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derselben würde strenge Rechenschaft ablegen müssen.

Was er zu verstehen gab, das geschah. In dem Gerichte, da ich gewohnt war, eine ganz andere Stelle einzunehmen, wurde ich als Beklagter aufgefordert! eigenmächtiges Verfahren ohne Wissen meiner Obern, und Mangel an Verschwiegenheit waren die Hauptbeschuldigungen die man wider mich aufbrachte. Man setzte mir hart zu. Weniger erfahren in allen Mitteln unsers Rechts, hätte ich der Bosheit meiner heimtückischen Verfolger unterliegen müssen, aber ich siegte. Wider die erste der schändlichen Anklagen, schützte mich der Beweis, dass ich auf Kalatins Ladung mein Land verlassen habe, und alle Schuld fiel auf ihn. Was den Punkt wegen der Verschwiegenheit anbelangte, so hätten mich die Leiden rechtfertigen können, die ich für die Geheimnisse des Ordens erduldet hatte, aber man liess es gar nicht zu diesem mir so rühmlichen Beweis kommen. Der Herzog, welcher mir einst seine Vertraulichkeiten gegen den Grafen von Segni gebeichtet hatte, furchte, ich möchte hier seine beichte wiederholen, und lenkte ein.

Ich nahm meinen Platz als ein Schuldlos befundener, nun wieder unter den Richtern, und sah mit Erstaunen, dass auch Kalatin sich entschuldigen konnte; ich liess alle diese Dinge an ihrem Ort gestellt sein, und behielt mir vor, einst vor dem stuhl des Herzogs von Sachsen hierüber zu sprechen, weil hier mir alles verdächtig war.

Die Prüfungen jener schrecklichen Nacht, waren für mich noch nicht geendet; ach die gefährlichsten, sie, die meine Hasser nicht sinnreicher zu meinem Verderben hätten erfinden können, folgten noch. Mir sind diese Dinge noch immer ein unauflösliches geheimnis, auch hier muss ich glauben, dass der Herzog wirklich getäuscht war; gutwillig hätte er, dem die unverletzliche Majestät unserer geheimnissvollen Rechte, und die schwere Strafe, welche auf den mindesten Vergehen, wider dieselben haftete, bekannt war, gutwillig hätte er nicht fehlen, gutwillig hätte er nicht Erdichtung der fürchterlichsten Anklagen, und mutwillige Verleumdung eines gekrönten Unschuldigen begünstigen können.

Aber, unschuldig? Philipp unschuldig? Gott gebe, dass er es nicht war! Sollte wirklich das, was mich damals selbst so ganz verblendete, erdichtet gewesen sein, wo wollte ich Entschuldigung, wo Mittel finden, meine verbrecherischen hände von vergossenem Blute rein zu waschen!

Die Hälfte der unsern Geheimnissen geweihte Zeit war vorüber. Der Mond ging unter, und alles verkündigte die Annäherung des Morgens. Da erhub sich das Panier des Blutbanns noch einmal und der Herold verkündigte noch einmal Aufmerksamkeit und Stille. Kläger standen auf, und Zeugen zeugten wider Philipp von Schwaben, den unwürdigen Besitzer des Kaiserstuhls; sie nannten ihn Erzbischof Konrads Mörder, und riefen das Wehe über ihn herab. Diese schreckliche Beschuldigung Kaiser Philipps war mir nicht neu, der Herzog von ** hatte schon darüber mit mir geredet und an mich geschrieben, aber sie fasste mich jetzt mit allen Schrecken der Neuheit, ich hielt sie damals für ganz unerweislich, jetzt sah ich sie mit den täuschendsten Gründen erwiesen.

Armer, armer Alf von Dülmen! wie war dir, als dir die Post, dein Freund, dein Vater, Erzbischof Konrad von Maynz sei nicht mehr, gleichsam von neuem verkündigt ward, als du seine Vergiftung beweisen, und die stimme seines racheschreienden Bluts ertönen hörtest? War Wut und Rachsucht wider den vermeintlich überwiesenen Mörder dir zu verdenken? War dirs zu verdenken, dass du mit Ungeduld lauertest, wem die Gerechtigkeit das Schwerd wider ihn in die Hand geben würde?

Der Stab ward über Philipp gebrochen; seine Schuld war zu gross, er sollte ungewarnt sterben; man warf das los über die Bluträcher; kein gemeines Schwerd durfte den gekrönten Verbrecher fällen, Richter standen auf aus dem Gericht, die Diener der Rache zu werden, und das los ward geworfen; es fiel auf mich; und der abwesende Otto von Wittelsbach ward mir zum Gefärten gegeben.

Mich überfiel ein Zittern, als gelte es hier das Blut der Unschuld; Rache und Grimm gegen Konrads sogenannten Mörder waren wie weggehaucht aus meinem Herzen, mir war es als stünde der Schatten des verblichenen Heiligen an meiner Seite, und hindere mich, das Schwerd zu ziehen, das ich dem Herkommen gemäss zum Zeichen der Einwilligung blössen musste.

Was zögert Graf Adolf? fragte der Herzog von **, versagt er der Gerechtigkeit seinen Arm, oder zweifelt er an dem, was so eben erwiesen ward?

Keins von beiden, sagte ich mit dumpfer stimme, aber ich protestire wider einen der sogenannten Ausrichter des Urteils.

Doch nicht wider euch?

Das darf ich nicht, wo würde ich Vorwand finden? aber was hat Otto von Wittelsbach getan, der Mörder seines Vaters werden zu sollen?

Wer weis, ob Philipp je Ottos Vater wird, doch dem sei also, hebt nicht die Gerechtigkeit jede Bande auf?

Ich protestire nochmals wider die Schuld, die man auf Ottos Gewissen laden will!

So nehmt ihr sie allein auf das eurige! Philipp falle nur; durch wen unter den ernannten Rächern er falle, das ist für die urteilssprechende Macht gleichgültig; aber wehe denen, welchen sie das Schwerd vertraute, wenn Erzbischof Konrads racheschreiendes Blut nicht bald befriedigt wird! der dritte Mondswechsel darf Philipp nicht mehr unter den Lebendigen finden.

Es war hier, als wenn noch einige unter den Edelsten unsers Bundes auftreten, und etwas gegen das Urteil einwenden wollten, aber die Nacht gränzte dicht an den Morgen, dessen Strahlen die Geheimnisse des Blutgerichts14 nicht entweihen dürfen; es war unmöglich, noch einen Einspruch zu tun; die Versammlung zerfloss wie Wolken zerfliessen