1791_Thmmel_094_117.txt

bei der Glorie der heiligen Cäcilia, das Mahlzeichen wieder in seinen vorigen Stand herzustellen, das unter Ihren Händen verlosch. Hier ist die geweihte Farbe, die auf dem Altare dieser grossen Erfinderin der Orgeldieser Patronin aller Sängerinnen und Sänger, gemischt, und der einzige Reichtum meiner Toilette ist."– Mit diesen Worten reichte sie mir aus dem einen Schubfach einen Pinsel, aus dem andern eine krystallene Schale, die diese kostbare Schwärze entielt. Es lagen in dieser ihrer Zumutung wieder so viel neue Begriffe für mich, dass ich nicht gleich wusste wo ich damit hin sollte. – "Also nur Ihrer sonorischen stimme wegen, Klärchen?" fragte ich lakonisch, und schüttelte den Kopf. – "Und weswegen könnte es denn sonst sein?" fragte sie dagegen; und wir blickten einander wieder mit der Verwunderung an, in die uns schon so oft unsre Missverständnisse gebracht hatten. Das Mädchen, Eduard, wird mir ein Rätsel bleiben bis zu dem letzten Augenblicke.

So wenig ich auch von Zeichnung und Malerei verstehe, so hatte ich doch nicht das Herz ihre Forderung von der Hand zu weisen. Ich folgte ihr also, und diessmal ganz demütig, bis an den Sopha nachknieete mit der nichts sagenden Miene eines elenden Malers, den ein Narr mietete eine Venus von Correggio auszubessern, vor die beschädigte Sängerinsah zum letztenmal im Vorbeigehn den teuern Kniegürtel, der mich in so viele Verlegenheit schon gebracht hatte, und der Vorwurf, den ich mir machte, seine weitläuftigen Indulgenzen so ärmlich benutzt zu haben, lief mir eiskalt über den Leib. Ich nahm mich jedoch auf das beste zusammenzog meine Striche die Länge und die Quere auf dieselbe Stelle, wo ich die Spur der ersten halb verlöschten antraf, und ehe ich mich umsah, stand mein Gemälde im möglichsten Glanze da. Wenn Du aber denkst, dass es ein Kreuz war, Eduard, so irrest Du Dich. Die Grundsätze meiner Moral und Religion werden mir nie erlauben, für den Aberglauben einen Pinselstrich zu tun, es müsste denn sein, um ihn zu verspotten; und dazu hatte ich hier freilich alle mögliche Aufmunterung. Was soll das Symbol des heiligen Kreuzes, ich bitte Dich, an dem Scheidewege einer Sängerin? Ich wollte nur, dachte ich, dass der Propst da wäre, um ihm das Lächerliche und Unschickliche davon begreiflich zu machen. Doch bin ich denn nicht sicher genug dass er herkommt? Gut! so will ich ihm denn einen Beweis ziehen, der ihm so stark in die Augen leuchten soll, dass sie ihm übergehen. Die gelegenheit war wirklich zu schön! Denn so gewöhnlich es auch ist, seinen Gegner an einen dritten Ort zu bestellen, so konnte doch zu der stillen Rache, die ich an dem meinigen zu nehmen gedachte, wohl schwerlich einer besser gelegen sein, als die einsame Gegend seines täglichen Besuchs, die seine vertrauteste Freundin durch einen Zusammenfluss glücklicher und unglücklicher Zufälle mir selbst zu verraten genötiget wurde. – Und so malte ich denn dem guten Mädchen, ohne dass sie auch diessmal so wenig erfuhr, was auf ihrer Grundfläche vorging, als sie die feine Verbindung meiner guten Absichten mit meiner schlechten Arbeit argwöhnen konnte – E t w a s – das sich ungleich besser für ihre Umstände schickte; malte ihr statt des heiligen Kreuzes, das sie erwartete, mit allem Ausdrucke der Wahrheit, ein Bild, das auf einen flüchtigen blick jener Figur nicht ganz unähnlich warkurz, ich malte ihr nichts mehr und nichts weniger alswas denkst Du wohl Eduard? als einenStimmhammer.

Wir waren beide, obgleich aus verschiedenen Gründen, mit dem guten Fortgange der Wiederherstellung so zufrieden, dass wir noch, während das Gemälde abtrocknete, die freundlichsten Blicke mit einander wechselten. Stelle Dir aber mein Erstaunenstelle Dir ... nein Du kannst es nichtmein Erschrecken und ihre Verzweifelung vor, als ihr Aufstehen vom Sopha ihr nur zu fühlbar entdeckte, dass ich während meiner Arbeitwo muss ich die Augen gehabt haben? – den ganzen Rest der geweihten Farbe, der wenigstens noch zu hundert Kreuzen hinlänglich gewesen wäre, verschüttetdas feinste Linnen, das man sich denken kann, verdorben, und selbst den Kniegürtel der unbefleckten Jungfrau ein wenig befleckt hatte. Alle die entsetzlichen Folgen meiner Ungeschicklichkeit, ob ich sie gleich nicht so geschwind übersehen und so genau berechnen konnte als Klärchen, traten mir doch lebhaft genug unter die Augen, um mich aus meiner Fassung zu bringen. Ich hatte kaum das Herz nach dem armen kind in die Höhe zu blicken, das, durch diesen Unfall ganz niedergedrückt, seinen vorigen Heroismus unwiederbringlich verlor. Sie schlug die hände über den Kopf zusammen, lehnte sich hinfällig an die Wand, vergoss in der Geschwindigkeit mehr Tränen, als letztin von der heiligen Magdalena versteigert wurden, und stürzte sich endlich, wie ohnmächtig, auf den Sopha zurück. – "liebes, bestes Klärchen," rief ich in der äussersten Bestürzung, "um aller Götter willen beruhigen Sie Sich! Sagen Sie mir, in welchem Kloster diese Schwärze der heiligen Cäcilia zu kaufen ist; ich will hinlaufensie holen, und Ihnen den Verlust Ihrer Toilette, wenn er auch noch so beträchtlich wäre, mit tausend Freuden ersetzen. Vor allen Dingen aber bitte ich Sieund ich will Ihnen gern dabei hülfliche Hand leistenkleiden Sie Sich um." – Jetzt erwachte sie, und drehte ihre mächtigen Augen, mit dem