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kleinen Verräterin unbedachtsam in die Rede, und liess, um ihr zu zeigen, dass ich wohl auch Geheimnisse zu verschwatzen hätte, ein paar unverfängliche Worte von jener rätselhaften Kapelle fallen; hätte aber bald darüber meinen ganzen Kram verdorben: denn wie ich sie auf die Mysterien dieses Heiligtums fast so neugierig gemacht hatte, als ich es selbst war, – nur unglücklicher Weise hinzusetzte, ob die junge Prinzessin nicht billigen Anstand nehmen würde, ihre dort verrichtete Andacht den Ohren auch ihrer innigsten Jugendfreundin Preis zu geben; so brachte mein geäusserter Zweifel ihren kleinen Gesandtenstolz in sichtbare Bewegung. – Nun das wird sich zeigen, antwortete sie mir ziemlichschnippisch. Ich kann nur ausrichten, was mir die Tochter an die Mutter aufgeben wird, und wäre die Sache ja des Verschweigens wert, so sollte ich denken, werden die einzigen drei Personen, die davon Kunde haben, es auch wohl zu beobachten wissenDas aber war eben der Stein des Anstosses, den ich beseitigen musste; denn, wollte ich nicht auf halbem Wege stehen bleiben, so musste auch meine vierte person mit ihren beiden Ohren ihren Anteil davon bekommen. Einer Schwätzerin gegenüber hat ein Aufpasser immer gut Spiel; denn unerachtet mir ihre schmollende Miene sehr deutlich zu sagen schiendu glaubst mich zu überlisten, guter Freund, da musst du aber leiser auftreten, wenn du das Vögelchen nicht verscheuchen willst, das du in deinem Sprenkel zu fangen denkstso liess ich mich dadurch doch nicht irre machen. Ich stimmte nur meine Lockpfeife anders, bald so, bald so, bis ich den Ton traf, den es am liebsten hörte. Ein Wort für tausend! Mein zu jener Zeit eigenes Glück mit dem verschmitzten Geschlechte, brachte es endlich dahin, dass mir die liebenswürdigste aller möglichen Gesandtinnen, mit zitternden Lippen, bebender Brust, das Versprechen zustammelte: – von nun an nichts in der Welt mehr vor mir geheim zuhalten, es möchte auch daraus entstehen, was Gott wollte.

Diesen glücklichen Ausgang, wähnte mein stolzes Herz, wird die schöne Fremde bei aller ihrer Klugheit schwerlich geahndet haben – O ich eingebildeter Tor, der ich immer gewesen bin! – Sie hatte ihn, glaube ich, schon bei unserer Kaltschale vorausgesehen, schon, wie eine geübte Näterin, beim Einfädeln des Zwirns auf das letzte Knötchen gedacht. So traulich, als man nur in einer kammer ohne Ausgang sein kann, schlang sie im Auf- und Abgehen ihren weissen Arm um den meinigen. – Jetzt, mein zudringlicher Herr, fasste sie sich kurz, noch ein ernstaftes Wort. Ihrer unmässigen Neugier zu gefallen darf ich weder mein Berufsgeschäft aus den Augen, noch mit Verplaudern die Zeit verlieren, denn mit fürstlicher Ungeduld ist nicht zu spassen. Nun habe ich aber so für mich im Stillen vorausgesetzt, dass Sie mich, wenn ich hier abgehe, wenigstens die Hälfte Weges gernnicht wahr, Sie tun es gern? – begleiten, das hebt denn alle Schwierigkeit. Während ich mich in meinen Reiserock werfe, bestellen Sie das Anspannensetzen Sich neben mir in meinen Wagen und lassen den Ihrigen so lange leer nachfahren, bis Sie Sich an den Lamenten meines Beichtkinds satt gehört haben. – Was sagen Sie zu meinem Plan? – "Was ich dazu sageliebes vorsichtiges Mädchenich bewundere ihn und mache ihn in allen seinen Punkten und Klauseln zu dem meinigen. Kein Alberoni, kein Choisel, kein Kaunitz hätte ihn in vorliegenden Umständen angemessener entwerfen können. Wahrlich Sie sind zu einem Gesandtschaftsposten geboren." Sie erwiderte meine Schmeichelei mit einem herzlichen Händedruck, und wir bestärkten nochehe sie die Tür hinter mir verriegelte, unsere gegenseitige Zusage so gut als durch einen körperlichen Eid. Ich warf mich so beruhigt, so mit mir zufrieden, auf meine Matratze, wie ein Spion, der sich mit heiler Haut durch die feindlichen Vorposten geschlichen hat. Den Morgen nach dieser nächtlichen Verschwörung tranken ich und Amandchen noch unsern Kaffee zusammendann dachte jedes an nichts weiter, als durch seinen Anputz der Einladungich an die fürstliche Tafelsie an den KammertischEhre zu machen. Die Scheidelinie, die uns den Tag über trennte, reichte doch nichtdas war unser Trostbis zu unserer Nachbarschaft im Gastofe.

Mein Wunsch, die ersten Akteurs des heutigen Duodramas kennen zu lernen, gelang vollkommen. Ich kam dem Erbprinzen an seiner Tafel gegenüber zu sitzen, freute mich der schönen ritterlichen Gestalt und wünschte der Braut in Gedanken Glück zu einem solchen Wegweiser nach der dunkeln Kapelle.

Die Ähnlichkeit mit seinem Herrn Vaterder sich aber nach einer kurzen Erscheinung, des Herkommens oder des Podagras wegen, dem Feste seines Sohnes entzogberuhigte mich über den verlornen Schlüssel seiner Frau Mutter höchstseligen Andenkens. – Wir tafelten in grosser EilDer Nachtisch war noch nicht in Ordnung gesetzt, als ein Signal-Schuss, der die Annäherung der fürstlichen Braut verkündigte, uns alle von dem Konfekt hinweg an die Fenster jagte. Nach Verlauf einer ungeduldigen Viertelstunde kam sieund ich faltete wehmütig die händedem roten Turme und seinem Zwinger vorbei, in den Schlosshof gerollt, und alle unsere Herzen flogen ihr entgegen, als der glückliche Eroberer des ihrigen unter dem Lauffeuer der Kanonen und dem Geläute der Glocken, diess betäubte Kind der natur aus dem Wagen hob. So schön blass als ich mir einen sterbenden Engel vorstellen würde, wenn ein solcher sich denken liess, reichte sie in ihrem Hochzeitsstaate ihrem nicht weniger geschmückten Bräutigam zitternd die