meine Blicke auf Mich – sah mich im Sonnenschein glänzen – mit Starke der Jugend und Gesundheit gerüstet, unter dem Machtspruche eines menschenfreundlichen Papstes – ach' nach einer kurzen Wallfahrt zu dem Sänger der Liebe, in die arme eines Mädchens dahin sinken, das nur für den unsterblichen Genuss der Engel gespart schien, und, ohne die Vermittlung des heiligen Kniegürtels, gewiss allen menschlichen Wünschen entschlüpft wäre. Wie schwärmte ich; Freund! Wie oft nahm ich meinen Sonnenhut ab, um das himmelblaue Band anzulächeln, und von ihm in optischen Träumereien über den Gränzort hinzuschweifen, wo die Auswechselung geschah!
Endlich hielt der Wagen. Wo bin ich? fragte ich voller Verwunderung. – "Zu Vauclüse," tönte mir mein Führer mit einer stimme ins Ohr, die so kreischend war als das Knarren einer Tür, und die mich aus das unangenehmste aus meiner Ueberspannung zurück brachte. Ich stieg aus, und die Blicke, die ich wild um mich herum schoss, prallten, wie die Strahlen der Morgensonne, von den nackten weissen Bergen zurück, die das steinige Tal, und in demselben den hohen spitzen Felsen mit der verfallenen Burg umkränzen, in welcher der Sänger der Liebe geweilt hat. Unter einem dunkeln Gewölbe am fuss dieses Kreidengebirgs liegt der berühmte Quell, der zu zeiten sich aus seiner Untiefe ergiesst, und rauschend diese Marmorlandschaft überströmt. Fürchterlich mag alsdann der Anblick seiner Ergiessung in den Schooss der toten natur werden: aber still und beweglos sah ich sie jetzt allein um mich herum herrschen, und entsetzte mich über ihr ernstes Gesicht. Mein Herz hatte gehofft, sich in diesem durch liebliche Gesänge berühmten Tale gütlich zu tun; aber alles war ihm entzogen, woran es sich hätte schmiegen können. – Nicht einmal ein Oelbaum mit seinem unfreundlichen Grün – kein Gräschen, das sich durch die Spalten des Felsen stahl – kein abgestorbenes Minchen, woran auch nur der kleinste Wurm hätte saugen oder darauf ausruhen können! Ein paar einzelne armselige Hütten in Elend schmachtender Tagelöhner, die nur zur Zeit der Flut einen gefahrvollen kleinen Verdienst erwarten, und indess von Fremden, die der wohlklingende Name des Orts – wohlklingend wenn ihn ein Dichter ausspricht – und der Gedanke an seinen ehemaligen Bewohner Hieher zieht, ein Ungewisses Almosen erbetteln. Und diesen Wohnsitz der Bekümmerniss, armer Petrarch! diesen abgestorbenen teil unserer freundlichen Welt, konntest du wählen? konntest in dieser Gefangenschaft von Bergen – in diesem Brennpunkte einer frei wirkenden Sonne gutwillig schmachten, um nur ungestört, und abgezogen von allem, was an das Leben erinnert, dem einzigen Gedanken nachzuhängen, der den ganzen Neichtum deiner Wallfahrt und deines Nachlasses ausmacht? Sit tibi terra levis! Aber deine Laufbahn hienieden gefällt mir nicht. Ich fühle in Demut, dass ich für so, hohe Verläugnungen, als die deinigen waren, zu schwach bin, und möchte nicht eine Nacht für so eine Belohnung verwachen, als du erreicht hast. Ich bewundere dich, ohne dir nachzuahmen.
"O wie belohnend muss die süsse
Empfindung sein dess, der den Talisman
Petrarchs besitzt! Was gehen ihn non Vauclüse
Die dürren Kreidefelsen an?
Ihn, der sein Feld und seine Wiese
Im Schubsack trägt, und irdisch Zugemüse
Bei Götterkost entbehren kann?
Ein schöner Geist ist w Urdig. nur von Geistern
Bedient zu sein – Ein Gnom putzt ihm die Schuh,
Ein Sylphe braut ihm Tee, und Amoretten kleistern
Die Spalten seiner Fenster zu.
Was mangelt ihm? Ein überirdisch Feuer
Erwärmt sein Stübchen – flammt auf seinem Herd;
Und menn bei himmlischem Tokaier
Ein Dichterwunsch nach süssem Abenteuer
Auch dann und wann durch seine Nerven fährt –
Auf einen laut der stets gestimmten Leier
Führt ihm schon Amor, sein Getreuer,
Das Mädchen zu, wie es sein Herz begehrt,
Blond oder braun – und lockender und neuer,
Als mir der Schelm noch keins gewahrt:
Denn was zur nächsten Morgenfeier
Er mir verheisst, liegt unter heil'gem Schleier
Dem Auge noch nicht aufgeklärt.
So hast du deinem treusten Sänger,
Monarchin, die zu Paphos tront,
So fürstlich hast du ihn belohnt!
Noch steht der Fels, auf dem er, enger
Mit dir vereint, in Phöbus Strahl gewohnt,
Als keiner der den Musen frohnt.
Hier sass der Virtuos in Himmelslust, und geigte
Der Welt und Nachwelt deine Freuden vor.
Dass selbst die Schöne, die sein Herz erkohr,
Das Knie vor deinem Zepter beugte,
Und voller Sympatie, so still und liebekrank,
Acht Erben – dem Apoll sei Dank!
Mit ihrem Ehemann erzeugte.
Diese Betrachtungen der idealischen Glückseligkeit eines Dichters jagten mir eine stiegende Hitze in's Gesicht. Ich liess mir geschwind ein Glas wasser aus der Quelle Petrarchs holen, warf mich, so bald ich mich abgekühlt hatte, in meinen Wagen, und floh diesen poetischen Ort, der mir je länger je unbehaglicher ward. Ich hielt mich vor den Anfällen der platonischen Liebe, der dichterischen Schwärmerei, und jener schwermütigen Laune der Empfindsamen nicht eher sicher, als bis ich, eine Stunde nachher, auf meinem Rückwege den Gastof zu Lille erreicht hatte, wo ich einen langen Mittag hielt, und bei grossen Krebsen und saftigen Haselhühnern mich noch mehr in der Wahrheit bestärkte, der ich immer anhing, so oft man sie mir auch verdächtig zu machen suchte, dass nichts vernünftiger sei, als seines Lebens zu gebrauchen, so lange es noch da ist.
Sobald ich nach dieser guten Mahlzeit mit mir selbst wieder in meinem Wagen zusammen traf, stürmten auch schon alle jene grausen Ahndungen auf