der heiligen Taufe erhielt; denn da hätte er vermutlich seiner Freundin den Gürtel der unbefleckten Jungfrau – anstatt ihn ihr jetzt als ein Konfekt von seiner Tafel zu schicken, während des Festes selbst umgebunden, ohne Zeit zu haben, ihn mit jenem allgemeinen Ablass auszusteuern, der von dem Tage seiner Ausfertigung an, bis auf uns glückliche, die wir übermorgen daran teil nehmen werden, vermutlich im Stillen fortgewuchert hat. Vergieb mir, Eduard, diese schwerfällige Periode ihres Reichtums wegen, ob ich gleich immer auf neue Betrachtungen komme, so oft ich nur einen blick auf dieses kostbare Dokument werfe. Wie manchen Anstoss der Sittlichkeit mag es schon gehoben, wie manche lebhafte Scene befördert und entsündiget haben, über deren Menge und Eigentümliches wir erstaunen würden, hätten sie immer ihren Burchard gefunden! Es war, ich wiederhole es, ein Glück für mich, dass eben solche Umstände an dem Feste des gottseligen Papstes zusammen trafen, um eine so wichtige Urkunde zu ihrer Entstehung, und mir zu der gelehrten Freude zu verhelfen, die mir, dreihundert Jahre nachher noch, die Harmonie seines Lebens und seiner gesetz verschafft.
Für meinen gesunden Schlaf zwar wäre es wohl besser gewesen, die ganze Parallele ungezogen, und das Augenzeugniss des Ceremonien-Meisters ungelesen zu lassen; denn es setzte mein Blut in die heftigste Wallung. Lange konnte ich das Naturgemälde nicht aus dem kopf bringen, und gruppirte mich und Klärchen immer in Gedanken dazu. Mein Herz pochte, meine Augen glühten, ich fühlte unter einem heiligen Schauer den übermächtigen Andrang des Jesuitismus. Die Stunde der Mitternacht schien mir von Minute zu Minute feierlicher zu werden, und der Geist Alexanders mich aufzufordern, in ihr meinen Profess zu tun. Sein Freipass überdeckte meinen Tisch, sein Tagebuch lag aufgeschlagen neben dem meinen, und zwei Wachskerzen brannten zu beiden Seiten. Alle diese Umstände zusammen wirkten gerade auf meine überzeugung, und trieben mich, unter fieberhaftem Erzittern, zur Ablegung meines Gelübdes. Da mir noch oben drein mein hülfreiches Gedächtnis statt der vorgeschriebenen Formel, die mir unbekannt war, eine andere an die Hand gab, die, bis zu meiner förmlichen Weihe, einstweilen den Abgang jener gar füglich ersetzen konnte; so trat ich ohne weiteres Besinnen vor meinen Altar, auf dem meine Schwärmerei das verklärte Bildniss meiner Heiligen und Geliebten in die Höhe stellte, so frei von allem irdischen Putze, als es jene fünfzig Auserkornen immer nur können gewesen sein, die den befeuerten Blicken meines grossen Vorgängers so wohl taten – und so ganz in der Glorie, wie mein trunkener Geist hofft sie übermorgen von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Ich legte zugleich die linke Hand auf die anziehende Stelle in dem Tagebuche des heiligen Vaters, hielt den Zeige- und Mittelfinger der Rechten in die Höhe, und den blick, von Rousseau ab, nach dem schlafenden Engel gewendet, entledigte ich mich meines Gelübdes, das, zwar nicht den Worten, doch dem geist nach, mit dem Eide eines Jesuiten auf das vollkommenste übereintraf. Si ille hoc fecit, sprach ich langsam und ernst, qui templa concutit sonitu – Ego homuncio hoc non facerem? ego vero illud feci ac lubens.17
Wie die Ceremonie vorbei war, taumelte ich endlich mit der eigenen Zufriedenheit eines Neubekehrten zu Bette, und wenn schon der gute Vorsatz verdienstlich ist, so darf ich hoffen, mehr als Ein Baret verdient zu haben, ehe ich einschlafe..
Den 6ten Januar.
Der Wagen, der mich nach Vauclüse bringen sollte, stand, wie der Wagen des Apollo, mit vier weissen Pferden bespannt, zur Rettung meiner Ohren, schon vor der tür, als mich die Glocken von allen Türmen der Stadt zu dem Feste der heiligen drei Könige erweckten. Ohne nach ihrem Golde, ihrem Weihrauch und ihren Myrrhen zu fragen, warf ich mich geschwind in einen gewiss artigern Reiserock, als der ihrige war, von silbergrauem Sammet, schlug, als ein würde, das blaue Strumpfband um meinen Sonnenhut, und schwebte nun, zwischen der süssen Erinnerung von gestern und der stolzen Erwartung auf morgen, dem Gebauer meiner kleinen Sängerin vorbei, die Treppe hinunter. Während dass Klärchen durch das Fenster des geheimnissvollen Kabinets blickte, in das mich Papst Alexander morgen zur Weihe einführen soll, und gegen über Herr Fez, ohne nur zu ahnden, welchen Dank ich ihm schuldig war, mir die Verbeugung eines Klienten machte, hob mich meine Selbstzufriedenheit federleicht in die Höhe, und der Wagen rollte durch die festlich geschmückten Gassen.
Mein armer Sebastian sass demütig neben mir; seine Aehnlichkeit mit Margot war in meinen Augen verschwunden; er fühlte sich zu einem gemeinen Bedienten erniedriget, und hatte nicht das Herz mehr, seinem vornehmen Herrn eine andere Frage zu tun, als seine Bestallung rechtfertigen konnte. Und ich! von welcher stolzen Höhe sah ich auf alles herab, was sich meinen geistigen und leiblichen Augen ausser Klärchen darbot! Ich blickte so neidlos auf die stillen Täler, die neben mir, als auf die lärmenden Königsstädte, die weit aus meinem Gesichtskreise lagen, bemitleidete das zwangvolle Leben der Grossen, wie das Idyllenleben der Hirten, wenn jene auf Flaum – diese auf Moos gestreckt – hier immer nur weidende Lämmer – dort immer nur bettelnde Sklaven im Auge – hier immer nur den einförmigen Ton der Glöckchen – dort das Geklapper des Stolzes im Ohr haben, durch den die eine ärmliche Herde bei jedem Genuss eines Gräschens – die andere oft ohne Genuss, die höhern Bedürfnisse menschlicher Torheit verkünden; und mit wohlgefälligem Lächeln kehrte ich nun