, Weissagungen selbst hinter den Bildern zu suchen, die ich ohne Vorhang ausgestellt habe; so geschähe mir doch offenbare Gewalt, wenn auch die Nachwelt sich einfallen liesse, mit mir umzugehen, wie die Vorwelt mit dem ehrlichen Salomo, und mich für einen Propheten erklärte. Du kannst es am besten den künftigen Jahrhunderten bezeugen, dass, so oft ich mich in das Paradies der Dichtkunst verstieg, ich nie anders als auf einem natürlichen Wege dahin gelangte, und doch vielleicht mehr Ursache habe als der inspirirteste Dichter, mit meiner poetischen Laufbahn und mit den Gunstbezeugungen zufrieden zu sein, die mir die Musen erwiesen. – "Wie so?" fragst Du verwundert, und lachst mir spöttisch in's Gesicht: "Ich habe doch nicht gehört, dass deine Dudelei eben so gar viel Lärm und Aufsehn in der Welt gemacht habe." – Ich auch nicht, guter Freund: aber das ist von jeher auch meine geringste sorge gewesen; und ich würde selbst den Horaz von Herzen bedauern, wenn er für seine harmonischen Gesänge keine wichtigere Belohnung eingeerntet hätte, als monstrari digitis et dicier hic est. Nimm also nur Deinen Spott wieder zurück; denn, klängen auch die Ausdrücke, die mir vorhin entfielen, für einen – sage es nur heraus – für einen Z w e r g des Apollo etwas zu vornehm, so sind die Riesen, die seinen Tron umgeben, doch gewiss zu grossmütig, um dem kleinen Spieler, den sie so lange unter sich geduldet haben, die Airs aufzumutzen, die er ihnen nachmacht. Aber diess bei Seite gesetzt; auch ohne gross zu tun, kann ich wohl behaupten, und Dir es durch Vorlegung meiner Ab- und Zurechnungen mit den Musen beweisen, dass, ungeachtet der kleinen Abzüge, die ich mir gern gefallen lasse, meiner neidlosen Genügsamkeit immer noch ein hübscher Gewinn übrig bleibt. Hast Du Zeit – wie leider! ich eben jetzt, denn ich höre und sehe noch nichts von meinen Postpferden – so wollen wir die Rechnung mit einander durchgehen. Diese Beschäftigung, die man sonst gern so lange zu verschieben pflegt als möglich, wie wohltätig wird sie mir nicht in diesem Augenblicke! Es ist schon weit lichter um meinen Schreibtisch. – Alle Grillen sind abgetreten – alle Missgestalten entfernen sich – denn sie sehen dass ich Linien ziehe und nicht gestört sein will. Deine Monita? O die beunruhigen mich auch nicht – die liegen allenfalls noch in der Ferne – und wo sollen sie überhaupt herkommen, wenn Du, wie ich hoffe, meine Angaben so richtig findest als meine Belege?
Noch übergab kein Vehmgericht
Mich abgelebten Harfenisten
Den Häschern, und verwies mich nicht
In Nicolai's Todtenlisten.24
Das liess mich hoffen, mit der Zeit
Mir einen Freipass zu erlaufen,
Um sichrer der Unsterblichkeit
Mit meiner Klingel nachzulaufen.
Allein, je besser ich den Rauch
Vom Wesen unterscheiden lernte,
Um desto mehr die Hoffnung auch
Sich in den Hintergrund entfernte.
Es ist mit eines Dichters Ruhm
Gar eine wunderliche Sache:
Misstrauen ist sein Eigentum,
Und Missvergnügen seine Wache.
Im Schweisse seines Angesichts,
Im Taumel eines leeren Schalles,
Verdient er wenig oder nichts,
Erhält nicht viel – und fordert Alles.
Jetzt sehe' ich nur zu gut, wie viel
Akkorde meiner Leier fehlen,
Um mich, wie Orpheus, durch ihr Spiel
In das Elysium zu stehlen.
Hat nicht einmal mir ein Koncert,
Das kunstreich Philomelens Noten
In Takt setzt, in Oktaven sperrt,
Mir eine Fiedel angeboten.
Wär' ich solch einer Ehre wert,
Gewiss ich stände längst in Pflichten
Um meine Sünden selbst zu richten,
Und die Hausirer jagten sich
Von Markt zu Markt mit meiner Büste,
Und – – – doch ich schwöre Dir, dass ich
Nach solchem Nimbus kaum gelüste.
Dank der natur! mein Dichterkampf
Ist wie ein Fieberfrost verschwunden;
Längst wärm' ich mich im Opferdampf
An dem Altare der Gesunden.
Jetzt brauch' ich keinem Oberon
Wie sonst von weitem nachzukeichen;
Wir gehen gleich – weiss ich doch schon
Zu rechter Zeit ihm auszuweichen.
"Du wolltest," raun' ich ins Geheim
In's Ohr mir, "mit den Musen schmollen,
Weil sie Gedanken zu dem Reim
Dir nicht wie ihrem Wieland zollen?
Sein gang, das schlauste Menschenherz
In seiner Tiefe fest zu greifen,
Stört dich ja nicht, mit leichtem Scherz
An seinen Flächen hin zu streifen;
Und bist Du nicht mit Klopstocks Flug
Den Geistern in's Gebiet gedrungen,
So hast du dich doch oft genug
Zu Menschenfreuden warm gesungen.
Dass ihn kein Lorberkranz umschliesset,
Wenn an dem Busen, der ihn wärmt,
Er der Vergessenheit geniesset?
Und wer hat Zeit, wenn ihm sein Kohl
Die Zunge reizt, zu überlegen,
Ob süssere Gemüse wohl
In Otaheite reifen mögen?"
Gewiss ich müsste sonderbar
Mein eigenes Richteramt verwalten,
Um diese Gründe nicht als wahr
Der Eigenliebe vorzuhalten.
Was zog mich, als das Zauberband
Des Selbstgenusses, zu den Musen?
Ich fand mein Dasein – ach ich fand
Nur Ruh' allein an ihrem Busen.
Wenn höfische Gespenster mich
Mit Gott und Welt verfeindet hatten,
Entschlüpft' ich ihrem Kreis, und schlich
Ein Stündchen in des Pindus Schatten.
Hier sang ich meines Lebens Traum,
Erpfiff mir neuen Mut zu leben,
Und segnete den Wunderbaum,
Der mir sein Blatt dazu gegeben.
Hier an den Liebreiz der natur
Mit allen Sinnen angeklammert,
Hat meine Ziter nie der Flur
Doch hat mir auch mein