1791_Thmmel_094_110.txt

so anziehend sie auch mir sein mögen, da ich das Ende weiss, sollen Dir nicht länger die geschichte selbst vorentalten, zu deren genauer Darstellung mich mein Versprechen verbindet.

Ich trat, Du weisst in welcher Bewegung der Seele, aus meiner Klausewar mit zwei Schritten an dem Vorsaale, mit zwei andern vor Klärchens kammerlöschte hier das einedort das andere Kreuz aus, das der zauberische Propst mit seiner geweihten Kreide über die Türen gemalt hatte, und in der behaglichen Zuversicht, nun auch über die kleinsten Hindernisse hinweg zu seintrat ich mutig dem Engel unter die Augen. Ich las auf ihren Rosenwangcn mein nahes Glück, und hörte zugleich die erste Losung dazu aus ihrem lieblichen mund. "Ich hoffe," sagte sie, doch sagte sie es mit einer hoffnungslosen stimme, "Sie, mein Herr, heute mit grossmütigern Entschliessungen bei mir zu sehen, als da Sie mir das heilige Band anvertrauten. Es hat Wunder an mir getan, die es mir schwerdie es mir unmöglich machen, mich wieder von ihm zu trennen. Möchte doch dieses offenherzige geständnis Sie bewegen, mein lieber Herr, von dem hohen Preise nachzulassen, den Sie darauf gesetzt haben!" – "Nicht ich, Klärchen," fiel ich ihr in die Rede, "der heilige Vater hat den Preis gemacht, von dem ich Unwürdiger nicht um einen Buchstaben abgehen werde. Hier lege ich die Urkunde seiner Macht und Gnade dem Sopha gegen über: und wenn selige Geister auf Handlungen schwacher Menschen, wie sie einst auch waren, achten; so wird der verklärte Papst mit Wohlgefallen meinen Eifer erblicken, das lieblichste Mädchen seines vormaligen Gebiets aller der Indulgenzen würdig zu machen, die er, an einem seiner fröhlichsten Abende, diesem heiligen Gürtel hier vermacht hat. Die Türen, liebes Klärchen, sind verriegeltIhre Tantezittern Sie nicht! bittet für Sie. Die Interdikte des Propstes sind durch höhere Macht aufgehoben, und alle seine Kreuze verlöscht .... Doch wie? was sagt mir diese bedeutende Errötung? Wie, Klärchen?" fuhr ich heimlicher fort, indem ich ihre bebende Hand an mein Herz drückte, "so wären sie nicht alle verlöscht? Ihr viel sagendes Stillschweigen, Klärchen, liebes Klärchen! zu welchem verwegenen Gedanken muss es mich nicht berechtigen? Doch es sei darum! Mag der Schwarzkünstler sein letztes Kreuz noch so versteckt habenich hoffe, es zu finden und zu tilgen." – Und indem ich sprach, sehnten sich meine lüsternen Augen nach dem Anblicke der heiligen unverhüllten naturmein Kunstgefühl stieg auf's höchste, und arbeitete, wie es alle menschlichen Kräfte tunnach Beruhigung. – "Um der elf tausendJungfrauen willen, mein Herr," rief nun das höchst erschrockene Kind, "nimmermehr! und wenn Sie Bischofund wenn Sie Papst wärenSind Sie von Sinnen, mein Herr? Was verlangen Sie?" – "Dich, Dich Klärchen," rief ich entschlossen, "nur Dich in Deiner ganzen Wahrheit und Unschuld! Glaubst Du denn, dass mich der heilige Vater gesandt hat, Dich einzukleiden? Weisst Du nicht mehr, was alles das Urteil besagt, das Du Dir selbst bei unsern Schiedsrichtern geholt hast?" – Diese Erinnerung kam zu rechter Zeit. – "Ach, wie konntest du, Pater Lessau," schluchzte sie nur noch, "wie konntest du, Pater Bauny, so etwas gut heissen?" – Und sie sträubte sich nun wie ein gehorsames Kind. In einer bänglichen Minute kam sie errötend dem schlafenden Engelin einer andern dem Ablassbriefe vorbeiund immer näher dem Sophaund nunDoch Freund, was erschöpf' ich meinen Atem in alltäglicher Prosa? Ist die Grösse und Seltenheit meiner Erfahrung in dieser feierlichen Stundeist sie nicht mehr wert? und kann es Bilder geben, die des Firnisses der Dichtkunst würdiger wären, als die Hingebung einer Heiligen in das allgemeine Schicksal der Schönheit? So denke Dir denn, lieber Eduard, die beängstigte Heilige, denke Dir Klaren, kurz vor dem Hintritte in den Freistaat der natur, dicht neben mir auf dem traulichen Sopha

Mit schnellern Schwingen schien mein Traum,

Als selbst der Gott der Zeit, zu fliegen.

Das Chor begann, die Glocken schwiegen

Und unsre Tante mochte kaum

Am Schämel ihres Götzen liegen,

Als meine Kusse schon den Raum

Des Aeters teilten, und den Saum

Von Klärchens Halstuch überstiegen.

Sie flatterten dem Silberschein

Der Brüssler Kantenwie die Mücken

Dem Lichte, zu, voll Sorgen in die fein

Gesponnenen Verräterein

Und schwirrten auf und ab, und flogen aus und ein,

Bis es dem Schwarm gelang, das letzte kalte Nein

Auf Klärchens Lippen zu ersticken.

"Du, des Entüllens wert, du, wie die Wahrheit rein,

Um eingetan wie sie zu sein.

Bespiegle dich in ihren Blicken!

Ihr eigner Nimbus hüllt sie ein;

Sie deckt die Quellen nicht, die ihr die Kraft verleihn,

Das Universum zu erquicken,

Lässt gern ihr Heiligtum mit Frühlingssprossen

schmücken,

Und Primeln sich am liebsten weihn,

Und kann dirneinsie kann dir nicht verzeihn

Mit Nadeln ihren Freund zu picken.

Hör' auf, beschwör' ich dich, bei diesen Streiferei'n

In ihr Gebiet, bei diesen kleinen Lücken,

Die ich dir abgewann, bei diesen Tändelei'n,

Die mich so königlich beglücken

Hör' auf