, deren eine auch ich ihr vortrug, den beruhigenden Dienst, dass ich meine kluge Stellvertreterin dem lieben kind nachschlüpfen sah. Wie die verscheuchte Feldmaus der Fabel schlich ich mich nun aus dem Geräusch der grossen Welt zurück in den stillen Schatten des grünen Lorbeerbaums und harrte auf die Ankunft meiner Vertrauten.
Jetzt dachte ich, hat endlich der gebietende Stammvater die schöne Urenkelin, wo er sie haben will. Die laufende Stunde ist die erste, wo er sein Puppenspiel mit ihr beginnt, denn ich erinnerte mich aus seiner Vorrede ganz dunkel einer Stelle, die dahin Bezug hatte. Ich holte mein Portefeuille und suchte sie auf – sah aber zugleich, wenn sie mir ganz verständlich werden sollte, wie notwendig es war, einen Augenzeugen über die Umstände abzuhören, die er in seinem tollen Gehirne voraussetzt.
Ich kenne – sagte er – aus eigener Erfahrung – die muss doch sehr sonderbar gewesen sein, Eduard – das unerträgliche Frösteln, denn so glaubte ich müsse das veraltete Wort übersetzt werden, das da stand, ich aber in meinem Glossarium durchaus nicht finden konnte – das die Reize so unbefangener Geschöpfe mit einer Gänsehaut überzieht, wenn sie zum erstenmal, wie ein Krebs im Frühling, die Schaale abwerfen, und ihr zartes Gewebe – ihre natürliche Aussteuer, die mehr wert ist, als die reichste Morgengabe an Gold und Edelsteinen, der Luft aussetzen sollen.
Ihr guten Fräuleins – fuhr er zu faseln fort – lasst diesen albernen Schauer, der Euch so übel als einem mutlosen Knaben zu gesicht steht, der seinem Ritter auf der Stechbahn das Schild vortragen soll – lasst dieses alberne Zittern in der kalten Herberge Eurer Toilette zurück, ehe Ihr die heisse Zone meiner Kapelle betretet, damit das hochgestiegene Barometer der Liebe, das Euch gute Tage verspricht, nicht zum Gefrierpunkte herabsinke – Wie soll sich ein so leidenschaftlicher Junge, als ich hoffe, dass meine Prinzen, Enkel und Urenkel sein werden, benehmen, wenn ihr Liebchen zitternd und bebend vor ihnen steht, und sich jedem Lichtstrahl zu entziehen sucht, der ihr auf die Brust fällt. – über solche Grimassen können Momente verloren gehen, die für meine Nachkommenschaft von den wichtigsten Folgen sind.
Ob ich gleich diese Stelle seines Hirtenbriefs zweimal überlas, konnte ich mich doch nicht über ihren wahren Sinn recht verständigen. Desto mehr freute ich mich auf den Kommentar, den mir eine unverwerfliche Augenzeugin darüber geben würde.
Dergleichen spitzfindige Grillen, als diese ist, gingen den turniersüchtigen edlen Herren gewöhnlich durch den Kopf, ohne etwas Übels dabei zu denken, sobald sie sich einfallen liessen, in das Gebiet der Weiblichkeit einzubrechen, wo sie weder Weg noch Steg kannten. Nur ein Spiessgeselle der grauen Ritterzeit, der seine Freiwerberei als eine Weglagerung – das Ehebett für einen Tummelplatz, und seine Auserwählte nur in dem Lichte einer gekaperten Christin betrachtete, die ein Sklavenhändler zu Tunis und Tripolis auf offenem Markte feil bietet – nur so ein grob zugehauener Klotz, auf den unsere Stammbäume errichtet sind, konnte jenes verschämte Frösteln einer zarten Haut anstössig finden, das uns feiner gestimmten Jünglingen, wenn wir es nur öfter zu sehen bekämen, als das Wetterleuchten einer sittsamen natur erscheinen, und der moralischen Sinnlichkeit die lieblichste Augenweide gewähren würde. Ich sass vertieft in diesen Gedanken, als ich Amandchens Sänfte vor der Haustüre niedersetzen hörte, ihr sogleich entgegen eilte und sie in ihr heimliches Stübchen führte. Hier warf sie sich teatralisch auf einen Lehnstuhl. Sie sehen, mein Herr, erhob sie ihr sonorisches Stimmchen, und zeigte zugleich auf ihr klopfendes Herz und ihr flatterndes Halstuch, in welchem Zustande ich mich befinde; aber die vergangene Stunde hat mich auch mehr angegriffen, als irgend eine, die ich noch erlebt habe. Ich kenne doch auch ein wenig die Höfe, aber der abgeschmackteste steht gegen den hiesigen in Schatten. Hier regiert kein Fürst, sondern altes Herkommen, denn diess ist immer das erste und letzte Wort, womit sie ihre einfältigen Gebräuche entschuldigen.
Es war zum Erbarmen, wie das bis zum Umfallen erschöpfte Kind aus dem Fackeldampf heraus in das Putzzimmer trat, wohin ich ihr nachschlüpfte. Dort empfing sie ein halbes Dutzend Dirnen von den niedrigsten Gesichtern, an ihrer Spitze eine ganz zu ihnen passende Matrone, die das grosse Wort führte.
Ich erboste mich von weiten über die zwölf hände, die auf das ungeschickteste die junge Dame ihres schweren Brautstaates entledigten. Denn mir – schnippte Amandchen die Finger – liessen die Närrinnen nur die Ehre des Zusehens.
So weit entkleidet, dass sie Atem schöpfen konnte, führte man sie – und das war noch das klügste, wenn es lange gedauert hätte, in ein hinter einem Vorhang bereitetes aromatisches Bad, worin man ihr jedoch – damit ja dem Prinzen die Zeit nicht zu lang werden sollte, höchstens acht Minuten vergönnte, mit sich selbst zu vertändeln. Denn als diese verstrichen waren, hob die alte Sybille die Gardine und trat – denken Sie – mit dem Spiongesicht eines Visitators vor das liebe schüchterne Kind, das dem Bade entstiegen, wie die Venus in meinem Bilderbuche da stand, und mit vorgestreckten Händchen sich in sich selbst zu verstecken suchte.
Nur ein Wort – unterbrach ich die Schwätzerin – hatte die Frau nicht eine Brille auf der Nase? Ja wohl, antwortete sie, und noch dazu eine der unverschämtesten, die je unter Luchsaugen gesessen hat.
Holla! dachte ich, da haben wir ja die Wahrsagerin aus den Spinneweben in ihrer ganzen Glorie. Amandchen, rief ich, nun bin ich so gut wie zu haus