müsse. Schon diese Verhältnisse, fuhr sie fort, können es erklären, warum die Fürstin Frau Mutter, dem Wunsche ihrer geliebten Tochter gemäss – damit sie doch eine alte Bekannte in der Stadt fände, mit der sie ein Wort allein schwatzen könnte – mich heute schon und um so viel lieber hieher schickte, weil ihr selbst zu viel daran liegt, bald zu erfahren, wie ihrem furchtsamen kind die erste Nacht ausser dem älterlichen haus vergangen sei. Das werde ich nun freilich umständlich genug in der Audienz hören, die sie mir den Morgen nach ihrem Beilager erteilen will; denn das gute Kind kann nun einmal nicht das Geringste vor mir auf dem Herzen behalten. –
Ach, Gott gebe nur, seufzte ich heimlich, dass kein ungünstiger Ausspruch der Turmwächterin der Braut den Eingang in das Allerheiligste versperre, und deine ganze schöne Gesandtschaft, mein gutes Amandchen, zu- wasser mache. –
"Ob ich nun zwar, fuhr sie mit vielem Anstande fort, gar wohl einsehe, dass die pünktliche Ausführung eines so kitzlichen Geschäfts, bei welchem sich wohl selbst die gelehrtesten Männer ungeschickt benehmen würden, nur einer person möglich ist, die das gute Kind von seinen Windeln an gepflegt, und sein Zutrauen in so hohem Grade erworben hat, als meine Wenigkeit; so gestehe ich Ihnen doch, dass ich der Ehre dieses geheimen Auftrags gern überhoben gewesen wäre. Schicklicher würde es ohnehin sein, die Tochter entwickelte der Mutter die beklommenen Gefühle ihrer Seele in einem Handbriefchen, aber beide wissen wir es nur zu gut, wie viel sie mit der Feder vermag – und nun vollends, mein Gott! nach einer so ungewohnten Veränderung! Leider muss ich sonach der armen Kleinen zum Sprachrohr dienen – das ihre Ohrenbeichte aufnehmen und weiter bringen soll; es mag mir auch noch so himmelangst davor sein."
Diese kleinmütigen Aeusserungen einer Herzensfreundin und langjährigen Kammerjungfer der jungen Verlobten, versprachen mir schon nicht viel tröstliches über die heiligen Urkunden zu hören, auf die es hier ankam; aber meine Besorgniss stieg noch um vieles höher, je seltener sich das naive Amandchen des allegorischen Schleiers bediente, den der alte Hofmann darüber geworfen hatte.
Doch um sie nicht stutzig zu machen, hütete ich mich weislich, sie vor der Hand von meinem Selbstgespräch mehr merken zu lassen, als mir in Rücksicht des Plans dienlich schien, der sich nun unter meinem Scheitel zu bilden anfing. – Ich rief dafür den Aufwärter, uns ein paar Gläser Punsch zu bringen; diese taten auch redlich das ihrige. –
Mit einer nachdenkenden Miene, die ihrem Gesichtchen recht artig liess – und während sie von dem warmen Getränk, nippte, hob sie ihre blauen Augen in die Höhe und schüttelte das Köpfchen. Nein – schien es ihr nicht länger möglich zu sein, ihren inneren Aerger zu unterdrücken – nein, es ist unverantwortlich, wie die beiden Höfe die vierzehnjährige Dame behandeln. Nicht eher als gestern, mein Herr, beim Frühstück, von dem ich nicht glaubte, dass es das letzte von mir aufgetragene sein würde, wurden ihr die Ansprüche des Prinzen auf ihr Persönchen bekannt gemacht, und der Ehekontrakt vorgelegt, um ihren Namen darunter zu kritzeln. Ich dachte der Schlag würde mich rühren, als ich ihr die Feder eintunken musste. Schon vier Wochen lag er hinter ihrem und meinem rücken ausgefertiget in dem Kabinette des Fürsten, als ob unser eins nicht besser beurteilen könnte, als älteren und Minister, was – hier fiel es ihr ein, noch einmal an den Knöcheln des Feldhuhns zu knaupeln, das sie schon weggelegt hatte, und vergass darüber den Nachsatz, auf den ich doch so begierig war.
Die kindischen Tränen – knüpfte sie nach einem Weilchen den Faden ihrer Erzählung wieder an – welche die arme Unbefangene vergoss, fruchteten eben so wenig, als unsere triftigsten Vorstellungen. Ihre gewiss erfahrne Oberhofmeisterin sagte es der Fürstin ins Gesicht, dass der Uebersprung ihrer Tochter aus der Schulstube in die Lehrstunden des Brautbetts ein wahrer salto mortale sei. Possen, antwortete ihr Durchlaucht – jener Hof, der um unser Jettchen geworben hat, ist nach einem alten Hausgesetz verbunden, keine zu wählen, die älter ist. Uns bleibt nichts übrig, als der Grille nachzugeben. Der Fehler ihrer Jugend wird nach Jahr und Tag nicht mehr sichtbar sein – und was müssten verständige Leute von der Einsicht eines Fürsten denken, der solcher Lappalien wegen eine so vorteilhafte Verbindung ausschlüge. – Die Länder beider Herren stossen an einander, und ich wette, in zweimal vier und zwanzig Stunden gibt es keine Gränzstreitigkeiten – keine Pyräneen mehr. –
An dem Leitband einer solchen Politik wird nun morgen das unschuldige Kind einem mann in die hände gespielt, – das ist noch die Frage, dachte ich – den es weder gesehen, noch von dessen Vorhaben mit ihr sie auch nicht den geringsten Begriff hat. Ich bitte Sie um Gottes Willen, mein Herr, was soll aus so einer Heirat kluges herauskommen. Mit dem Prinzen ist es freilich etwas anders – der hat ihre grossen Augen, ihren sittsamen Anstand und ihren herrlichen Wuchs schon lieb gewonnen, als er, wie es nun verlautet, incognito in einem grauen Ueberrocke, ihrer öffentlichen Konfirmation beiwohnte. Sie war auch damals zum Verlieben – Ich hatte sie auf das schönste herausgeputzt, ein wenig geschminkt, und sie fiel der ganzen Gemeine in die Augen – ich aber wusste am besten, was dahinter steckte – dafür kann aber auch niemand neugieriger auf übermorgen sein, als ich – Ausser mir – fiel ich der