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, um Wittelsbachs willen mich liebenswürdig zu finden, Beatrix liebte mich zwar, aber sie fragte sich, wie es schien, immer insgeheim, woher doch das Etwas komme, welches mit ihrer Zuneigung eine Art von Furcht und Missfallen verbinde. –

Mir war dies schreckliche Etwas wohl bekannt, das mich mir selbst zum Abscheu machte, und das ich jetzt mehr als jemals abzuschütteln suchte. Ich konnte, ich konnte den zu Pamiers erhaltenen Auftrag nicht ausführen, konnte nicht der Verderber dieses Fürstenhauses und der Mörder dieses Kaisers werden, an welchem ich so viel Vortreflichkeiten entdeckte. Um mich von meiner grausamen Pflicht loszumachen, strebte ich nach Gründen, Philipp schuldlos und das Gericht, wo er verdammt wurde, verdächtig zu finden; endlich kam es zwischen mir und Rudger über diese Dinge zur Sprache. Seine Zweifel waren die meinigen, und er schlug mir vor, er wolle eine Reise nach dem Herzog von Sachsen tun, um von ihm Aufklärung jener Dunkelheiten zu holen, ein Einfall, der mir wie vom Himmel zu kommen schien.

Dem Herzog von Sachsen Botschaft zu tun, schien mir auch noch aus einem grund nötig: Kalatin, zu welchem ich nach den letzten Vorgängen nun einmal kein Herz mehr haben konnte, war, wie ich wusste, zu ihm abgereist, er konnte vielleicht Böses wider mich im Sinne haben, welches Rudgers Gegenwart hindern konnte. Kalatin war mir bei meiner Ankunft am kaiserlichen hof nur wie ein Gespenst erschienen, um mich noch einmal um Alverdens Hand anzusprechen. Ich schlug sie ihm ab, und er wandte mir den rücken; bald darauf verschwand er gar, ich erfuhr, er sei nach Sachsen gereist, und dieses denke ich, war genug, mir Besorgnisse seiner Absichten wegen einzuflössen. Rudger sollte ihnen entgegen arbeiten, sollte mir schnelle Aufklärung meiner Zweifel bringen; wahrhaftig wichtige und notwendige Geschäfte, wenn nicht das noch notwendiger gewesen wär, bei mir zu bleiben, und meinen schwankenden Schritten zum Leiter zu dienen.

Ach der ehrliche Alte, unter dessen Augen ich aufgewachsen war, und der durch geprüfte Treue das Recht erlangt hatte, ehe mein Freund als mein Diener zu heissen; da er mich verlassen hatte, gesellten sich Verführer zu mir, die mich zu Taten vorbereiteten, welche in halber Raserei begangen, mit endloser Reue gebüsst, und umsonst durch die Vorstellung entschuldigt wurden, ich sei verpflichtet gewesen, sie zu begehen, Kaiser Philipp sei ungeachtet seiner schönen Aussenseite dennoch ein Mörder, und ihn habe in meinem Schwerd nichts als die Hand gerechter Rache getroffen.

In der Hoffnung, mich durch einen Ausspruch des Herzogs von Sachsen von meinem grauenvollen Auftrag entledigt zu sehen, fing ich nun schon an, mich mit noch weitern Aussichten zu belustigen. Der Gedanke, Alix werde nicht Königin von Kastilien werden, kam mir nicht aus dem Sinn, Alverde hatte mir versprochen, zu Pamiers für sie zu wachen, und mich bei dem geringsten Anschein, dass man die Heiratstraktaten aufheben, und sie ihrem Bruder zurückschicken wollte, herbeizurufen. Ich wollte denn ihr Begleiter nach Toulouse werden, wollte ihrem Bruder meinen Arm gegen seine Feinde leihen, wollte siegen, und sie sollte der Lohn meiner Tapferkeit werden.

Mitten in diesen Projekten, die mir Frohsinn und Selbstzufriedenheit wieder zu geben begunnten, erhielt ich Briefe von Sutrino aus Pamiers. Rechtfertigung wegen der Beschuldigung, die ich ihm auf Rudgers Angabe gemacht hatte, er sei eine Kreatur des Bischofs von Sutri, war ihr Inhalt. Um seine Unschuld hierin scheinbar zu machen, warnte er mich selbst vor diesem Bischoffe, den ich hasste, und der sich vergebens bemühte, sich in meine Vertraulichkeit einzuschleichen. Er riet mir zugleich, auch Otten von Wittelsbach zu warnen, und streute eine Menge Winke ein, dass man gesonnen sei, ihm seine Elise zu rauben; und dass es der Kaiser so ehrlich mit ihm als mit irgend einem Menschen meine; mehrere Auskunft über diese Dinge zu erlangen, verwies er mich an den Ueberbringer seines briefes, welcher von der nehmlichen Schlangenart wie er, sich künstlich in mein Herz zu schlingen, und es mit all seinem Gifte zu erfüllen wusste; er erregte in mir die schrecklichsten Ahndungen von den Absichten des Kaisers auf den kastilischen Tron, von Erhebung seiner Tochter und Verdrängung einer andern, und verliess mich nicht ehr, bis er sein Werk ganz getan zu haben meinte.

Ich nahm mir vor, endlich einmal ausführlich mit Wittelsbach zu reden, dessen Umgang, aus Furcht ihm meine schrecklichen Geheimnisse zu verraten, ich bisher immer geflohen hatte. Ein Brief warnte ihn vorläufig vor Sutri und vor dem Kaiser; bessere Erläuterung sollte nachkommen, aber sie erfolgte nicht. Dringende Geschäfte riefen den Pfalzgrafen eilig nach Pohlen, und ich erhielt von ihm nur schriftlichen Dank, und die Einladung, während seiner Abwesenheit in seinem Pallaste zu wohnen, um daselbst in der Nähe für Elisen wachen zu können, die er jetzt verlassen müsse.

Welch ein Auftrag für den, welcher vom Schicksal bestimmt war, das Herz dieser edlen Prinzessin auf das tiefste zu verwunden! – Ich nahm ihn an, weil ich nicht anders konnte, und betrat Wittelsbachs Pallast, um in demselben den fürchterlichsten Auftritten meines Lebens entgegen zu sehen.

Ich stand am Tage meines Einzugs auf dem Balkon des Hauses, welcher das Frontispitz des Gebäudes ausmachte, und die Aussicht auf den Pallast der Prinzessinnen hatte. Ich sah einen Reisewagen von einem einigen Bedienten begleitet ankommen, er öfnete sich, und eine Dame stieg heraus; ich fuhr voll Erstaunen zurück;