, und das Urteil blieb gesprochen.
Keine Sprache schildert meinen Zustand in der Zeit, welche auf das Gericht folgte, das mir jenen greulichen Auftrag gegeben hatte. Schuld und Unschuld desjenigen, welchen ich richten sollte, wogte unaufhörlich in meiner Phantasie auf und nieder, jetzt glühte ich von Rache gegen Erzbischof Konrads Mörder, jetzt bebte ich vor Angst, mein Schwerd möchte bestimmt sein, einen Unschuldigen zu fällen, nur eins blieb fest und gewiss in meiner Seele, der Entschluss, Otto von Wittelsbach sollte des Anteils an diesen grauenvollen Dingen überhoben bleiben; ich liebte ihn zu sehr, um hier nicht seine hände rein erhalten zu wünschen; lieber wollte ich allein tun, was ich tun musste, als ihn durch Teilnehmung unglücklich machen; und tat ich hierin etwas sonderliches? Wir opfern uns für das Glück, für die Ehre, für das Wohlsein unsers Freundes auf, sollten wir nicht das nehmliche für sein Gewissen tun? Niemand hatte ich, mit dem ich über diese Dinge sprechen konnte; diejenigen unter den Mitgliedern unsers Bundes, welche ich genau genug kannte, um ihnen mein Herz zu öffnen, waren des andern Tages nach dieser schrecklichen Nacht schon nicht mehr zu Pamiers, der Herzog von ** hatte mein volles Misstrauen, und Rudger, der so wohl als ich in jener Nacht gegenwärtig war, durfte Pflicht wegen seine Meinung über Dinge, welche in den höhern Regionen unsers Reichs vorgingen, weder sagen, noch von mir dazu aufgefordert werden. Profane aber zu Vertrauten zu machen, wär Torheit und Eidbruch gewesen.
Sutrino, der Freund, dessen ich schon mehr gedacht habe, war keiner der Unsern, und also auch gegen ihn musste ich schweigen; aber sonderbar war es, dass er, so oft wir zusammen kamen, mich mit Dingen unterhielt, welche ganz zu meinem herrschenden Gedanken passten, und mich überall, wo ich noch wankte, fest zu machen abzielten. Erzbischof Konrads Tod und Philipps Schuld waren unablässig der Gegenstand seines Gesprächs, und kam ich von ihm, so konnte ich gewiss nie in dem, was mir zu tun oblag, zweifelhaft sein.
Mich trieb meine Pflicht zur schnellen Abreise aus Pamiers, Alverde tat das nehmliche, wenn gleich aus andern Gründen. Sie redete mir unaufhörlich vom kaiserlichen hof und den Prinzessinnen vor, und drang in mich, zu eilen; ach sie wusste nicht, dass sie dem haus ihrer Freundinnen in meiner person das Unglück zusandte. – Auch Pfalzgraf Otto schrieb, und drang in meine schnelle Ueberkunft, damit ich ja von allen Seiten bestürmt würde.
Die Trennung von dem Orte, wo Alix lebte, war mir schwer; ich strebte darnach sie nur noch ein einigesmal zu sehen; man verbarg sie vor meinen Augen; auf der andern Seite forderte der Herzog von **, ich sollte mich vor dem Abschied aus Pamiers noch denen zeigen, welche meine Kerkermeister gewesen wären, dem Bischof von Kastilien und seinen Räten, die mir gern den grausamsten Tod gegönnt hätten; die Höflichkeit, sagte er, erforderte solches, man müsse auch seinen Feinden zuweilen freundliche Mienen machen, und überdieses sei es ja so erwiesen noch nicht, dass jene meuchelmörderischen Absichten, deren ich sie anklagte, auf ihre Rechnung, nicht vielmehr auf die Rechnung ihrer Diener gehörten. – Verdammte Politik, die eines Mannes, wie der Herzog von **, würdig war!
Ich beantwortete seine Anmutungen mit verächtlichem Stillschweigen, und schied ohne Verzug aus Pamiers! – Gefangenschaft und Elend hatten mein Blut genugsam abgekühlt, um mich die notwendigkeit dieses Scheidens lebhaft fühlen zu lassen, mein Verstand war jetzt nur selten abwesend, war die meiste Zeit über hell genug, um die Armseligkeit der Hoffnungen einzusehen, mit welchen die guterzige Alverde mir zu schmeicheln suchte, mein Kopf war frei, aber mein Herz litt unbeschreiblich, wenn ich bedachte, in was für Absichten ich eigentlich den kaiserlichen Hof suchte, an welchen mich meine Freunde zu Verbesserung meines Glücks lockten. Sie machten tausend Plane im Stillen für mich, von welchen nicht einer glücken konnte, da sie nur wenig von meiner wahren Lage wussten.
Otto und Alverde, mich allmälig von Alix loszureissen, suchten Bande zwischen mir und der Prinzessin Beatrix zu knüpfen, welche zwischen der Tochter und dem bestimmten Mörder ihres Vaters ja gar nicht statt haben konnten.
Als ich diese Dame sah, die schönste, welche ich je nach Alix erblickte, das lebende Bild der Unschuld und des Frohsinns, als ich die holdselige Elise sah, welche durch die sanfteste Herablassung mich ganz zu fesseln wusste, als ich die edle Irene, die Mutter der unvergleichlichen, ganz nach ihr gebildeten Schwestern, und den Kaiser sah, in all der Majestät und Milde, welche wahrhaftig keinen Mörder und Giftmischer bezeichneten, da sank mein Herz, und ich betrachtete mich mit Abscheu, dass ich Unglück in diese Familie bringen sollte. Ich kämpfte innerlich die schrecklichsten Kämpfe, unstät wie der erste Mörder irrte ich umher, und floh meine besten Freunde, floh selbst den Pfalzgrafen Otto, der meinen geheimen Kummer sah, und mir überall, wo er mich festalten konnte, zusetzte, mein Herz vor ihm auszuschütten, oder mich mit Trost aufzurichten suchte, welcher kaum halb auf meinen Zustand passte.
Ich sollte glauben, in dem Zustande, in welchem ich mich damals befand, müsse auch mein Aeusserliches den widrigsten Eindruck gemacht haben; ich glaubte ihn in manchen Augen zu lesen. Die Kaiserin schien ein innerliches vielleicht ahndendes Beben vor mir zu fühlen, Elise zwang sich nur