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zu, die ein Verächter eures Namens in diesem Gotteshause beging!" Aber als ob sie damit nur das Recht errungen hätte zu fluchen, knetete sie hinterher alles, was nur Gräuliches und Verworrenes in hundert Gebetbüchern verzettelt sein mag, zu einem Anatema wider mich zusammen, dass selbst, in Vergleichung dessen, die bulla in coena domini30 eine Höflichkeit sein würdeGott bewahre mich, dass ich es ihr nachspreche!

Ich hörte ihr lange mit geduldigem Erstaunen, ja, wenn Du willst, mit einer Art Bewunderung ihrer höllischen Beredsamkeit zu. Endlich aber, da ihr giftiger Ausfluss nicht nachliessihr Mund immer schäumender und ihre Augen flammender wurdenda sie mir entgegen donnerte, dass viele meines Gleichen, in ihrem frommen land, geringerer Verbrechen halber gerädert wären, und den Raben am Bache zur Speise dientenund mir der arme unschuldige Calas darüber einfielda überlief mir die Galle. – "Den Augenblick steh auf, und packe dich, du abscheuliches Weib, packe dich zu deinem Schandbalge von Nichte, damit ich dich nicht in der Asche des Otterngezüchts erstikke, das du beheulst." – Und so lief ich, selbst ein wenig von ihrer Wut angesteckt, nach dem Schellenzuge, und stürmte nach Bastians hülfe. – Aber indess ich, wie ein Narr, klingeltewar mir die Hexe entwischt; und ehe ich mich besann, warum ein Mensch, den man auf die Post geschickt hat, unmöglich zu haus sein kann, hatte sie den Schlüssel abgezogen und die tür von aussen verschlossen. Ich musste nun selbst einsehen, wie überlegen sie mir war, da meine Aufwallung von gerechtem Zorn mich blind gegen alle Nebenumstände machte, die mir hätten dienen können; sie hingegen, ungeachtet ihrer Wut, auch nicht die geringern Bosheiten aus der Acht liess.

Dieser Auftritt, Eduard, hat mich ganz ausser Fassung gebracht. Ich kann mich noch gar nicht recht in mein Verhältnis; mit dem Hospitale hinein denken, und das pro und contra meines Falles abwägen. Freilich habe ich Bücher verbrannt, die einer milden Stiftung gehörten; aber, grosser Gott! was waren es für Bücher! Verdient man wohl den Galgen, wenn man Gift stiehlt, um es in einen Abgrund zu werfen, damit es niemanden schade? O! gewiss verdient man ihn, wenn es Mörder sind, die uns richten. Das ist keine tröstliche Aussicht, und ich fürchte, – ich fürchte, man wird mir das Brandopfer eintränken, das ich dem Andenken des unsterblichen Rousseau gebracht habe.

Eben habe ich alle Türen des Vorsaals und des Hauses verschliessen hören, und sehe nun Tante und NichteGott mag wissen nach welchen Gehülfen ihrer Bosheitüber die Gasse rennen. – Meinetwegen mögen sie alle Schöppen und Schergen der Stadt zusammen treiben! Ich will lieber, wie ein Mann von Erfahrung sagt, mit Löwen und Drachen kämpfen, als mit einem einzigen bösen weib. – Dass nichts Gutes für mich aus einer Conjunction entstehen kann, die sich aus der Heimtücke des Alters und aus dem beleidigten Gefühle der Jugend, und zwar von da aus, gebildet hat, wo die Rachsucht am lebhaftesten und wie ein Kitzel wirktkann ich mir an den Fingern abzählen. Jener drückende Groll des frommen Mädchens, der kaum eine volle Stunde alt und von einer desto gefährlichern Beschaffenheit sein muss, je verdeckter er istwie wird er nicht der lauten Anklage der Tante bei den Beschützern des Rechts zu Statten kommen, zu denen sie beide hineilen! Wie wird die fromme Sängerin mich die Beschimpfung nicht büssen lassen, die ich ihren Reizen und ihren Indulgenzen antat! Wie teuer werde ich alle die Kreuze bezahlen müssen, um die sie meine Ungeschicklichkeit brachte! Sie darf nur den Feuereifer ihrer würdigen Tante mit ein paar heuchlerischen Tränen unterstützendarf, wenn ihr Rechtspatron in Gedanken da steht, nur den heiligen Nicaise ein wenig lüften, oder, wie sie es mir gemacht hat, durch einen pittoresken Faltenschlag ihres Florkleides das Auge des Richters fesseln, und ihn durch den tollsten aller Kettenschlüsse verleiten, Beweise von Unschuld dahinter zu suchen; so wird ihm mein Vergehen gegen Gott und seine Kirche so einleuchtend und strafwürdig vorkommen, als es die Alte verlangt. – O, du betrügerisches Geschlecht! Warum hüllte dich die natur in jene blendende Dekke, die alle und jede Nachforschung nach deiner wahren Gestalt vereitelt? Warum verlarvte sie deine Abscheulichkeit mit Reizen, die auch den hellsehendsten Mann überlisten? und ach! warum liess sie nur Einen Weg zu jenem verflochtenen Labyrinte deines Herzens? Wie ganz anders würden nicht jetzt meine Aktien stehen, wenn ich ... Doch warum sollte ich mich noch strafbarer aus Klärchens kammer zurück wünschen, als ich sie, Gott sei Dank! verlassen habe? Um des verächtlichen Vorteils willen, bei dem Widerspruche meines Gewissens, in den Augen solcher Menschen, als ein Mann von Ehre, feiner Lebensart, und als einer zu gelten, der es so ganz wert sei, ihrer Religion anzugehören?

Ich trenne mich ungern von Dir, mein Eduard, aber die Klugheit verlangt es. Wenn zwei Weiber wider Einen Mann in Aufruhr sind, bleibt ihm wohl nichts nötigeres zu tun übrig, als auf alle mögliche Mittel zu sinnen, ihrem unermüdeten Hasse entgegen zu arbeiten, ehe er sich noch durch andere Leidenschaften, die ihnen immer bei der Hand sind, verstärke, und es zu spät wird. Ich hoffe schon noch Zeit zu finden mit Dir fortzuplaudern, wenn ich nur erst über meine