es oft so wenig, dass man nicht weiss, ob man mehr über ihren Selbstbetrug, oder über das kalte Geschwätz lachen soll, das sie darüber hergiessen. Das mag hingehen, wirst Du mir sagen; wie, und durch was kommt aber die unschuldige Klara dazu, dass sie dir sitzen, und die Heimlichkeiten ihrer Seele und ihres Körpers deinen Spekulationen bloss stellen soll? Durch was? guter Freund! Durch ihre eigene Religion und ihre Verteidiger – durch die Rechte des Handels – und durch den übermässig hohen Wert meiner Zahlung. Eine Heilige hier zu land wird durch eine Reliquie tausendmal reichlicher für die momentane Aufopferung ihrer ruhigen Unschuld abgefunden, als eine bei uns durch ein Rittergut, oder eine Grafschaft. Ja, ich traue Klärchen zu, wenn sie auch das – was ein unschuldiges Mädchen sonst nur Einmal in ihrem Leben verlieren kann, einige Dutzend- und mehrmal daran setzen könnte, um den heiligen Kniegürtel zu erlangen, würde sie sich kein Bedenken machen, es zu tun – viel weniger jetzt, wo sie gar nichts wagt, und das päpstliche et in integrum restituimus ihr für allen Schaden gut steht. Mit zwei Worten, Freund, ich glaube gewiss, dass, seitdem es Kontrakte gibt, keiner noch unter so annehmlichen Bedingungen von beiden Teilen geschlossen wurde als dieser.
Aber um aller Welt willen, warum stelle ich das ganze Gefolge meiner Gedanken Deiner Musterung dar? Du bist doch gewiss der Mann nicht, der mir über meinen jugendlichen Versuch nur die kleinste Chikane machen würde, und wenn er auch wirklich nicht so gut zu verteidigen wäre. Doch so geht es, wenn man sich gewöhnt hat über alles zu räsoniren. Man wird ein Schwätzer, ohne dass man es selbst weiss. Eine zu allen zeiten einfältige Rolle, die aber in meinen jetzigen Verhältnissen noch abgeschmackter heraus kommt! Denn wie leicht könnte ich darüber wohl gar den Aufbruch der alten Tante verhören, und, zur ewigen Schande, mein armes, verschämtes Klärchen in die Verlegenheit bringen, ihren Liebhaber selbst abzurufen! Doch meine brennende Ungeduld, die das hämische Weib so grausam auf die probe setzt, will durch etwas getäuscht sein; ich muss die Hitze wegschreiben, die mir sonst das Herz zermalmen würde – Gut! so will ich wenigstens, um über mein Nachdenken nicht das Objekt selbst aus dem gesicht zu verlieren, wie das nicht selten bei Prosektionen der Seele geschieht, einstweilen, und bis ich den Besitz aller meiner Anwartschaften erlebe, sie mit meiner Einbildungskraft zu fassen suchen.
Aber ach, Eduard, wie ist mir bei dieser idealischen Ansicht zu Mütel Was soll bei meinem hohen Gefühl für Schönheit, bei dem Auge, in das die natur so richtige Blicke für Ebenmass und Verhältnisse gelegt hat – was soll aus mir werden, wenn nun Klara vor mir stehen wird, wie jene freundliche Göttin, die man sich bekleidet nicht denken kann, ohne sie zu beschimpfen! Versinnlicht in Stein – ist ihr Bild nicht schon das vorzüglichste Kleinod aus dem reichen Nachlasse der Mediceer? Bentlei versicherte, dass er lieber das so artige donet gratus eram tibi des Horaz möchte gemacht haben, als König von Arragonien sein; und mit gleichem Kunstgefühl habe ich einen Kenner behaupten hören, dass er, jenes marmorne Bildniss der nackenden Venus ausgenommen, keine der übrigen Besitzungen des Hauses Österreich beneide. Da diese Herren nun über menschliches Machwerk das Maul so voll nehmen, wie soll ich mein gerechteres Entzücken an den Tag geben, wenn ich mit freudigem Erschrecken von dem Ungeheuern Abstand einer toten Kopie – auf das lebendige Urbild der natur hinstaune? wenn ich mir zu allen den Schönheiten der Form noch jene ungleich köstlicher" – wenn ich mir den Anstrich dazu denke, den ihnen die Bewegungen eines jungfräulichen Herzens geben werden – diese ächte Feuerfarbe der beängstigten Sittsamkeit, die über die Morgenröte ihrer ruhigen Unschuld zum erstenmal hervor schiessen – "dieses Sträuben gegen unerhörte Forderungen, die ein einziger blick aus die heilige Reliquie in frommes Nachgeben verwandeln wird – und ach! endlich das sanfte Kolorit der stolzen Ruhe, wenn sie nun, nach so schweren Prüfungen, zu sich sagen kann: Der Kniegürtel der unbefleckten Jungfrau ist dein! Vergönne mir eine Pause, Freund, dass sich mein Gehirn ein wenig abkühle. –
Eduard! ich bin toll und böse auf mich, da ich meine feurige Periode wieder überlese. Entusiasmus verträgt sich nie gut mit politischer Zurückhaltung. Da habe ich nun meine besten Farben zu meinem idealischen Entwürfe verschwendet, die mir, ehe ein paar Stunden vergehn, beim Ausmalen des wirklich Erblickten fehlen werden. Einfältig genug! zumal da man bei den wenigen Hülfsmitteln, die uns die Kritik bei dieser Art von Kabinetsmalereien verstattet, hohe Ursache hat, sparsam damit umzugehen! Das Widersprechende liegt doch überall, wo man nur hinsieht. In den Zeughäusern des krieges, in der schrecklichen Wissenschaft Menschen zu tödten, sind alle Kunstwörter gleich edel und brauchbar; in den kleinen Kriegen der Liebe hingegen, in der ungleich löblichem Kunst, die der Vernichtung der Welt entgegen arbeitet, welche unbegreiflich enge Schranken hat nicht der Eigensinn unserer Sprache dem Schriftsteller gesetzt! Es sollte einem bange werden, die schönsten Auftritte seines Lebens zu beschreiben, da unsere verschämten Kunstrichter jene alten kraftvollen, der natur der Sache angemessenen Ausdrücke fast alle verschreien, ohne, bei dem täglichen Bedürfnisse, uns bessere dagegen zu geben. In der Tat, Eduard, so sehr ich auch immer auf Deine Nachsicht rechne, so begreife ich doch nicht, wie ich mich nur mit