mit – wenn ich mich nicht irre – mit Lillastreifen und weissen Franzen behängt" – "O, halte dich damit nicht auf," unterbrach ich ihn, "ich weiss schon, wo er steht, und wie er aussieht." – "Dann drehte ich mich mit meiner Rede nach dem Prokurator – von ihm nach der Tante, und endigte sie endlich bei Klärchen, und – erwartete meinen Bescheid. Wie denken Sie dass er ausfiel? Erschrecken Sie nur nicht zu sehr, mein bester Herr; aber es ist meine Schuldigkeit Ihnen klaren Wein einzuschenken." – "Das tue nur bald," sagte ich lachend "sonst möchten dir deine Freunde draussen keinen mehr übrig lassen." – Der Wink tat seine wirkung. "Der Propst," fuhr jetzt mein wortreicher Gesandter weit gedrungener fort, "nahm zuerst das Wort, mit so vieler Würde, dass ich selbst vor ihm zittern musste. Ist es begreiflich, fuhr er mich an, dass ein Mann, der sich solcher Verbrechen bewusst ist als Sein Herr, es wagen kann, der Gerechtigkeit mit so nichtigen Anerbietungen unter die Augen zu treten? und dass auch Er, mein Freund, der in der reinen Lehre erzogen und geboren ist, sich nicht scheut, solche Anträge zu übernehmen? Fällt denn nicht schon durch die schwarze Tat selbst, die Sein Herr beging, sein Eigentum, so gross es auch sein mag, dem geistlichen Fiskus anheim? und seine Richter sollten sich herablassen, mit ihm über seine Bestrafung zu handeln? O, wir wollen schon sorgen, dass sie exemplarisch ausfallen soll. Er hat nicht nur die Gastfreiheit unsers Landes auf das undankbarste erwiedert – nicht nur einen Kirchenraub an den Schätzen der frommen Stiftung begangen, die ihm Schutz gab; nein! er hat selbst die Werkzeuge auf das treuloseste vernichtet, die unsere gottseligen Vorfahren zur Ausbreitung der Religion und Tugend diesem haus übergaben. – Er hat – schrie der Prokurator mit einer sehr gelehrten Miene darein, ärger und verabscheuungswürdiger als Herostratus gehandelt: denn jener verbrannte nur den Götzentempel einer Diana; er aber hat das Lehrgebäude unsers heiligen Glaubens, im Bunde mit dem Satanas, zu Asche verwandelt. – Er hat mich – er hat Gott gelästert, krähete die alte Bertilia. – Er hat alle Heiligen beschimpft, tönte Klärchen. – Solche Gräueltaten, übernahm ihr Nachbar, der Propst, das Wort, lassen sich nicht mit Gold und Silber verbüssen. – Mit Freuden will ich ihn brennen sehen, sagte die Alte. – Und auch ich will keine Träne dabei vergiessen, stimmte die Nichte bei. – Morgen, donnerte der Prokurator, soll es Sein unwürdiger Herr schon erfahren, mit wem er zu tun hat. – Meine Klagrede ist bald fertig – Schwer solles ihm werden darauf zu antworten. – –
Und nun tret' Er ab, mein Freund, rief mir der Propst mit einem so ernstaften Winke zu, als ich nie wieder zu sehen verlange: Sage Er Seinem Herrn – denn heute ist er es noch – was Er gesehen und gehört hat. Der morgende Tag wird ihn das Weitere schon lehren." – "Und was soll er mich lehren?" fragte ich mit verächtlichem Grimme, "was ich nicht heute schon weiss? dass dieses Winkelgericht aus den niedrigsten Heuchlern zusammen gesetzt ist, verworfener selbst als jene, die ich dem Rousseau geopfert habe. Ich biete ihnen Trotz! Bin ich nicht ein Untertan Friedrichs des Grossen und Weisen? Auch in der Entfernung von ihm, wird sein Name mich schützen. Und du, mein guter Bastian, bekümmere dich meinetwegen nur nicht! Du sollst hoffentlich länger in meinem Dienste bleiben, als dir der Schwarzkünstler gedroht hat. Trinke jetzt ruhig den Wein aus, von dem ich dich abgerufen habe, und lass auch den armen Soldaten nichts abgehen! Du hast doch ein Abendessen für sie bestellt? – Nun gut! So lasst es euch bei meiner Gefangenschaft wohl schmecken. Ich verlange heute nichts weiter von dir, als dass du mir Licht bringest, wenn es dunkel wird." – Unter vier Augen kann ich Dir nun wohl sagen, Eduard, dass mir nicht ganz so heroisch zu Mute war, als ich mich gegen meinen beängstigten Bastian anstellte. Der Name meines Königs, so geltend er auch überall sein mag, wird auf dieses Gesindel so wenig Eindruck machen, als auf die Bewohner des Feuerlandes. Kommst Du unter die Gewalt der Wilden, so werden sie Dich braten, und wenn Du auch preussischer Kammerherr wärest, oder Ritter vom schwarzen Adler. Nur unter civilistrten, aufgeklärten Völkern ist so etwas von Gewicht, und hat da schon manche Special-Inquisition von grösseren Verbrechern abgewendet als ich bin.
Ich hatte meinen Kopf, ganz schwer von diesen Betrachtungen, auf den Arm gestützt, und dachte meiner verdriesslichen Sache nicht ohne manche Besorgniss nach, als Bastian mit einem gesicht herein trat, das mir nur zu gut bewies, dass sie draussen zu meinen Ehren wohl nicht den wohlfeilsten Wein trinken mochten, und mein ehrlicher Kerl vermutlich meine Goldbörse ohnehin für konfiscirt hielt. – "Mein Herr," wendete er sich freundlich an mich, indem er mir Lichter aufsetzte, "Ihre Soldaten sind ganz von Ihnen eingenommen. Nicht ein Glas von den vier oder fünf Bouteillen, die ich aufgetragen habe, ist anders getrunken worden als auf Ihre Gesundheit. Zehnmal lieber, sagen sie, wollten sie für ihren Gefangenen ihr Leben daran setzen, als ein