. Das ist mir lieb, versetzte sie, so will ich Ihnen wundershalber nur erzählen, was der Zigeunerin für sinnloses Zeug aus dem hässlichsten mund ging, als sie die schöne Gestalt vom herrlichsten Wuchs und dem tadellosesten Gliederbau, abtrocknete.
Das ist doch einmal, rief sie in ihrer tollen Bewunderung aus, eine Ausstattung, wie sie nicht leicht einem fürstlichen haus zugebracht wird; fahren Sie fort, teuerste Prinzessin, wie Sie angefangen haben, das Glück des Landes steht von nun an in Ihren Händen.
Unter diesem dunkeln Orakelspruch überreichte sie ihr das mit Spitzen besetzte Brautemd und ordnete das übrige an.
Aber wie man eine junge Fürstin ankleiden muss, war ihnen allen böhmische Dörfer. Sagen Sie mir, mein Herr, sind denn die Stecknadeln erst in neuern zeiten erfunden? denn in diesem abgelegenen Winkel der alten Burg konnte mein ungeduldiges Jettchen zu keiner gelangen, um ihren Busenstreifen festzustekken. Ich zog zwei Karlsbader aus meinem Halstuch, um ihr aus der Verlegenheit zu helfen, aber dem grämlichen weib mussten sie, wie Ihnen gestern, zu spitzig vorkommen, denn sie schlug mir sie aus der Hand, unbekümmert, dass mir darüber, wie Sie sehen, die Zipfel auf die, Achsel hängen.
Das alles möchte noch hingehen, wie man ihr aber das Miederchen anlegte, in welchem sie die Nacht über glänzen sollte, da kam das gute Kind aus seiner Fassung.
Wie, ich bitte Euch, liebe Leutchen, lispelte sie gegen die sechs ungeschickten Mädchen, – wie können denn die Schleifen, die ihr so locker bindet, nur eine Stunde halten? Doch das war so gut als in den Wind gesprochen. Statt aller Antwort griff das alte zauberische Weib nach einer Schnur, die an der Wand herab hing, zog sie an und verursachte dadurch in der Nähe und Ferne der alten Burg ein so durchdringendes Geklingel, dass gewiss dem Taubsten die Ohren davon gegällt haben – und zugleich taten sich in derselben Minute die zwei Flügel zum Eingang in das Brautgemach von selbst auf.
Mir lief es, ich versichere Sie, eiskalt über den Leib.
Die Alte winkte uns – küsste zum Abschied die Hand ihrer neuen Gebieterin mit einer so verfluchten anmassenden Miene, als wolle sie ihr sagen: ich bin es, die dich dazu erhob, und meinen nachsichtigen Augen nur, vergiss es nie – hast du es zu danken, dass dich schon heute der Hof und die Stadt für wehrhaft halten.
Darauf verbeugten sich auch die andern; ich war die letzte, die sich ihr näherte, und meine Blicke und meinen Händedruck hat ihr fühlend Herz, ich weiss gewiss, verstanden. Die Alte verliess nun mit steifem Schritte das Zimmer, und das arme Kind blieb nun ohne alle menschliche hülfe, so zu sagen, zwischen Tür und Angel stehen, indem auch wir übrigen, eine nach der andern, uns trollten.
Ich empfahl meinen Liebling in einem stillen Gebet der Obhut des himmels, eilte die Stiegen herunter, und blickte noch einmal seufzend nach dem verwünschten Turm, vor dem Sie mir banger gemacht haben, als Sie wohl denken.
Das, lieber Herr Nachbar, ist alles, was ich Ihnen für heute zu vertrauen weiss. Meine Offenherzigkeit – ich gestehe es – hat mir Ueberwindung gekostet. Doch ich war ja – lächelte das gewissenhafte Amandchen, durch einen körperlichen Eid dazu verbunden, das beruhiget mich. Morgen – ach Gott was werde ich morgen alles zu hören bekommen! – frühstücke und bleibe ich in dem Vorzimmer meiner zur Erbprinzessin erhobenen Pflegetochter, bis sie mir Audienz gibt. So bald ich abgefertiget bin, sehen wir uns wieder, und das übrige haben wir ja schon der Länge und Breite nach besprochen. Unter dieser tröstlichen Aussicht auf den folgenden Tag suchte nun jedes seine Erholung von der Unruhe des heutigen in den Armen des Schlafs.
Blicke, lieber Eduard, nur nicht so verächtlich auf das Garderoben-Geschwätz, das ich Dir, meinem vertrauten Leser, nicht umsonst so weitläuftig ausgesponnen habe. Die Plaudereien eines Kammermädchen und eines in Pension gesetzten Hofschranzen, sind wahre Gold- und Fundgruben für jeden, der sich mit der histoire scandaleuse der vornehmen Welt befassen, oder gar einer solchen Wunderblume Glaubwürdigkeit verschaffen will, als ich der Mühe wert hielt, Dir hier mit der Treue eines Linnée bis auf ihre kleinsten flimmernden Staubfäden abzuzeichnen. Mit den klug ausgedachten Ursachen, warum der alte Patron eine so überaus zarte Pflanze erst an die Luft gewöhnen will, ehe er sie in seinen Kunstgarten versetzt, hat die angeführte Stelle aus seiner Vorrede Dich schon bekannt gemacht. Auch sie gehört zu den vielen Auswüchsen der männlichen Phantasie seines Zeitalters – jener unbegreiflichen Zeit, in der ein Sanchez – Svarez – P. Mato und ihres gleichen Folianten über die Jungfrauschaft der Mutter Gottes, mit erlaubnis der Obern in Druck gaben – in öffentlichen Hörsälen ihre anziehenden Schönheiten zergliederten und mit mystischem Stumpfsinn nachgrübelten, an virgo Maria semen ministrarit in incarnatione Christi – Damals, wo es Landessitte war, dass in gemischten Gesellschaften edle Ritter mit ihren Puder- und Pumphosen auftreten konnten, wie deren noch in alten Rüstkammern hie und da zum Skandal aufgehängt sind, und auf die kein noch so freches Weib im Vorbeigehen einen blick werfen kann, ohne die Nase zu rümpfen oder bis über die Ohren zu erröten – damals, wo nach der gangbaren Mode, (die ich bei meinem beständigen Lesen teologischer Schriften, unerwartet in dem Kommentar des berühmten Salmasius über die erste Epistel an die Korinter umständlich beschrieben fand27) der