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zur Ruhe," rief ich ihm entgegen, als er mit grossen Augen herein trat, "und befriedige vorerst die meinige! Erzähle mir ohne Weitläufigkeit, wie mein Freund, der Kirchner, meine Botschaft aufgenommen hat." – "Ach, ich will wünschen," versetzte Bastian, "dass Sie klüger aus dem Geschwätze des ehrlichen Mannes werden als ich. Ihren Brief habe ich freilich nicht gelesen; aber in der Antwort wenigstens, die er mir mündlich an Sie auftrug, liegt doch gewiss nicht ein Funken Menschenverstand." – "Das geht mit allen Orakeln so," erwiderte ich: "der Befrager muss ihn erst hinein legen; das ist in der Ordnung. – Lass nur hören!" – "Als er das Goldstück aus Ihrem Briefe in Sicherheit gebracht hatte," fuhr Bastian fort, "las er ihn bedachtsam durch, lächelte, schüttelte den Kopf bei einigen Stellen, sprach durch die Nase, und wiederholte seinen Unsinn einigemal, damit ich ihn ja nicht vergessen möchte: Sage Er Seinem Herrn meinen GrussEr solle sich nicht grämen und wundern, dass er in Avignon, in dem Gränzstreite zweier Heiligen, verlorenund die hochbelobte Concordia, vielleicht aus wohlmeinenden Ursachen, ihm verwehrt habe, das Weichbild der harmonischen Cäcilia zu überschreiten. Anderwärts, hoffe er, würde sie ihm ihre anscheinende Härte zehnfach ersetzen. Er habe nur bald die Schwierigkeiten zu entfernendie ihmich versichere Sie, mein Herr, dass er diesen Unsinn wörtlich gesagt hatdieses A n d e r w ä r t s mache. Die Mittel dazu, behauptete er, lägen in Ihrer Gewalt. – Sie sollten nur die guten Einfälle aufbieten, wodurch Sie ihm Ihre Unterhaltung so angenehm und geistreich gemacht hätten ..." – "Ich glaube," unterbrach ich hier meinen Gesandten, "der Kerl raset, oder er will mich zum Besten haben." – "Wohl möglich!" antwortete Bastian. – "Wann hätte ich mich denn," fuhr ich nachdenkend fort, "nur im geringsten seinetwegen mit meinem Witze in Unkosten gesteckt? Aber nur weiter!" – "Ferner sage Er Seinem Herrn," schnarrte Bastian auf das natürlichste dem Kirchner nach, "habe er sich nur die Augen zu reiben, und über die Gasse zu blicken, so werde ihm der Zwerg erscheinen, der allein die Verbrannten aus ihrer Asche wieder erwecken könne." – Hier riss mir die Geduld, ich sprang vom Stuhl, und: "Was zum Teufel," fluchte ich, "soll ich mit diesem albernen Geschwätze anfangen? Aber so geht es, wenn ein Narr einen grossen Dichter nachahmen will. Weil sein Petrarch immer und ewig ihm unverständlich sein wird, so denkt der Tropf, glaube ich, Laurens Schatten möchte es übel nehmen, wenn ihr Wächter sich deutlicher ausdrückte. Den Augenblick gehe zu ihm, und sage ihm zur freundlichen Antwort, dass er für seine scherzhafte Laune ein anderes Ziel suchen solle als michso wie ich zu meinem Goldstücke, das ich mir wieder ausbäte, auch schon einen andern Liebhaber ..... Doch warte nur." – Ich trat ärgerlich an das Fenster; aber ich sah nicht lange gedankenlos über die Gasse, so stiess ich auf etwasdas mir mit Einem Blicke jenes verworrne Rätsel in's Licht setztestiess auf die Zwerggestalt meines Freundes Fez, der, auf seinen Laden gelehnt, mir gerade in das Gesicht gähnte. – "Ja wohl, guter buckliger Mann," rief ich aus, "bist du es allein, der mich aus meiner Gefangenschaft retten kannDu bist der Zwerg, auf den mich das Orakel verwies. Geschwind, Bastian, reiche mir eine Bücherschale nach der andern von dem Haufen her, der an dem Kamine liegt! Ihre betrügerischen Titel sollen bald in eine Liste gebracht sein. – Eins bis siebenzehn! Gottlob, dass ich damit fertig bin! Nun, Bastian, trage geschwind diess Papier zu unserm Nachbar, dem Buchhändlerlass ihn den Ladenpreis daneben setzen, und lass ihn unterschreiben, dass er gegen die Summe sich für die Beischaffung dieser seltenen Werke verbürge!" – Eben so glücklich löste sich die andere Hälfte des Rätsels. Ich begriff jetzt, ohne lange zu suchen, die guten Einfälle, die meinem nachsichtigen Freunde in meiner schlechten Unterhaltung so wohl gefielen, den in allen Ländern beliebten und bei allen Prozessen anwendbaren Witzeiner gefüllten Börse. Ich zog die meinige heraus, und besah sie mit Wohlgefallen; und da es einmal dort oben geschrieben stand, dass ich alle meine Torheiten bezahlen sollte, so nahm ich mir vor, es mit der besten Art und wie ein grosser Herr zu tun.

Meine gute Laune kam während dieser Betrachtung in gleichen Schritten mit meinem Hunger zurück, der eben auf's höchste gestiegen war, als Bastian herein trat, und mir die teure Rechnung des Herrn Fez einhändigte. Ich warf sie gleichgültig auf den Tisch. – "Geschwind, Bastian," rief ich ihm zu, "schaffe mir etwas Gutes zu essen, und bringe mir auch eine Flasche Sillery mit, damit ich vergesse, dass ich noch in Avignon bin." – Man würde sich vielen Kummer ersparen, wenn man von den widrigen Vorfällen, die uns in dem kurzen Uebergange vom Leben in's Grab aufstossen, den finstern Anblick zu vermeiden, und nur die lächerliche Seite davon aufzusuchen