kleinlauten Betrachtungen, und verdoppelte meine Aufmerksamkeit. – "Hätte das Geschrei dieser beiden," hub der Grenadier wieder an, "die halbe Stadt in Aufruhr gebracht, es wäre kein Wunder gewesen. Umsonst stellten wir uns alle, wie wir waren, teilnehmend um ihre Lagerstatt her, suchten ihnen begreiflich zu machen, dass wir nicht mehr und weniger Teufel wären wie sie – dass diese kammer unsere tägliche wohnung, und unser fürchterliches Ansehen nur ein Teaterkleid sei. Todtenblass blieben