Befreiung angestellt, und die prinzessin Alix sollte, als sie meine Rettung erfahren habe, überlaut zu ihren Damen gesagt haben, Gottlob! Gottlob! dass er geborgen ist!
Der Feindselige! er wusste nicht, wie sehr er mich durch diese Dinge, welche mich beschämen sollten, entzückte! Ich antwortete nichts, sondern sehnte mich, mit Rudger hierüber zu sprechen; die Freude, mich nach so grosser Gefahr wieder zu sehen, hatte ihn halb wahnsinnig gemacht, und ich erfuhr erst spät, dass ich ihm hier eigentlich alles zu danken habe. Sein erstes Geschäft nach meiner Gefangennehmung war gewesen, unserm grossen Oberhaupt dem Herzog von Sachsen auf die gewöhnliche Art mein Unglück wissen zu lassen; aber als er bei näherer Erkundigung erfahren hatte, in was für Händen ich sei, und wie dringend meine Gefahr werden könne, so war er geflogen meine Schwester von meiner Lage zu benachrichtigen und mit ihr schleunigere hülfe zu verabreden. Alverde war an dem nehmlichen Tage aus dem Dienst der prinzessin entlassen worden; er fand sie nicht, und die Angst trieb ihn, bei Alix für mich zu flehen; daher ihre grossmütigen Verwendungen für mich, welche ich freilich lieber eigenem Antrieb, nicht fremder Vorbitte, freilich lieber der Liebe, als dem blossen Mitleiden zu danken gehabt haben möchte.
Alverdens Aufentalt hatte er endlich auch ausgekundschaftet; denn bei hof wusste man ihn nicht, sondern glaubte, sie habe dem erhaltenen Befehl zu folge, Pamiers gänzlich verlassen. Sie war die Dame im Cölestinerkloster, welcher ich das Te deum für meine Rettung zu danken hatte; eine Schwachheit des guten Mädchens, ihre Freude um mich so öffentlich zu äussern, welche ihr hätte gefährlich werden können, und welche wohl bloss der höchste Grad inniger Schwesterliebe entschuldigen konnte. Und diese gute Seele sollte in der Folge so verleitet werden, dass sie die Schöpferinn meines Verderbens werden musste? und ich, der ich ihr Herz kannte, war so verblendet, sie wirklich für meine Feindinn zu halten? – Doch ich kann dem gang meiner geschichte nicht vorgreifen, ohne undeutlich zu werden; ich fahre fort.
Da es mir nicht vergönnt war, zu den Füssen der himmlischen Alix meine Danksagungen auszuschütten, so hatte die treue Schwester den nächsten Anspruch auf mich; ich flog zu ihr in das Cölestinerkloster, und fand sie krank vor Freude. Durch Briefe von Alix hatte sie meinen Tod und meine Rettung kurz hinter einander vernommen, ein Wechsel von den gewaltsamsten Gefühlen, welcher die zärtlichste Seele, die je mit einem eben so feingebildeten Körper verbunden war, wohl zu Boden drücken musste. Schon einmal war ich ihr durch einen Brief von der Prinzessin tod gesagt worden; aber die Sache hatte keinen Glauben bei ihr gefunden, weil sie durch ihre Kundschafter besser belehrt war. Auch sie hatte sich zu meiner Rettung an die Mitglieder des grossen Bundes gewandt. Briefe von ihr an den Pfalzgrafen Otto waren längst abgegangen, und wahrscheinlich hatte sich der Herzog von Sachsen, auch durch ihn belehrt und aufgemahnt, so ernstlich für mich verwendet.
Himmel, wie viel edle Personen sorgten um mich! Konnte ich, konnte ich sinken, da diese für mich wachten? – Wie glücklich war ich damals! wie stolz fühlte ich mich, in der achtung der besten Menschen! Alix, Alverde, Bernhard und Otto liebten mich! – – und jetzt? – O schon das Bewustsein, in der ganzen Welt, von keiner Seele geliebt zu sein, leben und sterben zu können, ohne dass eine Träne um mich fliessen würde, schon dieses könnte mich in den Abgrund der Verzweiflung hinabreissen; ich war damals so reich, und jetzt habe ich nicht einmal einen treuen Rudger, mit dessen Liebe ich mich trösten könnte; doch ich bin ungerecht! Ademar! ich habe ja dich, an den ich diese Blätter richte!
Ich weiss nicht, ob ich mir damals nicht zu viel schmeichelte, wenn ich glaubte, Alix fühle etwas mehr als Mitleid für mich, wenigstens habe ich nachher nie eine Spur gehabt, dass sie mich noch kenne oder für mich fühle. Alverde musste dieses am besten wissen, aber sie sah meinen verzweifelten Zustand, und schmeichelte mir mit allem was ich wünschen konnte, um mich nur zu beruhigen und zu entfernen. – Sie zeigte mir tausenderlei Hoffnungen in meiner Liebe, und wies mich doch auch an den kaiserlichen Hof, wo ich mein Glück vielleicht noch besser als durch Alix machen könnte; die Angst entschuldige ihr widersprechendes Betragen, die Angst mich noch in der Stadt zu sehen, wo meine Feinde lebten. Sie drang darauf, dass ich Pamiers verlassen sollte, aber sie würde vielleicht durch nichts gesiegt haben, als durch die Vorstellung, dass Alix um meiner Gegenwart willen leiden müsse, und dass sie, wegen meiner bekannten leidenschaft für sie, strenger in meiner Anwesenheit gehalten würde, als nach meiner Entfernung nötig sei.
Ich liess mich überreden, und begehrte nur noch einige Tage Frist, ich musste diesen Aufschub begehren, da der Tag nahe war, um dessen willen sich alle Mitglieder unsers heimlichen Bundes eigentlich hier versammelt hatten, der Tag eines grossen Gerichts, bei welchem, wie mir der Herzog von ***, der leidige Stellvertreter unsers obersten Stuhlherrn sagte, sehr wichtige Dinge verhandelt werden sollten. Es war sehr viel Widersprechendes in dem Betragen dieses Mannes, er bestand darauf, dass ich bei der grossen Gerichtssitzung nicht fehlen dürfe, und doch machte er mir meine Anwesenheit zum Verbrechen, und gab Winke, dass ich wegen