, und gebe mir keine Schuld, wenn sie in den Tropfen der schwachen Hortensia20 hülfe suchen, und ein geschwindes Kopfweh vorschützen muss, um bald auf ihr Ruhehette, ihrem nachdenkenden und nachfragenden Liebhaber aus den Augen zu kommen. Ja, wenn es nach Zeit und Umständen noch gefährlicher abliefe, ich bin ausser Schuld, und verwahre mich hierdurch auf das feierlichste gegen alle Vorwürfe ihrer Frau Mutter, und gegen die Verweise ihrer eigenen reuigen Tränen, so wie ich dagegen von Herzen gern auf den Dank des Entzückens Verzicht leiste, den mir, eine Stunde nach der verbotenen Lektüre, ihr Hausfreund möchte schuldig zu sein glauben.
Ich hoffe nun, durch die Gegenwart der Unschuldigen, denen ich mich eben empfahl, nicht weiter gestört, den Nest meines merkwürdigen Traums mit Dir allein abzutun, lieber Eduard; indess wünschte ich doch, dass Du mir noch über die Zeit, die ich mir schon selbst nahm, und mit jenen neugierigen Kindern verplauderte, aus eigener Gutmütigkeit einen kurzen Aufschub vergönntest, ehe ich meinen Pinsel wieder aufnehme. Die Büste des Engels, den ich male, hat mich sehr angegriffen; meine Hand zittert noch, und ich brauche Erholung. Ach! wäre es so leicht, die natur in ihrer Entüllung zu zeichnen, würden wohl die Titiane so rar sein? Da ich nun ohnehin, bei aller meiner Pünktlichkeit, eines Hauptschmuckes meiner heutigen Toilette zu erwähnen vergass, der in manchem Betracht eine besondere Beschreibung verdient, so kann ich ja das erbetene Viertelstündchen nicht schicklicher gewinnen, als wenn ich sie hier einschiebe. Es ist ein optisches Kunststück in einem Ringe, den mir vor vielen Jahren eine junge Putzhändlerin auf der Frankfurter Herbstmesse verkaufte. Es macht mir noch eine kindische Freude, wenn ich an diesen drolligen Handel gedenke – noch drolliger beinahe als mein jetziger mit Klärchen. Als ich in ihre schimmernde Bude trat, war, nach ihr, ein Kästchen mit Ringen das vorzüglichste, was mir in die Augen fiel, nicht etwa der kostbaren Steine, sondern der hübschen Mignaturen wegen, die jene ersetzten, und die mir damals über alles gingen. Zwei davon zogen mich durch die grosse Ähnlichkeit mit der jungen Verkäuferin am meisten an. Dieselbe unschuldige, gefällige Miene – dieselben feurigen braunen Augen – dieselbe reine weisse Haut – dasselbe Rot des küssenswerten Mundes – alles war auf das Sprechendste in diesen kleinen Porträten ausgedrückt. – "Man hat es mir schon mehrmal gesagt," antwortete sie, als ich ihr meine Entdeckung mitteilte: "Es ist ein Zufall, der vielleicht nur ihren Verkauf hindert." – Diese ungezwungene Aeusserung der Bescheidenheit eines so artigen Geschöpfes verdiente doch wohl ein Kompliment, lieber Eduard? Ich wusste ihr kein grösseres zu machen, als dass ich, zum Beweise wie ungerecht ihre Furcht sei, ihr einen dieser Ringe abkaufte. – "Was kostet das Stück?" fragte ich lächelnd. – "Dieser hier," antwortete das Mädchen, "zwei Louisd'or, und der andere achte." – "Und warum das?" fragte ich weiter: "Ich sehe doch keinen Unterschied zwischen diesen beiden Bildern; das eine sieht Ihnen so ähnlich, als das andere – sie sind mit gleichem Fleisse gemalt, und so viel ich beurteilen kann, sind auch die Reife von einerlei Weite, Grösse und Gehalt." – "Von allem dem," versetzte das junge Ding, "kann ich Ihnen keine Rechenschaft ablegen. Ich vertrete hier nur die Stelle meiner Mutter, die anderwärts zu tun hat, und kann Ihnen nur die Preise angeben, die sie bestimmte, ohne dass ich für mein teil etwas mehr vorschlage." Das machte mich nur noch stutziger. Anstatt den wohlfeilen Ring zu kaufen, besah ich den teuern mit äusserster Neugierde; und es währte nicht lange, so entdeckte ich an ihm einen Punkt, gross wie ein Nadelstich, der an dem andern nicht war. Ich vermutete eine verborgene Feder, und betrog mich nicht. – "Ah! liebes Kind," rief ich ungeduldig, "Sie haben da eine goldene Nadel vorstecken; darf ich wohl auf einen Augenblick darum bitten?" – Das gute Mädchen zog sie so unbefangen heraus, als ich darum bat – das Halstuch flatterte auf beiden Seiten und das Brustbild ward ihr noch ähnlicher; aber kaum stach ich in den Ring, so sprang der Kristall auf, ihre sittsame Büste verschwand, und es erschreckte mich ein so schönes Kniestück von ihr, dass ich über und über rot ward. – "O, jetzt begreife ich," sagte ich mit funkelnden Augen, "warum dieser Ring noch dreimal so viel wert ist als der andere. So c o n a m o r e 21 gemalt, habe ich keine Mignatur noch gesehen. Ihre Frau Mutter muss den Handel vortrefflich verstehen; denn der Ring ist des Geldes unter Brüdern wert." – "O gewiss, mein Herr," sagte sie gleichgültig, "überteuern wir niemanden." – "Für einen grossen Taler," fuhr ich fort, "überlassen Sie mir auch wohl Ihre goldene Nadel, die zum Schlüssel des Rings wie gefunden ist?" – "Von Herzen gern," antwortete das gutmütige geschöpf, und das Halstuch flatterte nun so lange vor meinen Augen fort, bis ich das Gold sortirt und aufgezählt, sie es dmchgewogen und eingestrichen, und ich des schönen Anblicks vor der Hand genug hatte.
Ich war damals ein blutjunger Mensch, Eduard, der das Geld